Weniger Stress – wie Sie aus einem Elefanten eine Mücke machen

Stress lässt sich nicht immer vermeiden. Doch vielen ist nicht bewusst, dass Stress häufig selbstgemacht ist und wir Situationen wesentlich "stressiger" bewerten, als sie tatsächlich sind. An diesem Punkt können wir ansetzen, wie Jessika Herrmann in diesem Tipp zeigt. Sie beschreibt, wie wir uns viel Stress und Ärger ersparen und ein Stück weit "entstressen" können.

 

Weniger Stress – wie Sie aus einem Elefanten eine Mücke machen

Stress lässt sich nicht immer vermeiden. Doch vielen ist nicht bewusst, dass Stress häufig selbstgemacht ist und wir Situationen wesentlich "stressiger" bewerten, als sie tatsächlich sind. An diesem Punkt können wir ansetzen, wie Jessika Herrmann in diesem Tipp zeigt. Sie beschreibt, wie wir uns viel Stress und Ärger ersparen und ein Stück weit "entstressen" können.

 

Wir alle fühlen uns hin und wieder gestresst. Manchmal lässt sich Stress nicht vermeiden – da müssen wir dann einfach durch. Oft aber lässt sich Stress sehr wohl vermeiden, denn er ist (zumindest teilweise) selbstgemacht. Hier können wir ansetzen, um Stress besser zu meistern und gelassener durch den Alltag zu kommen, sei es im Projekt oder privat. Im Folgenden erhalten Sie einige Tipps, wie Sie sich ein Stück weit "entstressen" können.

Drei Aspekte von Stress

Grundsätzlich hat Stress drei Aspekte:

  1. Die Situation, die den Stress auslöst.
  2. Die persönliche Bewertung dieser Situation.
  3. Die Konsequenzen des Stresses, z.B. Körperreaktionen wie ein erhöhter Puls oder das eigene Verhalten.

Zur Stressbewältigung gibt es folgende Möglichkeiten:

  1. Situationen vermeiden, die uns stressen, oder
  2. unsere persönliche Bewertung dieser Situationen ändern oder
  3. entstandenen Stress abbauen, z.B. mit Sport oder Entspannungsübungen.

Die erste Option lässt sich nicht immer umsetzen. Manche Aufgaben im Job, die uns stressen, müssen wir einfach erledigen; manche knappen Deadlines im Projekt lassen sich nicht verschieben; mit manchen Kunden, die uns stressen, müssen wir zusammenarbeiten – ob wir wollen oder nicht. Die dritte Option ist zwar grundsätzlich für jeden von uns realisierbar, kostet aber Zeit, eventuell Geld und manchmal auch Überwindung. Nicht jeder von uns hat die Zeit oder den Antrieb, beim Joggen, beim Yoga oder im Fitnessstudio den Stress aktiv abzubauen.

Allerdings können wir immer unsere persönliche Bewertung einer Situation hinterfragen. Oft lässt sich allein dadurch, dass wir unsere Perspektive ändern, Stress abbauen. Denn Stress entsteht häufig im Kopf. Das erkennt man z.B. daran, dass nicht jeden Menschen dieselbe Situation in gleicher Weise stresst. Eine Situation, die Sie den letzten Nerv kostet, ist für Ihren Ehepartner, Ihre Kollegin oder Ihren Freund möglicherweise überhaupt nicht oder viel weniger stressig. Bestimmt haben Sie auch schon umgekehrt erlebt, dass sich jemand anderer von einer Situation gestresst fühlt, die aus Ihrer Sicht überhaupt kein Aufreger ist. Wie aber kommt man zu einer Bewertung, die Stress vermeidet?

Von Mücken und Elefanten

Ein kleiner Test: Bewerten Sie die folgenden Situationen von 1 bis 10, wobei "1" bedeutet, dass Sie keinen Stress empfinden und "10", dass Sie sehr großen Stress empfinden.

1. Ein junger Kollege hat zum dritten Mal an diesem Tag eine Rückfrage zu einer relativ einfachen Aufgabe, die Sie ihm übertragen haben.

2. Auf dem Weg zur Arbeit zeigt jede Ampel rot.

3. Sie müssen vor einem wichtigen Kunden eine Akquise-Präsentation halten.

4. Die Zeugen Jehovas klingeln am Wochenende um 10 Uhr an Ihrer Haustür.

Es wäre nun nicht verwunderlich, wenn Sie eine oder mehrere dieser Situationen mit "5", "7" oder noch höheren Bewertungen versehen hätten. (Das habe ich anfangs auch gemacht.) Nun eine zweite Aufgabe: Bewerten Sie für jede Situation, wie wichtig sie für Ihr Leben ist. Dabei bedeutet "1" überhaupt nicht wichtig und "10" sehr wichtig. Bewerten Sie erst die Situationen, bevor Sie weiterlesen.

