Blick in die Zukunft

Zwölf Prognosen zum Projektmanagement

In welche Richtung wird sich das Projektmanagement in der Zukunft entwickeln? Was müssen Unternehmen tun, um ihre guten Projektleiter zu halten? Wird sich die Zertifizierung der IPMA oder des PMI durchsetzen? Diese und weitere Fragen stellte sich Martin Sedlmayer, zertifizierter Projektdirektor und Unternehmensberater. Er befragte Senior Projektleiter, Projektportfoliomanager und Führungskräfte aus der DACH-Region. Aus ihren Antworten leitete er zwölf Prognosen über die Zukunft des Projektmanagements ab.

Projektmanagement ist ein uraltes Thema - wenn man bedenkt, dass bereits in der Antike Bauwerke wie die Pyramiden von Gizeh oder der Koloss von Rhodos geplant und erbaut wurden. Den Ägyptern oder Griechen standen aber zweifellos keine Softwaretools zur Verfügung und ob sie bereits Netzpläne auf Papyrus gezeichnet haben, darf man bezweifeln. Trotzdem wäre die Errichtung solcher Bauwerke ohne die fundamentalen Werkzeuge, die auch im modernen Projektmanagement vorhanden sind, nicht möglich gewesen. Elemente wie Klarheit in den Zielen, Bau- und Vorgehenspläne, Personaleinsatzpläne, Materialbeschaffung oder laufende Überwachung aller Aktivitäten wurden in der einen oder anderen Form sicher eingesetzt. Das Management der Stakeholder dürfte dagegen ziemlich einfach gewesen sein, man musste sich kaum um gesetzliche Auflagen, Umwelt- oder andere Interessensverbände oder die Anliegen der Anwohner kümmern. Es galt lediglich die Wünsche des Pharaos zu berücksichtigen.

Projektmanagement ist aber auch ein neues Thema. Die ersten systematischen Planungssysteme der Neuzeit wurden in den 30er Jahren in den USA entwickelt. Der Bau des Hoover-Staudamms (1931-1935) und das Manhatten-Projekt (Bau der Atombombe) gelten als frühe Ansätze. Als eigentlicher Ursprung modernen Projektmanagements wird das Apollo-Programm der NASA angesehen. Die Vision von Präsident Kennedy, vor den Russen einen Amerikaner auf dem Mond spazieren zu sehen, hat die Entwicklung maßgeblich beschleunigt. Methoden zur Optimierung der Arbeiten wie etwa die Netzplantechniken in den 70er Jahren haben das Thema Projektmanagement dann weiter getrieben.

Selbstverständlich interessiert den Leser hier weniger die Vergangenheit als vielmehr die Frage, wohin sich das Thema in den nächsten Jahren entwickeln wird. Ein Blick in die Kristallkugel wäre deshalb angebracht; eine solche steht mir aber leider nicht zur Verfügung. Trotzdem lassen sich, wenn man den Markt genau beobachtet, Tendenzen und Trends erkennen, die einige wesentliche Aussagen zulassen. Um nicht den Eindruck zu erzeugen, allwissend zu sein, formuliere ich diese im Folgenden in Form von Thesen.

Die zwölf nachfolgend skizzierten Thesen basieren auf der Erfahrung der HLP Swiss im Zusammenhang mit der Arbeit für ihre Kunden. Den Aussagen dieser Thesen liegen 22 Interviews zugrunde mit Projektportfoliomanagern (64%), Senior Projektleitern (18%) und Mitarbeitern in projektnahen Führungsfunktionen (18%). Die Befragten stammen aus Unternehmen, die in den Bereichen Assekuranz, Industrie und Dienstleistung tätig sind sowie aus Organisationen der öffentlichen Hand. Die Teilnehmer kommen aus der Schweiz (77%), Deutschland (18%) und Österreich (5%).

In der Keynote des 5. ZfU Projektmanager-Kongresses am 16. Januar 2009 in Rüschlikon bei Zürich habe ich die zwölf Thesen vorgestellt. Die Einschätzung des Publikums zu den einzelnen Thesen können Sie in der Grafik im Anhang sehen.

These 1: Die aktuelle Wirtschaftskrise hat kaum Einfluss auf die Disziplin Projektmanagement.

Die aktuelle Wirtschaftslage wird sehr wohl Auswirkungen auf die Projekte haben, nicht aber auf das Projektmanagement als Disziplin. Projektmanagement ist und bleibt ein Dauerbrenner. Zum einen nimmt die Komplexität unserer Welt weiter zu, zum anderen wird gerade die Krise deutliche

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