Die Stärke von Plus, Minus, Interesting (PMI) liegt für mich, dass die Bewertung unter drei unterschiedlichen Aspekten durchgeführt wird. Dies verhindert, dass vorschnell gehandelt wird. Eine spontan nicht so attraktiv angesehene Lösung kann durch die differenziert Betrachtung aus den drei Perspektiven doch noch für die Lösung des Problems interessant werden. Ich selbst habe durch die Anwendung der Methode etliche Fehler und Irrwege vermieden.
Das Schöne an PMI ist, dass es sich ohne große Vorbereitung in einem Workshop – auch spontan - einsetzen lässt. Die Methode hilft immer dann, wenn es darum geht Entscheidungen, Lösungen oder Ideen zu bewerten oder zu überprüfen.
Am besten lässt sie sich anhand eines einfachen Beispiels erklären:
Beispiel: Pilotprojekt 4-Tage-Woche
Die Personalabteilung eines kleinen Software-Entwicklungshauses beschäftigt sich mit innovativen Arbeitszeitmodellen, um die Personalfluktuation zu reduzieren und attraktiv für Mitarbeitende der Generation Z zu sein. Der Leiter der Personalabteilung las im projektmagazin den Erfahrungsbericht "Die Vier-Tage-Woche: Mehr Leistung trotz reduzierter Arbeitszeit" und möchte deshalb mit einem Pilotprojekt die Effekte einer Vier-Tage-Woche ausprobieren. Er schlägt Kim, die ein Entwicklungsteam mit sieben engagierten Mitgliedern leitet, vor, mit ihrem Team für die Dauer des Projekts die Vier-Tage-Woche einzuführen.
Kim hält dies spontan für eine schlechte Idee, da sie befürchtet, dass die Termine nicht eingehalten werden können. Aber ihr ist es wichtig, dass die Teammitglieder bei Entscheidungen mit einbezogen werden. Fünf der sieben Teammitglieder gefällt die Idee der Vier-Tage-Woche.
Um eine qualifizierte Entscheidung zu treffen, führt Kim mit ihrem Team einen kleinen PMI-Workshop durch zum Vorschlag: "Wir testen in unserem Projekt die Vier-Tage-Woche."
Die Quellen für den betrachteten Gegenstand können vielfältig sein und sind oft das Ergebnis einer anderen Methode. Im Abschnitt ″Ergänzende Methoden″ sind einige Methoden aufgeführt, deren Output bei Bedarf mit analysiert und bewertet werden kann.
Die Qualität der Bewertung hängt davon ab, wie gut die Teilnehmenden am Workshop die Entscheidung, Lösung oder Idee verstanden haben. Es ist deshalb sehr wichtig, dass Sie nicht einfach davon ausgehen, dass allen Teilnehmenden sowieso klar ist, worum es geht.
Prüfen Sie anhand folgender Checkliste, ob der betrachtete Gegenstand klar formuliert wurde:
- Ist klar, was erreicht werden soll? (nicht: "es ist sinnvoll, wünschenswert, anzustreben, möglicherweise, könnte" usw.)
- Sind die vorgeschlagenen Schritte präzise beschrieben (kein "man könnte", "eventuell")?
- Ist eindeutig, wer was tut? (nicht: "wir alle, die Verantwortlichen, jede/jeder" usw.)
- Gibt es klare Fristen oder Zeitangaben? (nicht: "in der nächsten Zeit, bei Gelegenheit, sobald möglich" usw.)
- Ist die Formulierung in sich frei von Widersprüchen? (nicht: "schnell und sorgfältig", "hochwertig und kostengünstig" usw.)
- Sind alle Begriffe für die Beteiligten verständlich? (insbesondere keine Abkürzungen!)
- Lässt der Text nur eine sinnvolle Auslegung zu? (keine Mehrdeutigkeiten)
Sorgen Sie vorbereitend auch dafür, dass allen Teilnehmenden dieselben Informationen vorliegen, z.B. die aktuelle Version des Änderungsantrags, Business Cases, Konzepts usw.
Beispiel: Bezug auf bestehendes Konzept, klare Rahmensetzung
In unserem Beispiel gibt es ein Konzept für die Vier-Tage-Woche, dass die Personalabteilung Kim zur Verfügung gestellt hat. Sie leitet es an alle Teammitglieder weiter und bittet sie, sich damit zu beschäftigen. Sie formuliert als zu beurteilenden Vorschlag:
″Wir arbeiten für die Dauer des laufenden Projekts nach dem Arbeitszeitmodell der Vier-Tage-Woche, wie es im Konzept der Personalabteilung beschrieben ist. Wir haben das Konzept gelesen und verstanden.″