Minsky Suitcase

Mit Minsky Suitcase erstellt ein Team in kurzer Zeit eine oder mehrere fiktive Personen mit unterschiedlichen Charakteren. Diese dienen dazu, anschließend verschiedene Sichtweisen auf ein Produkt oder eine Problemstellung einzunehmen. Zur Erstellung der Charaktere dienen Koffer (Suitcases), in denen sich diverse (Reise-)Utensilien befinden. Die Teilnehmer interpretieren frei und kreativ die Inhalte der Koffer, um die Eigenschaften der fiktiven Personen zu beschreiben.

Minsky Suitcase

Minsky Suitcase

Mit Minsky Suitcase erstellt ein Team in kurzer Zeit eine oder mehrere fiktive Personen mit unterschiedlichen Charakteren. Diese dienen dazu, anschließend verschiedene Sichtweisen auf ein Produkt oder eine Problemstellung einzunehmen. Zur Erstellung der Charaktere dienen Koffer (Suitcases), in denen sich diverse (Reise-)Utensilien befinden. Die Teilnehmer interpretieren frei und kreativ die Inhalte der Koffer, um die Eigenschaften der fiktiven Personen zu beschreiben.

Minsky Suitcase

Einsatzmöglichkeiten

Erstellen fiktiver Charaktere zur Verwendung in weiteren Methoden wie Personas, Rollenspiele (z.B. in der Walt-Disney-Methode) oder zur Gegenüberstellung in der Customer Experience Journey.

Die fiktiven Charaktere können z.B. verwendet werden für:

  • erste und schnelle Charakterisierung einer möglichen Kundengruppe
  • Identifikation von neuen Inhalten aus den eingenommenen Blickwinkeln
  • Verifizierung einer erarbeiteten Lösung anhand fiktiver Charaktere
Daniel Reinold live erleben auf der PM Welt am 08. Dezember 2020!

Erleben Sie den Vortrag "5+ VISUELLE QUICK-HACKS - Für eine bessere Kommunikation und Kooperation", sowie 30 weitere Speaker in 7 Streams auf der PM Welt 2020.

Das Thema der Konferenz lautet
Stark durch Kooperation! Zusammen.Arbeiten.Grenzenlos.
Die Teilnehmer erhalten in den unterschiedlichen Vorträgen, Diskussionen und Workshops konkrete Anleitungen und Tipps für ihren Projektalltag

 

Ergebnisse

Beschreibungen fiktiver Personen zur direkten Verwendung oder weiteren Bearbeitung

Vorteile
Die Methode ist intuitiv und leicht verständlich.
Der spielerische Ansatz fördert Spaß und Zusammenarbeit.
Die Vorgabe ausgewählter Gegenstände führt zu schnelleren Ergebnissen als eine vollständig freie Definition von fiktiven Personen.
Die Arbeit mit teilweise kuriosen Gegenständen unterstützt die Kreativität.
Grenzen, Risiken, Nachteile
Die Methode ersetzt keine intensive Auseinandersetzung mit möglichen Zielgruppen. Sie erleichtert lediglich die erste Bearbeitung mit fiktiven Charakteren.
Je nach Auswahl der Gegenstände legen die Bearbeiter sich auf einen einseitigen Blickwinkel fest. Gegenstände allein erlauben eine erste Interpretation aber keine vollständige Erfassung.
Voraussetzungen

Bereitschaft der Teilnehmenden, sich auf eine kreative und ergebnisoffene Methode einzulassen.

Qualifizierung

Die Anwendung erfordert keine spezielle Qualifikation. Beim Einsatz in Gruppen ist für den Gesprächsleiter Moderationserfahrung hilfreich.

