Erfahrungsbericht aus dem Reich der Mitte

Was wir aus unseren Projekten in China gelernt haben

China setzt aktuell massiv auf die Entwicklung eigener Technologie, was einen Trend zu gemeinsamen Entwicklungsprojekten mit westlichen Unternehmen ausgelöst hat. Dr. Gerhard Graën und Thomas Mooser berichten von ihren jüngsten Erfahrungen mit der chinesischen Projektkultur und geben Empfehlungen, wie Projektverantwortliche damit umgehen können.

China ist nicht nur weltweit größter Exporteur und besitzt die zweitgrößte Volkswirtschaft (hinter den USA), das Riesenreich produziert mittlerweile auch die meisten Fahrzeuge: 2015 betrug die Zahl ca. 25 Millionen, was einen Marktanteil von über 30% (siehe Information des VDA) ergab. Dennoch befindet sich die chinesische Wirtschaft im Umbruch: Aufgrund steigender Löhne werden arbeitsintensive Tätigkeiten zunehmend aus China verlagert, sodass der Status als "verlängerte Werkbank der Welt" bröckelt.

Die Regierung begegnet dem, indem sie das Planungsziel "Innovation" im aktuellen Fünfjahresplan noch stärker betont. Neu im bis 2020 geltenden Plan ist z.B. die Regelung, dass der Staat nun auch ausländische Unternehmen durch Steuererleichterungen fördert, wenn diese Forschung und Entwicklung betreiben (siehe Meldung der AHK zur Veröffentlichung des 13. Fünfjahresplans).

Als förderungswürdige Branchen nennt der Plan neben der Automobilwirtschaft – mit besonderer Betonung auf die Elektromobilität – Robotik, High-Tech-Maschinen- und Anlagenbau, Bio- und Medizintechnik sowie Luft- und Raumfahrt. Neben der Förderung lockt ausländische Unternehmen das Potential gut ausgebildeter Fachkräfte wie Ingenieure, Programmierer und Naturwissenschaftler: Jährlich verlassen mehr als 100.000 gut ausgebildete Forscher die Universitäten, aktuell gibt es mehr als eine halbe Million Programmierer.

Trend zu Entwicklungsprojekten

Aus den genannten Gründen besteht in den aufgezählten Branchen der Trend, vermehrt Entwicklungsprojekte in China abzuwickeln. Sind Sie als Expatriate (z.B. Projektleiter oder Werksleiter) oder als Programm-Manager in Deutschland mit chinesischen Projektmanagern an einem solchen Projekt beteiligt, sollten Sie die landesspezifischen Besonderheiten bei der Planung und Durchführung von Projekten berücksichtigen. Der vorliegende Beitrag stellt, basierend auf unseren Erfahrungen aus mehreren Projekten in der Automobilindustrie, wichtige kulturelle, organisatorische und bevölkerungsspezifische Rahmenbedingungen in China vor und liefert Ihnen Handlungsempfehlungen sowie Beispiele für Verbesserungsmaßnahmen.

Automotive weist die Richtung

China ist der größte Automobilmarkt der Welt, sodass jeder Automobilhersteller auch vor Ort vertreten sein will. Chinesen haben zudem teilweise andere Bedürfnisse (sie erwarten z.B. eine größere Beinfreiheit), was eine marktspezifische Entwicklung erfordert. Daher verwundert es nicht, dass mittlerweile alle großen deutschen Automobil-Hersteller Entwicklungszentren in China (z.B. Audi in Peking, BMW in Shenyang) besitzen. Im Rahmen des sogenannten "Global Sourcing" (globale Beschaffungsstrategie) werden zudem auch in China entwickelte und produzierte Bauteile weltweit versendet. Neben westlichen Firmen gibt es zudem viele lokale Hersteller, die neben der Teileproduktion verstärkt auch selbst Entwicklung betreiben.

Der letzte Kaiser

Kürzlich unterstützen wir im Auftrag des deutschen Vertriebsleiters über mehrere Wochen ein chinesisches Entwicklungsprojekt, das kurz vor dem Anlauf der Nullserienfertigung stand. Dieser chinesisch geprägte Zulieferer (nur der Geschäftsführer war Expatriate) gehört zu einem internationalen Konzern. Unser Einsatz sollte die Zufriedenheit des wichtigsten Kunden, eines großen

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