Auf dem Weg zum "Flow"

Hektik, Leistungsdruck und Multitasking – die Belastungen im Projektalltag sind enorm. Wie gut wir die Anforderungen meistern können, hängt oft von unserer Tagesform ab. Wäre es da nicht hilfreich, wenn wir diese beeinflussen könnten, indem wir z.B. bewusst einen positiven Leistungszustand – den so genannten Flow – herstellen? Peter Göttel und Mireya Kaup beschreiben die grundlegenden Voraussetzungen, um diesen Zustand zu erreichen und stellen einige Methoden vor, die einen dabei unterstützen.

Auf dem Weg zum "Flow"

Hektik, Leistungsdruck und Multitasking – die Belastungen im Projektalltag sind enorm. Wie gut wir die Anforderungen meistern können, hängt oft von unserer Tagesform ab. Wäre es da nicht hilfreich, wenn wir diese beeinflussen könnten, indem wir z.B. bewusst einen positiven Leistungszustand – den so genannten Flow – herstellen? Peter Göttel und Mireya Kaup beschreiben die grundlegenden Voraussetzungen, um diesen Zustand zu erreichen und stellen einige Methoden vor, die einen dabei unterstützen.

Hektik, Leistungsdruck und Multitasking - die Belastungen im Projektalltag sind enorm. Oft hängt es von unserer Tagesform ab, ob wir alle Anforderungen meistern können. An "guten" Tagen erscheinen uns alle Herausforderungen als machbar, an "weniger guten" als kaum zu bewältigende Bürde. Es stellt sich somit die Frage: Können wir unsere Tagesform positiv beeinflussen?

Den Zustand, ganz in seiner Tätigkeit aufzugehen und jede Handlung intuitiv richtig und qualitativ hochwertig auszuführen, hat der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi als "Flow" bezeichnet (Csikszentmihalyi, 2007). Jeder hat diesen Zustand sicher schon als Kind beim Spielen erlebt und vielleicht auch später in anderen Lebenssituationen. Ideal wäre es, diesen Leistungszustand auch im Projektmanagement bewusst herzustellen. Wir könnten dann die gleiche Leistung mit weniger Energie erbringen oder mit der gleichen Energie mehr leisten. Je öfter wir uns im Flow-Zustand befinden, umso besser schöpfen wir unser Potential aus.

Dieser Artikel beschreibt grundlegende Konzepte zum Flow und stellt einige Methoden vor, um diesen Zustand zu erreichen. Ähnlich wie bei einem Buffet muss aber jeder für sich selbst herausfinden und entscheiden, was er am liebsten mag, d.h. welche Methode für ihn am besten passt.

Bild 1: Wege und Voraussetzungen für den optimalen Arbeitszustand (Flow).

Hard Facts liefern die Basis

Wer als Projektleiter den Flow-Zustand erreichen will, benötigt als Grundvoraussetzung die richtigen PM-Fähigkeiten, die es ermöglichen, Projekte erfolgreich zu managen. Diese kann er sich z.B. durch eine entsprechende Fortbildung oder eine bestimmte Qualifizierung aneignen. Die Kompetenzen und die erworbenen Fähigkeiten sollten ungefähr der zu bewältigenden Herausforderung im Projektalltag entsprechen. Reichen sie dazu nicht aus, führt das zu Ängsten und anderen Stresssymptomen. Eine Überqualifizierung hingegen führt zu Langeweile. Beides sind Zustände, die den Flow verhindern. Wer sich auf Dauer im Angst- und Stress-Bereich bewegt, riskiert sogar einen Burnout. (Siehe auch "Burnout oder die große Erschöpfung ...", Projekt Magazin, Ausgabe 19/2006).

Darüber hinaus ist es notwendig, das Umfeld so zu gestalten, dass Höchstleistungen im Team möglich sind. Das beginnt bei der richtigen Auswahl der Mitarbeiter nach sozialen und fachlichen Kompetenzen und endet bei der benötigten IT-Infrastruktur.

