Trumps Sieg ist unsere Niederlage

Wider die Entkopplung von Fühlen und Denken

Wie konnte es passieren, dass ein Populist wie Donald Trump zum mächtigsten Mann der Welt wird? Norbert Lange sieht darin einen Ausdruck der Überlastung des Einzelnen in unserer beschleunigten Gesellschaft, die zu einer Entkopplung von Fühlen und Denken führt. Gemeinsam mit Daniel Vienken zeigt er anhand mehrerer Praxisbeispiele, wie es gelingt, die beiden Kräfte wieder zu koppeln, um handlungsfähig zu bleiben.

Der rasante technische Fortschritt schlägt sich in einem unaufhaltsamen Wandel unserer Lebensverhältnisse nieder sowie darin, dass jeder und jedem von uns täglich mehr abverlangt wird. Das ist für unsere Psyche gefährlich, denn es führt u.a. dazu, dass sich das Fühlen und das Denken voneinander entkoppeln. Bei den meisten von uns regiert fortan das Denken; bei manchen das Fühlen. Der Trend, dass eine der beiden Kräfte uns dominiert, drückt sich auch in der fortschreitenden Teilung innerhalb unserer Gesellschaften aus.

Erkennbar war dies im kürzlich beendeten Präsidentenwahlkampf zwischen Donald Trump und Hillary Clinton: In Trumps Lager regiert das Fühlen und folglich nutzte er die Macht der Gefühle, um Wähler zu gewinnen. Sein Wahlslogan "Make America great again!" z.B. spricht die Menschen rein auf der Gefühlsebene an. In Wahrheit stehen die USA nach acht Jahren Obama gut dar, insbesondere die Wirtschaft. Darauf bezog sich Clinton, die Obamas Kurs in vielen Punkten weiterverfolgen wollte, in ihrem faktenbetonten Wahlkampf.

Fühlen first

Die gefühlte Wahrheit vieler US-Amerikaner stand dem entgegen; sie haben sich in der Hoffnung auf ein Zurück zu alter Stärke für einen Kurswechsel entschieden, obwohl vieles dafür spricht, dass in unserer multipolaren Welt kein Land eine annähernd so große Rolle spielen kann, wie sie die USA in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts innehatten.

Auch die gefühlte Selbstwahrnehmung von Trump und seinen Anhängern schlug sich im Wahlkampf nieder. Das Gefühl "Wir sind doch keine Rassisten" ist bei ihnen so stark ausgeprägt, dass sie blind für den bereits massiven und weiter zunehmenden Alltagsrassismus in den USA sind. Trotz belegter Fakten, wie z.B. Statistiken über die Diskriminierung von Volksgruppen durch die Polizei, halten viele von Trumps Anhängern und Unterstützern das Problem für eine Erfindung von linksgerichteten Intellektuellen und Medien.

Das Denken dominiert

Umgekehrt regierte im Clinton-Lager das Denken. Beispielsweise führte die feste, auf jahrzehntelangem Erfahrungswissen gründende Überzeugung, dass die Staaten Michigan, Wisconsin und Pennsylvania (auch 'Rostgürtel' bzw. die 'Firewall' der Demokraten genannt) in der Hand der Demokraten verbleiben, dazu, dass die Wechselstimmung in jenen Gegenden weder von Demokraten, noch von Meinungsforschern oder den Medien wahrgenommen wurde. Das Erstaunen über Trumps Wahlsieg war dementsprechend groß.

Die Folgen: Gefühle von Hass bis Triumph außer Kontrolle auf Trumps Seite und eine Niederlage jenseits aller Erwartungen nicht nur für das Clinton-Lager, sondern für uns alle, die wir uns als Träger und Mitverantwortliche der westlichen Zivilisation und ihrer Werte und ihrer Entwicklung sowie Ausdehnung auf weite Teile der Welt verstehen.

Die Entkopplung aufheben

So sehr uns das zu recht bewegt und

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