Agile Sprachverwirrung beenden Erzeugen Sie mit dem agilen Baum ein gemeinsames Verständnis von Agilität

Am Anfang des agilen Arbeitens herrscht oft sprachliche Verwirrung – kein Wunder bei der Vielzahl an Frameworks mit jeweils eigenen Praktiken, Prinzipien und Werten. Damit die Sprachverwirrung keine babylonischen Ausmaße annimmt, sollte sich ein Projektteam gemeinsam einen Überblick über Vokabular und Zusammenhänge verschaffen. Der agile Baum eignet sich dafür als visuelle Workshop-Methode.

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Agile Sprachverwirrung beenden Erzeugen Sie mit dem agilen Baum ein gemeinsames Verständnis von Agilität

Am Anfang des agilen Arbeitens herrscht oft sprachliche Verwirrung – kein Wunder bei der Vielzahl an Frameworks mit jeweils eigenen Praktiken, Prinzipien und Werten. Damit die Sprachverwirrung keine babylonischen Ausmaße annimmt, sollte sich ein Projektteam gemeinsam einen Überblick über Vokabular und Zusammenhänge verschaffen. Der agile Baum eignet sich dafür als visuelle Workshop-Methode.

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Haben Sie schon einmal den folgenden oder einen ähnlichen Satz gehört? "In der Retro-Perspektive probieren Anwender das Produkt aus und geben direkt Feedback!" Hoppla, hier wurde wohl das Sprint Review aus dem Scrum-Framework mit der Sprint Retrospektive verwechselt.

Egal ob Kollegen oder Kunden sich mit hochgekrempelten Ärmeln in das erste agile Projekt stürzen oder sich auf einem Einführungsworkshop erstmal ein Bild von Agilität machen wollen: Am Anfang des agilen Arbeitens herrscht oft Sprachverwirrung. Kein Wunder, schließlich gibt es eine Vielzahl von agilen Frameworks wie Scrum, Kanban, Design Thinking oder Lean Startup, und jedes dieser Frameworks hat seine eigenen Praktiken, Prinzipien und Werte und damit auch sein eigenes Vokabular.

Babylonische Sprachverwirrung durch agiles Vokabular

Damit die Sprachverwirrung keine babylonischen Ausmaße annimmt, empfehle ich den Agilen Baum als Workshop-Methode, mit der Sie innerhalb einer Stunde gemeinsam einen Überblick über Vokabular und Zusammenhänge erstellen, das Vorwissen der Teilnehmer vereinheitlichen und mit dem befüllten Baum ein Ergebnis erhalten, das später weiterverwendet werden kann.

Projektleiter und Coaches von Teams hilft die Methode besonders in der Anfangsphase eines Projekts dabei, ein einheitliches Bild über agile Arbeitsmethoden herzustellen. Auf dieser Basis kann das Team entscheiden, mit welchen Aspekten der Agilität es sich verstärkt auseinandersetzen möchte und wie es die Werte und Prinzipien im Projektalltag leben möchte.

Der vorliegende Artikel liefert Ihnen zunächst eine kurze Anleitung, wie Sie den Baum in einem Workshop nutzen können und was Sie dafür benötigen. Anschließend werden überblicksartig die Inhalte erläutert, mit denen der agile Baum befüllt werden kann (agile Frameworks, Praktiken, Prinzipien und Werte), damit Sie die wichtigsten Inhalte parat haben, mit denen der Baum während eines Workshops befüllt werden kann. Abschließend erhalten Sie Anregungen für die Verwendung des Baums nach dem Workshop.

Der agile Baum im Überblick

Der agile Baum mit seinen fünf Ebenen: Mindset, Werte, Prinzipien, Frameworks und Praktiken
Bild 1: Der agile Baum mit seinen fünf Ebenen: Mindset, Werte, Prinzipien, Frameworks und Praktiken

Auf dem agilen Baum lassen sich die wichtigsten Begrifflichkeiten verorten, die im Zusammenhang mit agilem Arbeiten aufkommen können: Eine ausladende Baumkrone bietet Platz für eine große Auswahl konkreter agiler Praktiken. Das Mittelgeäst bündelt die verschiedenen Praktiken in den großen agilen Frameworks. Der stabile Stamm steht für die agilen Prinzipien als gedankliche Grundlage der Vorgehensmodelle und Arbeitsmethoden. Unter der Erdoberfläche befindet sich das Mindset als Grundlage sowie die agilen Werten als Wurzeln des Baums.

Die Analogie "ohne starke Wurzeln gibt es keinen großen Baum" lässt sich treffend auf agiles Arbeiten übertragen: Nur wenn die agilen Werte beherzigt und gelebt werden, können agile Methoden ihr volles Potential entfalten!

