Für den Einsatz von Empowered Fundraising ist ein tiefes Verständnis der Win-Win-Win-Kultur erforderlich, die Grundlage aller Dragon-Dreaming-Methoden ist. Das Empowered Fundraising funktioniert nur, wenn Sie mit einer Haltung der Win-Win-Win-Kultur sowie der Einhaltung der drei Prinzipien (Wachstum jedes Individuums, Gemeinschaftsbildung und Dienst an der Erde) an die Umsetzung der Methode gehen. Zudem wird Empowered Fundraising nur dann gelingen, wenn Sie Ihre eigenen Muster, negativen Glaubenssätze und Verletzungen in Bezug auf Geld kennen bzw. offen dafür sind, diese kennenzulernen. Dies gilt gleichermaßen für alle beteiligten Personen. Es ist eine große Herausforderung, an diesem Thema zu arbeiten und mit der Zeit immer mehr in eine Win-Win-Win-Haltung hineinzuwachsen.
Die drei negativen Geld-Glaubenssätze
Die US-Amerikanerin Lynn Twist hat eine für das Verständnis des Empowered Fundraising wichtige Grundlage geliefert. Sie betrieb Fundraising für Projekte zur Bekämpfung des Hungers in der Welt. Auf diese Weise hatte sie es mit unglaublich reichen und unglaublich armen Menschen zu tun – sowie allen möglichen Menschen dazwischen. Bei all diesen Menschen stieß sie immer wieder auf drei negative Glaubenssätze, die sie wie folgt zusammengefasst hat (Twist, Lynne: Die Seele des Geldes, 2. Aufl. 2017):
- Es ist nicht genug für alle da
- Mehr ist besser
- Es gibt keine Alternativen
Diese drei Narrative sind das Fundament eines Systems voller struktureller Gewalt, in der die Macht des Stärkeren gilt. Das bewirkt, dass Menschen ein zum Teil schmerzhaftes, angsterfülltes, gieriges – in jedem Fall aber negatives und unfreies Verhältnis zu Geld haben. Diese drei – meist unbewussten – Grundsätze bewirken eine fatale Logik: Wenn wir davon ausgehen, dass es nicht genug (Geld) für alle gibt, dann haben wir vermeintlich keine andere Wahl, als um unser Geld zu kämpfen, selbst wenn wir dies nicht wollen: unser (soziales) Überleben steht auf dem Spiel! Verlieren wir, rutschen wir womöglich ab und landen als Ausgestoßene jenseits der gesellschaftlichen Solidarität. Aber – so der dritte Glaubenssatz – es gibt keine Alternativen. Deshalb glauben wir, dass "mehr" auch immer besser (sicherer) ist.
Kein Projekt scheitert am Geld
Um eine Win-Win-Win-Kultur des Geldes zu erreichen, müssen wir zunächst anerkennen, dass wir diese Glaubenssätze unbewusst ausleben. Darauf aufbauend können wir uns bewusst machen, zu welchen Gedankengängen, Entscheidungen und Verhaltensmustern einer Win-Lose-Kultur uns dies bringt. Diese können wir überwinden, indem wir Wege finden, wie wir den umgekehrten Vorstellungen und Überzeugungen folgen:
- Es ist genug für alle da
- Mehr ist nicht immer besser
- Es gibt jede Menge Alternativen
Die ersten beiden Vorstellungen (″es ist genug für alle da″ und ″mehr ist nicht immer besser″) befreien uns von der Notwendigkeit des Kampfes. Wenn genug für alle da ist, muss ich nicht mehr kämpfen und nichts mehr horten. ″Mehr Geld″ ergibt auf einmal gar keinen Sinn, denn ich weiß: wenn ich mehr brauche, ist genug für alle da. Die dritte Vorstellung (″es gibt jede Menge Alternativen″) ist wiederum ein Anlass für Kreativität. Kommt auf die eine Weise das Geld für mein Projekt nicht zustande, gelingt es vielleicht auf eine der vielfältigen anderen Arten. Diese Idee brachte John Croft dazu zu sagen:
″Kein Projekt scheitert am Geld – es scheitert höchstens an einem Mangel an Motivation und Kreativität.″
Ist eine Win-Win-Win-Kultur möglich?