Benötigte Informationen
  • Beschreibung der gemeinsamen Aufgabenstellung: Vision, Projekt oder Auftragsgegenstand
  • Beschreibung der möglichen Zielgruppe
Benötigte Hilfsmittel
  • Koffer / Taschen in der Zahl vorgesehener Materialsammlungen. Alternativ können Sie durch "Haufenbildung"die Materialsammlungen ebenfalls voneinander trennen. Leiten Sie dann aber zu Beginn des ersten Schritts ein: "In einer Reisetasche wurde folgender Inhalt gefunden …"(oder ähnlich). Das veranschaulicht die Methode und erhöht die Bereitsschaft, genau diesen Inhalt zu analysieren.
  • Gegenstände des täglichen Gebrauchs, die sich in Reisegepäck befinden können
  • Arbeitsfläche(n) für die Dokumentation des Ergebnisses (Flipchart, Pinnwand, Whiteboard, große Tischfläche) sowie für das jeweilige Material geeignete Stifte. Pro drei bis fünf Teilnehmern sollte eine Arbeitsfläche zur Verfügung stehen.
  • Optional: zusätzliche Hilfsmittel wie Pinnnadeln, Haftnotizen oder Schnüre zur Befestigung der Materialien oder Gegenstände aus den Sammlungen.

Mit gängigen Online-Lösungen zur synchronen Dokumentenbearbeitung können auch verteilte Gruppen mit dem Minsky Suitcase arbeiten. Hierzu benötigen alle Gruppenmitglieder den Zugang zum virtuellen Arbeitsbereich und einen den Anforderungen entsprechenden Arbeitsplatz (z.B. Headset, Ausrüstung für Videokonferenz).

Herkunft

Die Namensgebung geht zurück auf Marvin Minsky, der in seinem Buch "The Emotion Machine" sog. "Suitcase-Words" diskutiert (Minsky, Marvin: The Emotion Machine: Commonsense Thinking, Artificial Intelligence, and the Future of the Human Mind, 2007). Mit "Suitcase-Words" bezeichnet Minsky Worte wie z.B. "Bewusstsein", die keine einfache Bedeutung haben, sondern letztlich für umfangreiche Konzepte stehen und damit eine Vielzahl von Bedeutungen enthalten. Die Autoren von "The Design Thinking Playbook" übertrugen das Konzept der Suitcase-Words auf die Beschreibung von Personen und verwendeten die Metapher im wörtlichen Sinne, indem sie den Inhalt eines Koffers als Anregung zur Erstellung eines Charakters einsetzen (Lewrick, Michael; Link, Patrick und Leifer, Larry: The Design Thinking Playbook: Mindful Digital Transformation of Teams, Products, Services, Businesses and Ecosystems, 2018, Wiley).

Durchführung: Schritt für Schritt

Schritt 1: Packen Sie die Koffer!

Bereiten Sie zunächst eine oder mehrere Materialsammlungen vor. Jede Sammlung sollte:

  • ungefähr in eine tatsächliche oder fiktive Reisetasche passen
  • mit der relevanten Gruppe der Anwender / Kunden in Bezug gebracht werden können

Minsky Suitcases können anhand vollständig fiktiver Materialsammlungen erstellt werden. Alternativ suchen Sie konkrete Gegenstände für Ihre Materialsammlung, die eine entsprechende Kundengruppe oder Anwendergruppe widerspiegelt. Erste Materialsammlungen lassen sich in vielen Fällen durch einfachste Beobachtung oder online recherchieren.

Anregungen und Vorschläge zur Wahl geeigneter Gegenstände

Betrachten Sie die folgenden Tipps als Anregungen, um die eigene Kreativität zu wecken. Selbstverständlich dürfen Sie die folgenden Vorschläge auch ignorieren und nach Ihrer eigenen Intuition vorgehen!

