Value Engineering bei Bauprojekten

Mit Value Management ist es möglich, unnötige Projektkosten zu identifizieren und so eine höhere Kostensicherheit zu gewährleisten. Im Baubereich wird das Value Management als Value Engineering bezeichnet und ist insbesondere im anglo-amerikanischen Sprachraum bereits Bestandteil der Projektabwicklung im öffentlichen Bereich. Ein zentraler Aspekt ist die Einbindung des bauausführenden Auftragnehmers. Gemeinsam können Planer und Ausführende leichter neue Wege finden, um Kosten einzusparen und das Projektergebnis verbessern. Dr. Thomas Mathoi stellt das Value Engineering vor.

Value Engineering bei Bauprojekten

Mit Value Management ist es möglich, unnötige Projektkosten zu identifizieren und so eine höhere Kostensicherheit zu gewährleisten. Im Baubereich wird das Value Management als Value Engineering bezeichnet und ist insbesondere im anglo-amerikanischen Sprachraum bereits Bestandteil der Projektabwicklung im öffentlichen Bereich. Ein zentraler Aspekt ist die Einbindung des bauausführenden Auftragnehmers. Gemeinsam können Planer und Ausführende leichter neue Wege finden, um Kosten einzusparen und das Projektergebnis verbessern. Dr. Thomas Mathoi stellt das Value Engineering vor.

Mit einem vorgegebenen Budget das optimale Projektergebnis zu erreichen - das ist das Ziel von Value Management bzw. Value Engineering. Es wird eingesetzt bei großen Projekten, die ein komplexes Produkt mit vielen Funktionen erstellen sollen und an denen Beteiligte aus unterschiedlichen Disziplinen mitwirken. Beispiele hierfür sind u.a. die Entwicklung von Kraftfahrzeugen, die Programmierung großer Softwaresysteme oder die Planung umfangreicher Bauwerke.

Value Engineering ist eine prozessorientierte Vorgehensweise, die unnötige Projektkosten identifiziert und so die Kostensicherheit - insbesondere bei Großprojekten - erhöht. Die Kosten werden dabei im Rahmen einer Optimierungsphase reduziert, ohne wesentliche geforderte Funktionen und Qualitäten des Produkts - im hier betrachteten Anwendungsfall des Bauwerks - einzuschränken.

Ein zentraler Aspekt ist dabei die Einbindung des Wissens und der Erfahrung des bauausführenden Auftragnehmers in eine gemeinsame Planung. Den planenden Architekten und Ingenieuren fehlt es oft an Zeit und vor allem auch an Honorar, um Alternativen für eine Optimierung alleine zu entwickeln und zu bewerten. Gemeinsam können Planer und Ausführende leichter neue Lösungsansätze und Ideen finden, die Kosten einsparen und/oder das Projektergebnis verbessern.

Value Management: Aus Mangel Werte schaffen

Die Ursprünge des Value Engineering gehen auf die Bemühungen des Unternehmens "General Electric Co." während des zweiten Weltkriegs zurück. Aufgrund der damals teuren Rohstoffe, geringen Kapazitäten und wenig verfügbaren, aber produktionsnotwendigen Komponenten suchten Lawrence Miles und Harry Erlicher bei G.E. nach akzeptablen, alternativen Möglichkeiten für die Produktion. Dabei fanden sie heraus, dass diese Alternativen zum einen die Kosten der Produktion senkten und zum anderen sogar mitunter das Produkt verbesserten. So entwickelte sich aus den einst notwendigen Bemühungen ein systematischer Prozess, den Miles und Erlicher als "Value Analysis" bezeichneten.

Später entstand daraus ein Managementstil - das so genannte "Value Management" - mit dem Schwerpunkt in der optimalen Gestaltung von Erzeugnissen während der Entwicklung und Konstruktion, also in der Phase vor dem Produktionsanlauf (Wertgestaltung).

Anwendung im Bauwesen: Großprojekte mit Kosten- und Termindruck

Im Bauwesen ist das "Value Management" als "Value Engineering" insbesondere im anglo-amerikanischen Sprachraum bereits Bestandteil der Projektabwicklung im öffentlichen Bereich. Die dort vorherrschenden partnerschaftlichen Ansätze unterstützen seinen erfolgreichen Einsatz. Die Projektabwicklungskultur im deutschsprachigen Raum ist zwar nicht auf die anglo-amerikanischen Partnerschaftsmodelle ausgerichtet, dennoch kann das Value Engineering auch hierzulande erfolgreich eingesetzt werden. Voraussetzung dafür ist ein Mindestmaß an Bereitschaft zu einer partnerschaftlichen Projektabwicklung (z.B. durch gegenseitige Beteiligung an den aus dem Value Engineering erwirtschafteten Einsparungen).

Die allgemeinen Methoden des Value Managements als Grundlage für das Value Engineering umfassen die Funktionenanalyse, die Funktionenkostenanalyse, die funktionale Leistungsbeschreibung, die Wertanalyse und das Design to Cost bzw. das Design to Objectives. Die europäische Norm EN 12793 (Ö-Norm EN 12793; DIN EN 12793 Wertanalyse) beschreibt die wichtigsten Methoden.

Für jedes einzelne Projekt ist zu überprüfen, welche der verfügbaren Methoden anwendbar ist. Es empfiehlt sich, die Methoden zu kombinieren, um das am besten geeignete Vorgehen sicherzustellen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass gewisse Überschneidungen der einzelnen Methoden existieren. So beinhaltet zum Beispiel die Funktionenkostenanalyse eine Funktionenanalyse, die Wertanalyse sowohl eine Funktionen- als auch eine Funktionenkostenanalyse und das Design to Cost eine Funktionenanalyse und eventuell auch eine Wertanalyse.

Standardmethoden an die Anforderungen des Bauwesens anpassen

Die genannten Methoden stammen aus der industriellen Serienfertigung. Im Bauwesen, bei dem jedes Produkt ein Unikat darstellt, müssen diese Methoden für das Value Engineering entsprechend angepasst werden. Vor allem Großprojekte, die unter einem entsprechenden Kosten- und Zeitdruck stehen, sind das primäre Anwendungsumfeld für Value Engineering. Derartige Projekte werden oft mit Generalplaner und Generalunternehmer oder als Totalunternehmermodelle abgewickelt. Diese Art der Projektabwicklung ist der Ausgangspunkt für die Betrachtungen in diesem Beitrag.

Für den Einsatz von Value Engineering bei Bauprojekten gibt es grundsätzlich zwei Anwendungsmöglichkeiten:

Planungsbegleitendes Value Engineering

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Gerd Karl
Sommerauer
Dipl.-Ing.
O.K.
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