Unterschiedliche Konfliktwahrnehmung in öffentlichen Bauprojekten

Bürger kontra Verwaltung – Konfliktlösung in 6 Schritten

Wo ein Projekt, da ein Konflikt – so scheint es sehr oft. Gerade bei öffentlichen Bauprojekten treten zwischen einzelnen Bürgern und Bauunternehmen häufig Konflikte auf. Hendrik Hilmer zeigt Ihnen in 6 Schritten, wie Sie Konflikte frühzeitig erkennen und lösen.

Wie ist es zu erklären, dass sich eine Verwaltung bei der Durchführung eines Bauprojekts wundert, dass plötzlich – nach Monaten der Planung – ein Anwohner vor Gericht klagt? Warum hat das keiner kommen sehen? Und warum, fragt sich der Projetträger, wird da so "überreagiert"? Was hätte man tun können, um die Konflikte früher zu erkennen? Was macht man, wenn der Konflikt da ist?

Im Folgenden beleuchte ich verschiedene Aspekte der Konfliktwahrnehmung in Bezug auf die spezielle Konstellation in öffentlichen Bauprojekten. Dort treffen nämlich Individuen auf Organisationen oder ganze Projektnetzwerke, die Perspektiven sind daher naturgemäß unterschiedlich. Mir ist wichtig, die Hintergründe hierzu aufzuzeigen, um Ihnen über rein handwerkliche Tipps ein tieferes Verständnis von diesen speziellen Konflikten zu vermitteln. So können Sie über die mechanische Anwendung von Tools hinaus einen reflektierten Blick und eine eigene kompetente Herangehensweise an Konflikte entwickeln.

Zwei (nicht besonders) fiktive Praxisbeispiele

Zunächst zwei verschiedene Wege in den Konflikt, die stellvertretend für viele andere Konfliktgeschichten stehen können. Sie sollen illustrieren, wie sich in einem Betroffenen etwas zusammenbraut, das ihn zu einem Konflikt führt.

Beispiel 1: Eine Landesregierung plant den Bau einer Hochwasserschutzanlage (z.B. einen Deich) zum Schutz einer Gemeinde im hochwassergefährdeten Bereich. Nach vielen technischen und sozioökonomischen Untersuchungen kristallisiert sich eine "Vorzugsvariante" heraus, die den geringsten Einschnitt für die Bevölkerung bedeuten würde. Neben dieser Variante werden weitere untersucht. Die Argumente für die Vorzugsvariante sind jedoch logisch nachvollziehbar, die Abwägung ausgewogen. Trotzdem zerschneidet sie die landwirtschaftlich geprägte Gemeinde recht drastisch. Von der Linienführung ist vor allem ein Landwirt betroffen, der im Falle der Projektrealisierung große Teile seiner Flächen abtreten muss. Erste informelle Gespräche mit dem Landwirt wurden zwar geführt, hatten aber eher sachlichen Charakter und sollten der Aufklärung dienen. Die Planungen wurden während der Gespräche weder unterbrochen noch wesentlich geändert.

Noch vor dem nächsten Gesprächstermin zwischen Projektleitung und betroffenem Landwirt geht eine Klage gegen die Planung ein (alternativ gegen das Genehmigungsverfahren oder den Maßnahmenträger – wo auch immer durch einen Anwalt ein Ansatzpunkt gesehen wird).

Beispiel 2: Ein Gemeindemitglied ärgert sich über die nachlässige Grünanlagenpflege. Er findet außerdem, dass sein Verein beim letzten Osterfeuer

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