Assumptions Mapping

Assumptions Mapping ist eine strukturierte Methode, mit der Teams die Annahmen hinter einer Idee, einem Geschäftsmodell, einem Angebot oder einer Projektentscheidung sichtbar machen und priorisieren. Die Annahmen werden danach eingeordnet, wie wichtig sie für den Erfolg eines Vorhabens sind und wie gut sie bereits belegt sind. Dadurch wird erkennbar, welche Annahmen besonders kritisch und zugleich unsicher sind. Das Ergebnis ist eine priorisierte Liste der Annahmen für weitere Klärungen, Experimente oder Überprüfungsschritte.

Assumptions Mapping

Assumptions Mapping

Assumptions Mapping ist eine strukturierte Methode, mit der Teams die Annahmen hinter einer Idee, einem Geschäftsmodell, einem Angebot oder einer Projektentscheidung sichtbar machen und priorisieren. Die Annahmen werden danach eingeordnet, wie wichtig sie für den Erfolg eines Vorhabens sind und wie gut sie bereits belegt sind. Dadurch wird erkennbar, welche Annahmen besonders kritisch und zugleich unsicher sind. Das Ergebnis ist eine priorisierte Liste der Annahmen für weitere Klärungen, Experimente oder Überprüfungsschritte.

Assumptions Mapping

Einsatzmöglichkeiten

  • Klärung kritischer Annahmen vor dem Start eines Projekts, Produkts, Services oder Geschäftsmodells
  • Priorisierung von Annahmen aus Business Model Canvas oder Value Proposition Canvas, z.B. zu Bedarf, Hindernissen, gewünschten Fortschritten oder passenden Angeboten
  • Vorbereitung von Experimenten, Interviews, Prototypen oder weiteren Überprüfungsschritten, indem zuerst die kritischsten und am wenigsten belegten Annahmen ausgewählt werden
  • Entscheidungsworkshops, wenn viele Einschätzungen im Raum stehen, aber unklar ist, welche Annahmen das Vorhaben besonders stark beeinflussen
  • Überprüfung laufender Vorhaben, wenn sich Rahmenbedingungen ändern oder bisherige Annahmen nicht mehr ausreichend belastbar erscheinen

Assumptions Mapping eignet sich vor allem für Arbeitsgruppen und Projektteams. Einzelpersonen können die Methode zur Vorbereitung verwenden, die Priorisierung sollte jedoch gemeinsam erfolgen, damit unterschiedliche Perspektiven sichtbar werden. Der zeitliche Aufwand liegt meist bei ein bis zwei Stunden. Die Methode ist grundsätzlich einfach, aber es ist anspruchsvoll, die Annahmen präzise zu formulieren und nicht zu früh in Lösungen, Tests oder Maßnahmen zu springen.

Ergebnisse

  • Übersicht der Annahmen, die hinter einer Idee, einem Geschäftsmodell, einem Angebot oder einer Projektentscheidung stehen.
  • Klar formulierte Annahmen, die für die weitere Bearbeitung ausreichend konkret sind.
  • Assumptions Map, in der Annahmen nach ihrer Bedeutung für den Erfolg des Vorhabens und nach ihrer bisherigen Beleglage eingeordnet sind.
  • Identifizierte Annahmen, die besonders kritisch und zugleich noch wenig bis gar nicht belegt sind.
  • Priorisierte Auswahl der Annahmen, die zuerst überprüft oder weiter geklärt werden sollten.
  • Dokumentierte Einschätzung, welche Annahmen bereits ausreichend belegt erscheinen und welche noch unsicher sind.
  • Grundlage für weitere Klärungen, Interviews, Experimente, Prototypen oder Entscheidungsprozesse.

Vorteile

Die Methode hilft Teams, zwischen gut belegten Annahmen, offenen Einschätzungen und be-sonders kritischen Unsicherheiten zu unterscheiden. Dadurch werden implizite Annahmen sichtbar, die zuvor nicht bewusst waren.
Das Priorisieren der Annahmen nach ihrer Bedeutung für den Erfolg des Vorhabens und nach ihrer bisherigen Beleglage, erleichtert die Auswahl, welche Annahmen zuerst durch Interviews, Experimente, Prototypen oder andere Überprüfungsschritte bearbeitet werden sollten.
Sie reduziert das Risiko, dass Teams zu früh in Lösungen denken oder zu früh Maßnahmen oder Experimente setzen, bevor die zugrunde liegenden Annahmen ausreichend geklärt sind.
Assumptions Mapping schafft eine gemeinsame Klärungsgrundlage, wenn in einem Team unterschiedliche Meinungen darüber bestehen, was kritisch, unsicher oder bereits ausreichend belegt ist.