  • Beschäftigen Sie sich vorab mit Ihren Kunden, der Zielgruppe oder Anwendern, die Sie für Ihr Vorhaben ins Auge fassen. Es geht bei dieser Methode nicht darum, eine detaillierte Recherche durchzuführen. Dennoch lässt sich so eine realistischere Sammlung der Gegenstände erstellen und näherungsweise ein mögliches Kundenbild schaffen.
  • Wählen Sie bei der Zusammenstellung Gegenstände aus allen Lebenslagen der fiktiven Person. So können die Teilnehmenden ein schlüssigeres und leichter nachvollziehbares Gesamtbild erstellen.
  • Verwenden Sie Gegenstände, welche die Gruppe mit großer Wahrscheinlichkeit kennt. Das erspart Zeit für Erklärungen, die nur indirekt mit der Methode in Verbindung stehen.
  • Platzieren Sie die Koffer bzw. die Gegenstandssammlungen klar voneinander getrennt im Raum, in dem der Workshop stattfindet. Die Teilnehmer sollen auf den ersten Blick erkennen, welche Gegenstände zusammengehören.

Folgende Konstellationen sind bei der Anwendung der Methode möglich:

  1. Eine Gruppe arbeitet mit einer Materialsammlung / einem Koffer und erstellt daraus einen fiktiven Charakter.
    Diese Variante eignet sich für eine kleine Gruppe, bestehend aus fünf bis sieben Personen.
  2. Mehrere Teil- oder Untergruppen arbeiten an einer gemeinsamen Materialsammlung und erstellen daraus mehrere fiktive Charaktere.
    Diese Variante eignet sich für eine Gruppe aus 8-25 Personen, die durch die Moderation in Teil- / Untergruppen aufgeteilt wird. Hierbei achtet die Moderation darauf, dass die Materialien in der gemeinsamen Ablage verbleiben und nicht von den Teilgruppen entfernt werden.
  3. Mehrere Teil- oder Untergruppen arbeiten mit mehreren Materialsammlungen und erstellen daraus jeweils einen fiktiven Charakter.
    Diese Variante eignet sich für eine mittlere oder große Gruppe, die in Teil- / Untergruppen geteilt wird. Zudem bieten die unterschiedlichen Materialsammlungen die Möglichkeit, mehr Varianz in den Ergebnissen zu erzeugen.
  4. Im Folgenden gehe ich von nur einer Materialsammlung aus, um die Beschreibung zu vereinfachen.

    Beispiel

    Ihre Sammlung besteht aus einem alten Lederkoffer, der mit Inhalten eines Reisenden gefüllt ist: in einer kleinen durchsichtigen Tüte verpackte Waschartikel, etwas Alltagskleidung, Laptop und Tablet, ein Fachbuch über Coaching, ein Roman, Sonnencreme, ein Fotoapparat und ein Prospekt einer Versicherung. Diese Gegenstände geben einerseits Raum für kreative Interpretationen, andererseits geben sie bereits einen gewissen Rahmen vor.

    Schritt 2: Begutachtung des Minsky Suitcases

    Ideal ist eine Gruppengröße von drei bis fünf Personen, damit sich alle einbringen können und die Diskussionen in der Gruppe kurz bleiben. Minsky Suitcase eignet sich aber auch für größere Gruppen. Je nach Teilnehmerzahl ist es deshalb empfehlenswert oder sogar erforderlich, Untergruppen zu bilden, auch wenn nur ein einziger Koffer betrachtet wird. Die Untergruppen verwenden zwar alle denselben Koffer, erstellen aber ein jeweils eigenständiges Ergebnis.

    Wenn Sie mit mehreren Koffern bzw. Materialsammlungen arbeiten, bilden Sie Untergruppen, so dass jede Untergruppe ihren eigenen Koffer hat.

    Bitten Sie nun die Gruppe(n), den Inhalt des Koffers zu begutachten. Geben Sie hierzu ein Zeitfenster ("Timebox") von maximal zehn Minuten. Das verhindert, dass zu ausführliche Einzelinterpretationen stattfinden und sich einzelne Teilnehmende nach Abschluss der Begutachtung langweilen.

    Die Gruppe(n) betrachten nun während der vorgegebenen Zeit die Gegenstände und treffen die ersten Mutmaßungen. Erinnern Sie die Teilnehmenden mit kurzen Hinweisen an die Zeitvorgabe, z.B. nach der Hälfte der Timebox und eine Minute vor Schluss der gesetzten Zeit.

Praxistipps ...

Aufgabengebiete

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