Terminklausur – eine Methode zur Einhaltung und Verkürzung von Terminen

Komplexe Produkte, an deren Entwicklung häufig mehrere Lieferanten beteiligt sind, haben oft einen beträchtlichen Abstimmungsbedarf. Mit der Terminklausur stellt Dr. Gerhard Graën eine Methode vor, mit welcher der Auftraggeber und die verschiedenen Lieferanten die bestehende Terminplanung kritisch überprüfen und Schnittstellenprobleme gemeinsam lösen können. Die Methode ist branchenübergreifend einsetzbar und hilft, in Projekten sicherzustellen, dass vereinbarte Termine gehalten bzw. sogar unterschritten werden. Eine Checkliste und verschiedene Templates unterstützen Sie bei der Durchführung.

Die Zeit ist ein entscheidender Erfolgsfaktor bei Projekten. Insbesondere bei Entwicklungsprojekten in der Automobilindustrie gilt der Start der Serienproduktion (Start of Production, kurz: SOP) im Regelfall als fixierter Termin, der nur in Ausnahmefällen verschoben werden kann. (Siehe dazu auch "Krisenprojekte – Anforderungen an den Sanierer und Wege aus der Krise", Projekt Magazin 03/2014.)

Aus einem Entwicklungsprozess resultieren viele Änderungen, welche die Komplexität des Projekts sowie die Projektrisiken erhöhen und den Terminplan gefährden. Die Komplexität von Entwicklungsprojekten resultiert aus der Wechselwirkung der verschiedenen Bauteile untereinander: Neben der Veränderung der Funktionalität kann eine Änderung auch eine Veränderung der Fertigung beim Unterlieferanten bedingen. Diese ist im Detail dem Systemlieferanten nur bedingt bekannt. Der Systemlieferant als führender Zulieferer, auch "Tier-1-Lieferant" genannt, des Automobilherstellers (Original Equipment Producer, kurz: OEM), ist zum einem angehalten, die Änderungen umzusetzen, und zum anderen, die Termine einzuhalten, d.h. insbesondere den SOP.

Häufig ist die eigene Wertschöpfung (produktive Tätigkeit) des Tier-1-Lieferanten begrenzt, sodass er leistungsfähige Unterlieferanten benötigt, auch "Tier-2-Lieferanten" genannt, um alle Teile für den OEM herzustellen. Die Änderungsdynamik im Projekt erfordert deshalb, dass alle Projektbeteiligten, die von der jeweiligen Änderung betroffen sind, zeitnah informiert werden. Auch nominiert der Systemlieferant häufig neue Lieferanten, um unter den Tier-2-Lieferanten den Wettbewerb anzufachen und in der Folge Kosten einzusparen. Neuen Lieferanten fehlen allerdings anfangs wichtige Informationen zu den Abläufen in der Entwicklung und zur Anlieferung der Teile beim Tier-1-Lieferanten. Um dies aufzufangen, sollte der Informationsaustausch unter den Beteiligten intensiviert werden, damit der SOP nicht gefährdet wird.

Bereits eine Untersuchung der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement e.V. zum Erfolg und Misserfolg eines Projekts (GPM, 2008) hat ergeben, dass eine gute Kommunikation im Projekt ein entscheidender Erfolgsfaktor ist. Übertragen auf Entwicklungsprojekte erfordert eine gelungene Kommunikation, dass alle Stakeholder in den Entwicklungsprozess eingebunden sind und es einen Änderungs-Management-Prozess (Change-Request-Prozess) gibt, an den sich alle Beteiligten konsequent halten.

Eine Methode, welche die persönliche Kommunikation zwischen den Stakeholdern verbessert, stellt die sog. "Terminklausur" dar. Zur Erhöhung der Transparenz von Veränderungsentscheidungen sollten an einer Terminklausur der Tier-1-Lieferant als Veranstalter, alle seine Unterlieferanten sowie Vertreter des OEM teilnehmen.

Diese Zusammenkunft vertieft die

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