Durchführung: Schritt für Schritt

Mit Assumptions Mapping machen Sie sichtbar, auf welchen Annahmen eine Idee, ein Angebot, ein Geschäftsmodell oder eine Projektentscheidung beruht. Gemeinsam mit Ihrem Team ordnen Sie diese nach zwei Kriterien ein: 

  1. Wie wichtig ist die Annahme für den Erfolg des Vorhabens?
  2. Wie gut ist sie bereits belegt?

Assumptions Mapping zeigt auf, welche Annahmen zuerst überprüft oder weiter geklärt werden sollten. Die Methode steht damit zwischen der Arbeit an einem Modell, z.B. mit einem Business Model Canvas oder Value Proposition Canvas, und der anschließenden Überprüfung des Modells durch Interviews, Experimente, Prototypen, Datenanalysen oder weitere Recherchen.

Meiner Erfahrung nach ist diese Trennung besonders wichtig, wenn Teams bereits viele Lösungsideen gesammelt haben, aber nicht mehr klar unterscheiden, welche Annahmen hinter diesen Ideen stehen. Die Assumptions Map macht sichtbar, welche Voraussetzungen das Vorhaben tragen sollen.

Die Assumptions Map

Die Assumptions Map ist eine Matrix mit zwei Achsen. Auf der y-Achse wird eingeordnet, wie wichtig eine Annahme für den Erfolg des Vorhabens ist. Auf der x-Achse wird eingeordnet, wie gut diese Annahme bereits belegt ist. 

Dadurch entstehen vier Bereiche (Bild 1):

  • wichtige und gut belegte Annahmen: diese sind vorläufig tragfähig (Bild 1, rechts oben)
  • wichtige, aber wenig belegte Annahmen: dies sind die kritischen Annahmen (Bild 1, links oben)
  • weniger wichtige und gut belegte Annahmen (Bild 1, rechts unten
  • weniger wichtige und wenig belegte Annahmen (Bild 1, links unten)

Besonders relevant sind die kritischen Annahmen, die für den Erfolg des Vorhabens wichtig und zugleich bisher wenig belegt sind. Sie bilden den Ausgangspunkt für weitere Klärungen, Interviews, Experimente, Prototypen oder Datenanalysen.

Assumptions Map mit den vier Bereichen „Kritische Annahmen“, „Vorläufig tragfähig, „Offen aber nachrangig“ und „gut gestützt, weniger entscheidend“
Bild 1: Die Assumptions Map zur Priorisierung von Klärungsbedarfen

Rahmenbedingungen für den Einsatz

Für die Anwendung der Methode sollte das Team 60 bis 120 Minuten einplanen. Bei komplexen Geschäftsmodellen, mehreren Personengruppen oder umfangreichen Projektentscheidungen ist es sinnvoll, die Methode auf einen klar abgegrenzten Ausschnitt zu beschränken, z.B. auf ein bestimmtes Angebot, eine Entscheidung, einen Lösungsansatz oder einen kritischen Teil des Geschäftsmodells.

Assumptions Mapping eignet sich vor allem dann, wenn bereits Ausgangsmaterial vorhanden ist, z.B. ein Business Model Canvas, ein Value Proposition Canvas, ein Projektantrag, ein Konzeptpapier, Interviewnotizen, Rückmeldungen aus dem Betrieb oder Erfahrungswissen aus dem Team. Die Methode kann aber auch in frühen Phasen eingesetzt werden, wenn zunächst nur eine grobe Idee oder ein Lösungsansatz vorliegt.

Wichtig ist, dass das Team nicht zu früh in Maßnahmen, Tests oder Lösungen denkt. Eine Annahme wie ″Führungskräfte brauchen mehr Kennzahlen″ ist noch nicht dasselbe wie die Maßnahme ″Wir bauen ein neues Dashboard″. Erst wenn die zugrunde liegende Annahme präzise formuliert und priorisiert ist, lässt sich sinnvoll entscheiden, wie sie überprüft werden soll.