Als weiterer Punkt müssen Unternehmensstrategie und Projektziele definiert und synchronisiert sein. Auch sollten Werte und Ziele des gesamten Projektteams im Einklang stehen, damit jeder sein Bestes gibt und in das Projekt einbringt. Konkurrierende Ziele (z.B. aus der Matrixorganisation Linie vs. Projekt) gefährden nicht nur den Projekterfolg, sondern erschweren es alle Beteiligten, den Flow zu erreichen.

Zudem sollten Ziele nicht nur SMART formuliert, sondern auch so gewählt werden, dass die Anforderungen ungefähr den Fähigkeiten entsprechen (entsprechend dem "R" in SMART für "realistische" Ziele). Andernfalls ergeben sich ähnliche Konsequenzen, wie bei fehlenden Qualifikationen: Zu hohe Anforderungen führen zu Stress und in die Frustrationsfalle, bei zu geringen entsteht Langeweile. In keinem der beiden Fälle ist ein Flow-Zustand möglich.

Gibt es überhaupt zu niedrige Anforderungen im Projektgeschäft, werden Sie vielleicht fragen. Es gibt sie! Schleichenden Organisationsprojekte, die sich über Jahre hinziehen, mehrfach gestoppt werden, um dann wieder reanimiert zu werden oder Projekte, bei denen sowohl Zeit als auch Kosten keine Rolle zu spielen scheinen, sind typische Beispiele dafür.

Der Kopf entscheidet über Blockade oder Flow

Sind alle zuvor genannten "Hard Facts" erfüllt, fehlt als letzte Voraussetzung noch unser "Kopf". Und wie entscheidend dieser ist, soll folgendes Beispiel aus dem Leistungssport verdeutlichen.

Olympiavorbereitung 2008. Ein Beachvolleyball-Spieler hat den ganzen Winter trainiert. Er besitzt also die erforderlichen Skills und ist außerdem gesund. Alle Absprachen mit dem Teampartner sind getroffen, Unstimmigkeiten wurden beseitigt. Auch das Ziel nebst kleinen Unterzielen ist klar definiert: Olympiateilnahme 2008. Jetzt steht er in Norwegen beim ersten Grand Slam der Saison auf dem Platz und macht sich darüber Gedanken, dass er letztes Mal gegen diesen Gegner sehr schlecht aussah. (Vergleichbar hierzu wäre im Berufsleben, dass der Chef beim letzten Mal auch schon nicht mit der erbrachten Leistung zufrieden war.) Er läuft dabei Gefahr, gedanklich in die "Angst-Zone" abzurutschen und damit die Herausforderung als zu groß anzusehen. Der erwünschte Flow lässt auf sich warten. Der Kopf mit seinen Gedanken, vor allem mit Bewertungen, blockiert die eigentlichen Fähigkeiten.

Bewertungen und Kommentare

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Kommentare 1

Alle Kommentare

Petra
Berleb
Ich finde den Artikel mit seinen Vorschlägen um eine Basis für den Flow zu schaffen sehr gut. Wichtig und das wurde hier zu wenig erwähnt ist die Disziplin dran zu bleiben, auch wenn es nicht so gut läuft. Um mich auf eine Arbeit vorzubereiten, bei der ich mich stark konzentrieren muss, stelle ich mir eine Flasche Wasser bereit, um genügend zu trinken und schalte alle Störfaktoren aus. Wichtig: Ich schließe vorher mein Outlook und schalte die autom. Benachrichtigung für den E-Mail-Eingang aus! Dann setze ich mich hin, schließe die Augen und atme ein paar Mal tief durch, um mich zu konzentrieren. Dann fange ich an. Inzwischen klappt es besser, auch dran zu bleiben, wenn ich an einer schwierigen Stelle bin, aber es fällt mir immer noch schwer. Doch das Erfolgserlebnis, wenn ich es geschafft habe wiegt die Anstrengund wieder auf. Es lohnt sich!
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