Diesen Aspekt verdeutlicht auch der vertikale Pfeil auf der rechten Ebene des Baums: Agile Prozesse (beispielsweise die Rollen und Meetings von Scrum) kann man in einer Schulung in wenigen Tagen erlernen und anfangen umzusetzen. Schwieriger ist es, die Werte und das Mindset zu leben – dafür gibt es kein Patentrezept! Die Teammitglieder müssen unter sich aushandeln, was die Werte für das Team bedeuten und regelmäßig reflektieren, ob es die Werte lebt.

Der Agile Baum ist eine gute Methode, um mit diesem Prozess zu starten: Die Methode verdeutlicht Gruppen, wie wichtig Werte für das agile Arbeiten sind. Dies können Sie gut als Begründung verwenden, warum es sich lohnt, mit Ihrem Team dazu einen kurzen Workshop durchzuführen.

So benutzen Sie den agilen Baum in einem Workshop

Die Idee, Agile Werte und Prinzipien und deren Zusammenhänge als Baum darzustellen, wurde schon in unzähligen Trainings verwendet; meist mündlich, aber manchmal auch visualisiert auf einem Flipchart.

Als interaktive Workshopmethode habe ich sie 2017 mit meiner Kollegin Constanze Rieß ausgearbeitet: Damals hatten wir die Aufgabe, in einer einstündigen Workshop Session einer Gruppe mit sehr heterogenem Wissensstand zu erklären, was Agilität ist und was sie auszeichnet. Das Konzept funktionierte gut – auch bei Führungsteams, die kaum Vorwissen besaßen – und seitdem verwenden nicht nur wir, sondern auch viele unserer Kollegen und Scrum Master, die wir ausgebildet haben, diese Methode in Workshops und Trainings.

In der Anwendung der Methode haben meine Kollegen von borisgloger consulting und ich die Erfahrung gemacht, dass der agile Baum besonders großen Nutzen stiftet, wenn das Wissen in der Gruppe zu Agilität unterschiedlich groß ist, z.B.: Einige Mitglieder haben bereits agil gearbeitet, andere kennen nur ein paar Begriffe wie Scrum oder Definition of Done. Im Workshop können Sie die Methode verwenden, um unter den Teilnehmern ein einheitliches Bild über Agilität herzustellen.

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Alle Kommentare (3)

Beate
Friedrich

Danke für dieses tolle Tool und die Visualisierung! Ich werde es gerne nutzen. Ich bin fest davon überzeugt, dass es nicht nur bei der Klärung der vielen agilen Begrifflichkeiten hilfreich ist, sondern auch zahlreiche und mächtige Aha-Erlebnisse zu Tage fördert. Gerade die agile Arbeitsweise ist extrem anfällig bei schwach ausgebildeten Wurzeln.
Ein Hinweis am Rande: von doing zu being läuft die Richtung vertikal, nicht horizontal ;-)

Vielen Dank Frau Friedrich für Ihren positiven Kommentar, das freut uns sehr! Danke auch für den abschließenden Hinweis, wir haben das korrigiert. :-)

Hans
Stromeyer

Ich finde Ihren Artikel sehr interessant, der Baum macht etwas sehr wichtiges, er visualisiert die verschiedenen Ebenen und zeigt, dass man im agilen Umfeld frei kombinieren kann. Visualisierung transportiert Information erheblich besser und ist ein wesentliches Element, das durch den ganzen agilen Komplex sehr gefördert wird.
Was mir daran fehlt, ist die Tatsache, dass viele Projekte im Spannungsfeld zwischen agil und klassisch stehen. Viele Unternehmen, die nicht Software entwickeln, wollen agiler und flexibler (und vieles anderes mehr) werden. Sie stehen vor genau den Herausforderungen, die Ihr Baum aufzeigt, mit dem Unterschied, dass sie aus dem klassichen Umfeld kommen und dieses naturgemäß nicht einfach mal so eben verlassen können.
Daher würde ich den Baum mit weiteren Elementen ergänzen, etwa mit den „Frameworks“ Wasserfall und Praktiken, wie etwa der Stakeholder- und Stacey-Analyse. Was daraus dann entstehen könnte, wäre der hybride Ansatz – zwischen Wasserfall und agil. So könnte man etwa in klassischen Projekten Retrospektiven beim Jour Fixe einführen, Entscheidungen auf cross-funktionale Teams delegieren, im PSP Arbeitspakete mit Scrum durchführen, oder Lastenhefte mit User Stories erarbeiten. Dies würde es auch klassischen oder sehr hierarchischen Organisationen ermöglichen, sich in Richtung Agilität auf den Weg zu machen. Begleitend stünde dann die große Herausforderung an, agile Mindsets zu entwickeln und zu fördern.
Diese Veränderungen bedingen Aufwand, sind oft kontrovers und brauchen Zeit, hier sind gute Berater und Coaches gefragt.
Ihr Artikel stellt einen interessanten Ansatz dar, der zur Diskussion motiviert und Ergänzungsmöglichkeiten eröffnet.
Dr. Hans Stromeyer