Unterstützung durch KI

KI kann den Einsatz von Assumptions Mapping vorbereiten, wenn bereits umfangreiches Textmaterial vorliegt. Ein KI-Tool kann z.B. Interviewnotizen, Supportanfragen, Retrospektiven oder Workshopdokumentationen nach wiederkehrenden Aussagen durchsuchen und daraus mögliche Annahmen ableiten. Sinnvoll ist eine Ausgabe in Tabellenform mit den Spalten ″Originalaussage″, ″Kontext″, ″mögliche Annahme″, ″betroffener Bereich″ und ″Hinweis auf bisherige Beleglage″.

Zusätzlich kann eine KI auf mögliche Lücken hinweisen, z.B. wenn viele Annahmen über Bedarf oder Verhalten formuliert werden, aber kaum Hinweise aus Gesprächen, Beobachtungen oder Daten vorliegen. 

Die Bewertung bleibt jedoch Aufgabe des Teams. Eine KI sollte nicht entscheiden, welche Annahmen kritisch sind oder welche zuerst überprüft werden müssen. Sonst besteht die Gefahr, dass sprachlich häufige Muster mit tatsächlicher Relevanz verwechselt werden.

Beispiel: Ein internes Reporting-Portal wird weiterentwickelt

Anna, Leiterin Controlling eines mittelständischen Industriebetriebs, möchte mit ihrem Team ein internes Reporting-Portal weiterentwickeln. Markus, der das Portal fachlich betreut, hat bereits mehrere Lösungsideen gesammelt: neue Dashboards, automatische Benachrichtigungen, Schulungen, eine bessere Navigation und zusätzliche Exportfunktionen.

Das Portal besteht bereits, wird aber von vielen Führungskräften nur selten in ihre Steuerungs- und Entscheidungsroutinen einbezogen. Aus früheren Gesprächen kennt Anna unterschiedliche Hinweise: Manche Führungskräfte beklagen unübersichtliche Berichte, andere verweisen auf Zeitdruck oder darauf, dass Entscheidungen häufig in kurzen Abstimmungen vorbereitet werden, bevor jemand das Reporting Portal öffnet.

Das Team entscheidet sich deshalb dafür, mit Assumptions Mapping, die Annahmen hinter den Lösungsideen von Markus sichtbar zu machen, ihre bisherige Beleglage einzuschätzen und daraus abzuleiten, welche Annahmen zuerst überprüft oder weiter geklärt werden sollten. Weder sollen Gründe für die geringe Benutzung des Portals gesucht noch Lösungen entwickelt oder beschlossen werden.

Schritt 1: Klären Sie Ziel und Betrachtungsrahmen des Assumptions Mappings!

In Workshops erlebe ich häufig, dass Teams bereits viele Annahmen im Raum haben, diese aber nicht als Annahmen erkennen. Es wird dann über Funktionen, Maßnahmen oder Zuständigkeiten gesprochen, obwohl darunter ganz unterschiedliche Voraussetzungen liegen. Eine Person spricht über fehlende Kennzahlen, eine andere über mangelnde Akzeptanz, eine dritte über Datenqualität. Ohne gemeinsamen Betrachtungsrahmen wirken diese Aussagen wie konkurrierende Meinungen. Erst durch die Eingrenzung wird sichtbar, welche Annahmen überhaupt gemeinsam betrachtet und später priorisiert werden sollen.

Grenzen Sie daher bewusst ein, ob Sie eine Geschäftsidee, ein bestehendes oder geplantes Angebot, eine Produkt- oder Serviceverbesserung, eine Projektentscheidung oder einen Teil eines Geschäftsmodells betrachten wollen. Legen Sie außerdem fest, welche Entscheidung oder welcher nächste Arbeitsschritt durch das Assumptions Mapping vorbereitet werden soll. Die Methode dient nicht dazu, das gesamte Vorhaben vollständig zu analysieren. Sie hilft dabei, die Annahmen sichtbar zu machen, die für einen klar definierten Betrachtungsrahmen besonders wichtig sind.

Mögliche Leitfragen für die Klärung von Ziel und Rahmen sind:

  • Welches konkrete Vorhaben wollen wir mit Assumptions Mapping betrachten?
  • Geht es um eine Idee, ein Angebot, ein Geschäftsmodell, eine Projektentscheidung oder einen bestimmten Lösungsansatz?
  • Welche Personen, Situationen, Prozesse, Geschäftsmodellbestandteile oder Projektbereiche gehören zum Betrachtungsrahmen?
  • Woran würde der Erfolg des Vorhabens in diesem konkreten Rahmen erkennbar?
  • Welche Entscheidung oder welcher nächste Arbeitsschritt soll durch die Methode vorbereitet werden?
  • Was betrachten wir bewusst nicht?

