Projektportfolio, Programme, Governance

Internationale PM-Normung – was steht an?

Im September 2012 erschien die ISO 21500: Guidance on project management. Weitere Normungsvorhaben im Projektmanagement auf internationaler Ebene sind bereits in Arbeit. Reinhard Wagner, u.a. Leiter der deutschen Delegation bei den ISO-Komitees für Projektmanagement, gibt einen Überblick.
Projektportfolio, Programme, Governance

Internationale PM-Normung – was steht an?

Im September 2012 erschien die ISO 21500: Guidance on project management. Weitere Normungsvorhaben im Projektmanagement auf internationaler Ebene sind bereits in Arbeit. Reinhard Wagner, u.a. Leiter der deutschen Delegation bei den ISO-Komitees für Projektmanagement, gibt einen Überblick.

Nach fast fünf Jahren Entwicklungszeit hat die internationale Projektmanagement-Norm "ISO 21500 Guidance on Project Management" (ISO, 2012) im September 2012 das Licht der Welt erblickt (Wagner, Projekt Magazin 09/2012). Auch wenn noch nicht ganz klar ist, welche Verbreitung diese finden wird, arbeitet das entsprechende Normengremium ISO/TC 258 (siehe Infokasten) bereits an neuen Projekten. Im Vordergrund steht dabei, die eher strategischen Themen des Multiprojektmanagements in einem Top-Down-Ansatz zu behandeln (Wagner, Projekt Magazin 04/2012) und nicht, Projektmanagementprozesse oder –methoden, wie z.B. das Projektrisikomanagement, weiter zu detaillieren. Dieser Beitrag stellt die aktuellen Normungsvorhaben im Überblick vor.

Normengremium "ISO/TC 258 Project, programme and portfolio management"

Das Technical Committee (TC) 258 "Project, programme and portfolio management" wurde auf Antrag des ANSI (American National Standards Institute) und des BSI (British Standards Institute) im Jahr 2011 ins Leben gerufen. Es setzt die seit 2007 laufenden Arbeiten des ISO/TC 236, das die ISO 21500 erstellte, im Bereich der Projektwirtschaft fort.

Derzeit sind 33 Länder Mitglied im ISO/TC 258, weitere 6 Länder wirken als Beobachter mit. IPMA und PMI haben als NGOs den Status als "Liaisons".

In den Mitgliedsländern wird die Arbeit der ISO/TC 258 in sog. Spiegelgremien begleitet, für Deutschland ist dies der NQSZ 4 (siehe Abschnitt: "Mitwirkungsmöglichkeiten …").

Nähere Informationen über Struktur und Arbeit des TC 258 sind auf der Website der ISO unter der URL http://www.iso.org/iso/iso_technical_committee?commid=624837 zu finden.

Portfoliomanagement

Nach Fertigstellung der ISO 21500 nahm das Technical Committee (TC) 258 als nächstes Ziel die Entwicklung einer internationalen Norm für das Portfoliomanagement in Angriff. Die Bezeichnung "Project and Programme Portfolio Management" für die ISO/NP 18126 (NP steht dabei für "New Proposal") verdeutlicht bereits die Komplexität des Themas: Ein Portfolio kann sich aus Projekten, Programmen, anderen Portfolios und weiteren, nicht projektartigen Aktivitäten bestehen. Der erste Entwurf enthält ein Kapitel mit "Principles of project portfolio management" sowie drei Kapitel mit den Bezeichnungen "Planning for project portfolio management", "Establishing and managing project portfolios" und "Balancing and controlling the project portfolio". Somit stehen – anders als bei der ISO 21500 oder beim ANSI-Standard für Portfoliomanagement – nicht die Prozesse im Vordergrund. Vielmehr geht es darum, einen internationalen Konsens über die Grundlagen des Portfoliomanagements herzustellen und damit eine langfristige Orientierung für die vorhandenen und entstehenden nationalen Normen zu geben. Es ist nicht das Ziel der Arbeitsgruppe, die bestehenden Normen für das Portfoliomanagement zu vereinheitlichen oder zu ersetzen.

Geplant ist, innerhalb von drei Jahren den Normentwurf zu erstellen, so dass 2015 mit einer Veröffentlichung der Norm zu rechnen ist.

Governance

Parallel zum oben genannten Projekt untersuchen die Experten des ISO/TC 258 das Thema "Governance in Projekten". Eine sog. "Study Group" prüft derzeit verfügbare Definitionen bzw. Konzepte für dieses Thema und wird im kommenden Jahr eine Empfehlung darüber geben, ob "Governance in Projekten" als internationaler Standard relevant ist. Die Herausforderung dabei ist, dass es viele unterschiedliche, oft sich widersprechende Definitionen für den Begriff "Governance" gibt. Insbesondere im angelsächsischen Raum genießt das Thema seit vielen Jahren eine hohe Aufmerksamkeit, in England, Australien, Südafrika und Kanada existieren dafür bereits Standards und Beschreibungen.

Viele dieser Texte beziehen sich auf eine Definition der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) aus dem Jahr 2004. Diese besagt: "Corporate governance is one key element in improving economic efficiency and growth as well as enhancing investor confidence. Corporate governance involves a set of relationships between a company’s management, its board, its shareholders and other stakeholders. Corporate governance also provides the structure through which the objectives of the company are set, and the means of attaining those objectives and monitoring performance are determined" (OECD, 2004).

(Offizielle deutsche Übersetzung: "Corporate-Governance-Praktiken gehören zu den zentralen Voraussetzungen für die Verbesserung von wirtschaftlicher Effizienz und Wachstum wie auch für die Stärkung des Anlegervertrauens. Sie betreffen das ganze Geflecht der Beziehungen zwischen dem Management eines Unternehmens, dem Aufsichtsorgan, den Aktionären und anderen Unternehmensbeteiligten (Stakeholder). Die Corporate Governance liefert auch den strukturellen Rahmen für die Festlegung der Unternehmensziele, die Identifizierung der Mittel und Wege zu ihrer Umsetzung und die Modalitäten der Erfolgskontrolle.")

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