Strategisches Risikomanagement Geopolitische Risiken im Projektmanagement steuern

Geopolitische Risiken im Projektmanagement steuern

Kriege, Regierungswechsel und Handelsabkommen beeinflussen die Kosten und die Terminpläne von Projekten. Erfahren Sie, wie Sie diese Risiken analysieren und Ihre Projekte mit wirksamen Strategien resilient aufstellen.

Management Summary

Strategisches Risikomanagement Geopolitische Risiken im Projektmanagement steuern

Geopolitische Risiken im Projektmanagement steuern

Kriege, Regierungswechsel und Handelsabkommen beeinflussen die Kosten und die Terminpläne von Projekten. Erfahren Sie, wie Sie diese Risiken analysieren und Ihre Projekte mit wirksamen Strategien resilient aufstellen.

Management Summary

Mit massiven Störungen in den Lieferketten von Öl, Gas, Helium, Aluminium und Düngemitteln hat der derzeitige Irankonflikt auch starke Auswirkungen auf deutsche Unternehmen und deren Projektarbeit.

In einer Blitzumfrage der DIHK bei rund 2.400 Unternehmen im April 2026 gaben 73% der Betriebe an, dass durch den neuen Nahostkonflikt, der Ende Februar 2026 begann, ihre Fracht- und Transportkosten gestiegen seien; 71% mussten höhere Energiezahlungen leisten und 58% waren von steigenden Rohstoff- und Materialpreisen betroffen. Der Einfluss des Konflikts auf die Wirtschaft kann zudem anhand der Inflationsrate beobachtet werden: Im Euroraum stieg sie nach dem Beginn der Irankrise von 1,9% im Februar auf 3% im April 2026.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie den Einfluss aktueller geopolitischer Risiken auf Ihre Projekte einschätzen können und wie Sie diese Aspekte Schritt für Schritt in Ihr eigenes Risikomanagement integrieren.

Geopolitischer Check für Ihr Projekt

Arbeiten Sie im Mittelstand oder leiten Sie gerade ein kleines Projekt, das Sie lokal implementieren und von dem Sie denken, dass Sie die geopolitische Situation nicht betrifft? Dann beantworten Sie die folgenden Fragen, auch wenn nicht alle auf Ihr Projekt zutreffen:

  • Wo werden die Produktkomponenten bzw. Projektmaterialien für Ihr Projekt produziert und eingekauft? Und in welcher Währung?
  • Welche Annahmen bzgl. Energiepreisen, Absatzmärkten, Preisentwicklung und Finanzierungskonditionen gelten für den Business Case?
  • Aus welchem Land/welcher Region stammen die externen Unternehmen und Lieferanten, die für Ihr Projekt arbeiten? Betrachten Sie hier auch die Subunternehmer!
  • Wo wird Ihr Projekt umgesetzt?
  • Sind alle Teammitglieder vor Ort? Wo sitzen Ihre Stakeholder?
  • Welche Gesetze und Richtlinien muss das Projekt erfüllen? Wird Ihr Projekt zur Erfüllung eines Gesetzes initiiert?
  • Welche politischen Rahmenbedingungen werden in den Anforderungen und der Wirtschaftlichkeit Ihres Projekts berücksichtigt?

Alle diese Fragen zeigen, dass es auch für Sie wichtig ist, diese Bereiche auf mögliche Risiken hin zu betrachten und eine Projektgeostrategie zu entwickeln.

Geopolitik vs. Geostrategie

Geopolitik verbindet die Begriffe "Geografie" und "Politik". Der schwedische Staatswissenschaftler und Politiker Rudolf Kjellén (1864 – 1922) definierte Geopolitik als einer der Ersten als "Lehre vom Staat als geographischem Organismus oder als Erscheinung im Raum" (Kjellén 1917, S. 49).

Geopolitik beschäftigt sich also mit den Einflüssen von geografischen und politischen Faktoren, z.B. Lage, Ressourcen, Gesetze, Marktdynamiken. Geostrategie dagegen deckt die Planung und Umsetzung von Maßnahmen für die Steuerung der Geopolitik und liefert das "Wie" für die geopolitischen Einflussfaktoren.

Im Projektmanagement ist es essenziell, eine geeignete Projektgeostrategie zu entwerfen. Dies bedeutet, eine detaillierte Ursachen- und Szenarioanalyse durchzuführen und Strategien für den Umgang mit geopolitischen Risiken zur Sicherstellung des Projekterfolgs zu entwickeln.

Aktuelle geopolitische Risiken und ihr Einfluss auf das Triple Constraint (Zeit, Kosten, Qualität)

Die aktuelle Weltlage ist geprägt von einer hohen geopolitischen Instabilität. Im Folgenden gehen wir einige geopolitische Risikokategorien durch und betrachten dabei verschiedene aktuelle geopolitische Risiken, die eine wichtige Rolle für den Erfolg laufender Projekte spielen. Anhand zweier Beispielprojekte werden wir uns die Auswirkungen auf das Triple Constraint aus Zeit, Kosten und Qualität anschauen.

Die Beispielprojekte

Ein Großprojekt im Anlagenbau als Modifikation einer Chemieanlage zur Produktionserhöhung in Südeuropa. Das Einsatzprodukt für die Anlage wird bis zu 50% aus dem Mittleren Osten importiert. Am Projekt selbst sind verschiedene Unternehmen in der Engineering- und Bauphase beteiligt, die teilweise regional, aber auch international aufgestellt sind. Die Materialien und benötigten Apparate werden von Lieferanten bereitgestellt, die teils aus Brasilien, teils aus europäischen Ländern stammen.

Die Entwicklung eines neuen Automodells und seines Produktionsstarts in Deutschland. Dabei werden die verschiedenen technischen Komponenten aus Kolumbien und Polen geliefert. Mehrere Sublieferanten aus der Autoindustrie sind daran beteiligt. Das Entwicklungsteam sitzt teils in Europa, teils in den USA. Ein als Hochrisiko-KI-System eingestuftes Fahrassistenzsystem für autonomes Fahren wird im neuen Automodell implementiert.

Die folgenden Risikobeispiele können und sollen je nach Situation und Projekt individuell erweitert werden.

Bewaffnete Konflikte