Stimmungsmanagement in Krisenprojekten

Teil 1: Hexenkessel, Eiszeit, Jammertal: die Gefühlslage des Teams erfassen
Wenn ein Projekt in eine Krise geraten ist, treten Emotionen besonders stark zutage: Angst, Wut, Resignation oder mangelndes Vertrauen prägen die Stimmung. Das wirkt sich negativ auf Verhalten und Motivation der Mitarbeiter aus. Um das Projekt aus der Krise zu führen, muss zunächst ein emotionales Klima geschaffen werden, das einen Turnaround überhaupt erst ermöglicht. Dies kann mit strategischem Stimmungsmanagement gelingen. Im ersten Teil dieses Beitrags stellt Dr. Monika Setzwein Diagnosewerkzeuge vor, mit denen sich die Gefühlslage des Teams bestimmen lässt.

Emotionen gehören nicht gerade zum klassischen Themenkatalog des Projektmanagements. Als Angelegenheiten des Herzens werden Gefühle gern dem Reich des Privaten zugeschlagen und aus der Welt der Pläne und Prozesse, Fakten und Kalküle verbannt. Doch wer meint, Emotionen in Projekten einfach ausblenden oder als unerwünschten Störfaktor abtun zu können, sitzt einem fatalen Irrtum auf. Als soziale Gebilde besitzen Projekte unweigerlich eine emotionale Dimension, die den Verlauf und Erfolg von Projekten wesentlich beeinflusst. Deshalb ist im Projektmanagement eine konsequente und systematische Einblendung der emotionalen Ebene notwendig.

Einen besonders guten Ansatzpunkt dafür bieten Projekte, die in eine Krise geraten sind. Hier wird die emotionale Ebene - meist in Form destruktiver Stimmung - für alle offenbar. Wer in einem gefährdeten Projekt das Ruder herumreißen will, muss zuallererst den emotionalen Turnaround schaffen und das Projekt aus seiner Stimmungskrise holen. Wie ein solches Stimmungsmanagement in Krisenprojekten konkret aussehen kann, möchte ich Ihnen im Folgenden zeigen. Angesprochen sind Personen, die in verantwortlicher Position mit krisenhaften Projekten zu tun haben: Projektleiter, Projektmanager, Auftraggeber und Mitglieder der Geschäftsleitung. Sie erhalten einen Einblick in die emotionale Dimension der Projektsanierung und lernen Methoden der Stimmungserfassung und des Stimmungsmanagements kennen.

In Teil 1 dieses Beitrags werden Methoden der Stimmungserfassung vorgestellt, mit denen man die Atmosphäre in Projekten sichtbar machen kann. Teil 2 zeigt Wege auf, um negative Stimmungen zu lösen und - mit Hilfe in den Projektalltag integrierter Rituale - ein positives Klima aufzubauen.

"Hier brennt die Luft": Emotionale Klimata in Krisenprojekten

Die Atmosphäre in kriselnden Projekten ist meist von negativen Emotionen bestimmt - allen voran Angst und Besorgnis, gefolgt von Enttäuschung und Resignation oder Ärger und Aggressionen. Dadurch ändern sich auch die zwischenmenschlichen Beziehungen im Projekt: Vorgesetzte verstärken ihr Kontrollverhalten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ziehen sich zurück, Projektbeteiligte begegnen einander mit Misstrauen, die Kommunikation bricht ab oder wird im Ton rauer usw.

Auch die Haltung gegenüber Arbeitsanforderungen und vorhandenen Problemen wird von der negativen Stimmung geprägt. Die Teammitglieder trauen sich nichts mehr zu, die Frustrationstoleranz ist auf den Nullpunkt gesunken und selbst "normale" Anforderungen werden als belastende Hürden empfunden. Stimmung, Motivation und Verhalten der Beteiligten stehen in Wechselwirkung zueinander, so dass einer Abwärtsspirale Tür und Tor geöffnet sind.

Bevor die Stimmung in einem Projekt allerdings ins Destruktive umschlägt, kündigen Verschiebungen im emotionalen Gefüge des Teams krisenhafte Entwicklungen an. Typische Symptome dafür sind z.B. schwindendes Vertrauen in die Projektleitung, Verlust an Arbeitsfreude oder eine Zunahme von Gefühlen der Hilflosigkeit. Ablesen lassen sich solche Entwicklungen an "

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