Ich beginne diesen Schritt häufig mit der Frage ″Welche Entscheidung hängt davon ab, dass unsere Annahmen zutreffen?″ Diese Frage hilft, den Workshop nicht als allgemeine Ideensammlung zu starten. Sie lenkt den Blick vielmehr darauf, wofür die Priorisierung der Annahmen gebraucht wird. Erst wenn diese Entscheidung oder dieser nächste Arbeitsschritt klar ist, lässt sich später sinnvoll einschätzen, welche Annahmen kritisch sind.

Recherche und Vorbereitung mit KI

KI kann hier mit der Analyse von vorhandenem Datenmaterial unterstützen, z.B. Projektanträge, Konzeptpapiere, Workshopdokumentationen, Interviewnotizen, Supportanfragen oder interne Rückmeldungen. Ein KI-Tool kann Hinweise darauf markieren, welche Themenfelder im Material wiederholt vorkommen, z.B. Bedarf, Verhalten, Akzeptanz, technische Machbarkeit, organisatorische Umsetzung oder Wirtschaftlichkeit. 

Diese Vorauswertung kann helfen, den Betrachtungsrahmen bewusster zu wählen. Die Entscheidung, welcher Rahmen für das Assumptions Mapping gewählt wird, darf jedoch nicht an die KI delegiert werden. Sie muss vom Team fachlich und strategisch getroffen werden.

Beispiel: Betrachtungsrahmen für die Weiterentwicklung eines Reporting-Portals

Zu Beginn des Workshops steht eine breit gefasste Frage im Raum: ″Warum wird das Portal von vielen Führungskräften im Arbeitsalltag so selten benutzt?″ Markus möchte am liebsten sofort über die Dashboards sprechen. Aus seiner Sicht liegt das Problem vor allem darin, dass wichtige Kennzahlen zu schwer auffindbar sind.

Anna bremst die Diskussion bewusst ab. Sie merkt, dass die Frage für ein einzelnes Assumptions Mapping zu groß ist. Sie berührt sehr unterschiedliche Themen: technische Bedienbarkeit, Relevanz der Kennzahlen, Zeitdruck in Führungssituationen, Bekanntheit des Portals, Datenqualität und die Frage, ob das Portal überhaupt in bestehende Entscheidungsroutinen passt.

Aus früheren Gesprächen kennt Anna unterschiedliche Perspektiven. Sabine, Bereichsleiterin Vertrieb, hatte einmal erwähnt, dass sie vor Steuerungsrunden meist kurze Abstimmungen mit ihrem Team führt und das Portal dafür selten öffnet. Lea aus dem HR-Bereich hatte angedeutet, dass Kennzahlen bei ihr zwar wichtig sind, aber oft erst in Gesprächen interpretiert werden, bevor daraus Entscheidungen entstehen. Diese Hinweise sind noch keine belastbare Grundlage. Sie zeigen aber, dass es nicht nur um einzelne Funktionen gehen könnte.

Das Team entscheidet deshalb, nicht das gesamte Reporting-Portal und nicht alle möglichen Verbesserungen gleichzeitig zu betrachten. Im Mittelpunkt soll die geplante Weiterentwicklung des Portals für regelmäßige Steuerungs- und Entscheidungssituationen von Führungskräften stehen. Als Ziel für das Assumptions Mapping legt Anna mit dem Team fest: 

″Wir möchten sichtbar machen, welche Annahmen hinter den aktuellen Lösungsideen stehen und welche davon zuerst überprüft werden sollten, bevor größere Entwicklungsaufwände eingeplant werden.″

Damit ist der Rahmen klar definiert. Es geht nicht allgemein um die Frage, ob das Reporting-Portal gut oder schlecht ist. Es geht auch noch nicht darum, ob neue Dashboards, Benachrichtigungen oder Schulungen umgesetzt werden sollen. Es geht zunächst um die Annahmen hinter der geplanten Weiterentwicklung: 

Welche Annahmen müssen zutreffen, damit die vorgeschlagenen Maßnahmen tatsächlich dazu beitragen, dass Führungskräfte das Portal in ihren Steuerungs- und Entscheidungssituationen benutzen?

Aufgabengebiete