Natürlich ist das eine idealistische Vorstellung. Denn – wie das Thomas-Theorem besagt: ″Wenn die Menschen Situationen als wirklich definieren, sind diese in ihren Konsequenzen wirklich.″ (Seite ″Thomas-Theorem″, in: Wikipedia, 1. Mai 2025, https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Thomas-Theorem). Mit anderen Worten: weil die allermeisten Menschen auf diesem Planeten die drei negativen Glaubenssätze haben, werden sie zur gesellschaftlichen Realität: Menschen kämpfen gegeneinander, versuchen anderen etwas wegzunehmen, möglichst wenig abzugeben und möglichst viel zu horten. Das führt tatsächlich dazu, dass nicht genug für alle da ist.
Können wir diese Situation als Individuen, als Teams oder als einzelne Organisationen verändern? Das Win-Lose-System auf unserer Erde ist Jahrhunderte alt und es sieht nicht so aus, als würde sich dies demnächst ändern. Und doch gibt es überall auf der Welt Menschen, Projekte und Organisationen, die alles daran setzen, eine Win-Win-Win-Kultur möglich zu machen. Die Methode ″Empowered Fundraising″ zeigt in einer recht pragmatischen, machbaren Form, wie sich jeder Mensch auf den Weg in Richtung einer Win-Win-Win-Kultur des Geldes machen kann.
Ein wichtiges Element der Win-Win-Win-Kultur ist die Methode Win-Win-Kommunikation.
Schritt 1: Bereiten Sie die Teammitglieder auf das Empowered Fundraising vor!
Führen Sie zunächst einen Kick-off-Workshop durch, bevor die Teammitglieder nach außen gehen und Fundraising bei externen Sponsoren betreiben. Je nach Teamgröße und Ausgestaltung sind dafür zwei bis vier Stunden erforderlich.
Das Team kommt im Kreis zusammen. Nach einer Check-in-Runde setzt sich das Team mit der Summe auseinander, die über das Empowered Fundraising akquiriert werden soll. Verwenden Sie hierzu die Ergebnisse der bisherigen Workshops für dieses Projekt, insbesondere der Methoden 20 Minute Budget (Dragon Dreaming) und Commitment Testing (Dragon Dreaming).
Tipp: Kreisgespräch über Geldbiografien
Hilfreich kann es sein, einen Redekreis zu der Frage durchzuführen, welche Rolle Geld im Leben der einzelnen Teammitglieder spielt:
- Wer kommt aus einem wohlhabenden, wer aus einem armen Elternhaus?
- Für wen war Geld noch nie ein Problem?
- Wer hat Phasen mit großen Geldsorgen kennengelernt?
- Wer schämt sich, weil er:sie "unverdient" viel Geld geerbt hat?
- Wer schämt sich, weil er:sei "selbstverschuldet" in eine Schuldenkrise gerutscht ist?
Das sind nur ein paar Beispiele für mögliche "Geldbiografien". Viele weitere Aspekte können in diesem Kreisgespräch auftauchen. Wenn das Vertrauen im Team ausreichend groß ist und sich die Menschen tatsächlich öffnen und zeigen, dann kann dieser Austausch eine sehr viel tiefere Verbindung im Team herstellen. Wenn das Gespräch gut läuft, ist es für die meisten Menschen ein sehr befreiendes Gefühl, vielleicht erstmals in ihrem Leben offen über dieses Tabuthema sprechen zu können. Es sollte aber unbedingt vermieden werden, Menschen dazu zu drängen, sich zu zeigen, wenn sie nicht so weit sind.