Wenn Sie die Bewertungen vergeben haben, werden Sie nun wahrscheinlich feststellen, dass Sie den Stresslevel höher ansetzen als die Bedeutung der jeweiligen Situation für Ihr Leben. Damit wären wir auch schon beim ersten Tipp: Machen Sie aus einer Mücke keinen Elefanten. Sie können sich viel Ärger und Stress ersparen, indem Sie einer Situation nicht mehr Bedeutung beimessen, als sie tatsächlich hat.

Positiv denken – Stress senken

Da Stress oft Kopfsache ist, können wir ihn oft über den Kopf steuern – z.B. durch negatives oder positives Denken. Das geschieht in der Regel erst einmal ganz automatisch. Jemand, der sich über den jungen Kollegen mit den vielen Rückfragen ärgert, denkt wahrscheinlich: "Der hat keine Ahnung. Nicht einmal so eine einfache Aufgabe bekommt der hin." oder "Der will mich ärgern" oder "Der hat mir überhaupt nicht zugehört, als ich ihm die Sache erklärt habe." Jemand, der sich von den Rückfragen weniger oder gar nicht gestresst fühlt, denkt wahrscheinlich: "Der will die Aufgabe halt ordentlich machen." oder "Ihm fehlt noch Hintergrundwissen, deshalb braucht er eine detaillierte Anleitung als ich ihm gegeben habe." oder "Er ist neu hier und kann so viele neue Informationen natürlich nicht alle gleichzeitig aufnehmen, deshalb muss ich ihm manches zweimal erklären."

Positiv denken – das klingt zunächst einmal banal. Allerdings beeinflussen unsere Gedanken tatsächlich unsere Körperfunktionen und unser Wohlbefinden. Je mehr Situationen Sie also positiv bewerten, desto weniger Stress werden Sie haben. Deshalb sollten Sie versuchen, an möglichst vielen Situationen das Positive zu entdecken. Es hilft, wenn Sie dabei versuchen, die Perspektive der anderen Person einzunehmen und sich bemühen zu verstehen, warum sie tut, was sie tut.

Der schlimmste Fall – oft gar nicht so schlimm

Manche Dinge stressen uns, weil sie uns Angst einjagen. Wer z.B. von der Aussicht gestresst ist, vor einem wichtigen Kunden eine Akquise-Präsentation zu halten, hat möglicherweise Versagensängste. In solchen Fällen kann es helfen, sich zu fragen: Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Gehen Sie die möglichen Szenarien sachlich durch und überlegen Sie sich Problemlösungen.

Sie haben z.B. Angst, während der Präsentation den roten Faden zu verlieren? Dann arbeiten Sie die Präsentation im Vorfeld mit den wichtigsten Punkten und Argumenten genau aus. Üben Sie die Präsentation, bis Sie sie souverän halten können. Schreiben Sie sich auf einem Zettel Themenpunkte auf, bei denen Sie wieder einsteigen können, wenn Sie während der Präsentation tatsächlich den Faden verlieren. Und was passiert, wenn sie trotz allem den Faden verlieren? Dann sagen Sie Ihrem Publikum…

Bewertungen und Kommentare

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Alle Kommentare (5)

Nina
Schwanzer

Gute Tipps, danke!

 

Anja
Hirsch-Behnam
Dr.

der Artikel fasst alles zusammen, was ich mir schon immer gedacht habe. ruhige menschen sind langfristig erfolgreicher und können ihre resourcen gezielter einsetzen. Gehetzte menschen sind ferngesteuert.

 

Martin
Michel

Guter Artikel. Inhaltlich ist es eigentlich schon seit einem Jahrhundert bekannt: Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

 

Christian
Weber

Relationen zu setzen ist wichtig, ja. Leider werden wohl Personen diesen Artikel beachten, die sowieso schon daran arbeiten und ein Bewusstsein dafür entwickelt haben.

 

Ria
Hinken

Kleiner Tipp: Diesen Punkt dürfen Sie aber in US-amerikanischen Artikeln nicht verwenden: "4. Die Zeugen Jehovas klingeln am Wochenende um 10 Uhr an Ihrer Haustür." Es reicht auch schon, wenn der Nachbar mal wieder seinen Hausschlüssel vergessen hat. Oder der Postbote ...