Der Projektleiter – ein idealer Burnout-Kandidat

Teil 2: Prävention
Die Arbeit des Projektmanagers ist attraktiv, birgt aber gleichzeitig die Gefahr einer psychischen Überlastung, wie der erste Teil des Beitrags zeigte. Umso wichtiger ist es, ausreichend Energie in das Selbstmanagement zu investieren, um Überlastungssituationen frühzeitig zu erkennen. Wie ein solches Selbstmanagement aussehen kann, und wie das eigene Kontrollbedürfnis sowie der Umgang mit Verantwortung geändert werden können, um bei Überlastungen wirksam gegenzusteuern, beschreiben Dr. Frank Lüschow und Elke Zitzke in diesem zweiten und abschließenden Teil.

Der Gestaltungsspielraum von Projektleitern ist groß, ihr Verantwortungsbereich umfassend. Diese Herausforderungen machen für sie den Reiz ihrer Arbeit aus. Dabei sind sie häufig in einem projektuntauglichen Umfeld tätig, was erhebliche Belastungen mit sich bringt. Hinzu kommt, dass Projektleiter oft glauben, alles schaffen zu können, falls sie sich nur genügend anstrengen. Das macht sie besonders anfällig für den Einstieg in einen psychischen Überlastungsprozess, wie im ersten Teil des Beitrags beschrieben.

Es gibt jedoch noch weitere Phänomene, die die Tendenz begünstigen können, in psychische Überlastung zu geraten. Diese möchten wir kurz beleuchten, bevor wir auf Präventionsmöglichkeiten eingehen.

Angst vor Gesichtsverlust

Gerade Menschen, denen Attribute wie "belastungsfähig", "leistungsstark" und "ergebnisorientiert" zugeschrieben werden, wollen einen Gesichtsverlust unbedingt vermeiden. Leistungsfähigkeit macht einen so großen Teil der eigenen Identität aus, dass jede Schwäche das eigene Selbstbild stark beschädigen würde. Sie versuchen deshalb mit allen Mitteln, einen Gesichtsverlust zu vermeiden. Oft ist es nicht einmal der vermeintliche Gesichtsverlust vor den anderen, sondern vor allem auch vor sich selbst. Denn im Extremfall müssten sie sich fragen: Was bleibt von mir übrig bzw. was bin ich noch, wenn ich nicht mehr leistungsfähig bin?

Scheitern als persönliche, massiv kränkende Niederlage

Fordert eine Tätigkeit besondere Flexibilität, wirkt das motivierend auf Menschen, die ein ausgeprägtes Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit haben. Jede neue Situation bietet die Gelegenheit, sich selbst (und anderen) zu zeigen, wie gut man ist. Das ist Kern jeder Selbstmotivation und Chance zu Höchstleitungen sowie zu echtem Flow-Erleben. Lob von anderen hat für sie kaum eine Bedeutung.

Stellt eine Aufgabe, z.B. durch ihre extreme Komplexität, tatsächlich eine Überforderung dar, ist das eine Gefahr für solche Menschen. Das zu erkennen, sich einzugestehen und gegebenenfalls auch zurückzutreten, fällt ihnen schwer, da ihnen die Erfahrung fehlt, etwas nicht zu schaffen und ein "Scheitern" in ihrem Selbstverständnis nicht vorkommt. Sie haben keine Möglichkeiten, mit einer solchen Situation umzugehen und neigen dazu, das Ganze als persönliche Niederlage zu interpretieren. "Scheitern" bedeutet für sie eine tiefe Kränkung und ist ein nicht auszuhaltender Zustand.

Spiraleffekt

Hat man sich einmal entschieden, in die Verantwortung zu gehen, kann man so leicht nicht wieder aussteigen. Zumindest erscheint ein Ausstieg eine höhere Hürde zu sein, als zusätzlich Verantwortung für unsichere Prozesse oder konfliktträchtige Beziehungen usw. zu übernehmen. Es ist nicht möglich, mitten im Prozess die Chancen, Risiken sowie beeinflussbare und

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