Widersprüche - mit innerer Zerrissenheit umgehen

Entscheidungssituationen, welche die eigene Person zu spalten scheinen, sind jedem bekannt. Von Projektleitern wird erwartet, Gegensätze und Konfliktfelder in Projekten professionell zu bearbeiten. Dr. Günter Rattay zeigt in seinem Tipp, wie Widerspruchsmanagement dabei hilft, das Chaos zu ordnen.

Als Projektleiter befinden Sie sich stets im Dilemma, einerseits ihre Projekte so effizient wie möglich durchzuführen und andererseits im Sinne der Unternehmens- und Projektkultur alle Beteiligten intensiv einzubinden. Das ist ein typischer Widerspruch, der Projektleiter in ihrer Führungsrolle in scheinbar unlösbare Schwierigkeiten bringt. Diese ergeben sich aus explizit ausgesprochenen oder implizit erwarteten Wünschen und Forderungen wesentlicher Umfeldgruppen des Projekts und führen zu Spannungen und Konflikten.

Der erste wesentliche Schritt zu ihrer Lösung ist, dass der Projektleiter das Existieren derartiger Widersprüche als immanenten Bestandteil eines Projekts akzeptiert und sie nicht als Anzeichen mangelnder Planung, Kontrolle oder eigener Schwäche sieht. So kann ein Projektleiter z.B. im Spannungsfeld zwischen Erfolg und Lernen stehen. Projekte sind ein beliebtes Hilfsmittel, um die Weiterentwicklung und das Lernen in einer Organisation zu fördern. Im Gegensatz dazu wird von Projektleitern ein möglichst großer wirtschaftlicher Erfolg im Projekt erwartet, und das oft so rasch wie möglich. Ein Entwicklungsprojekt muss z.B. gleichzeitig das Know-how im Unternehmen erhöhen und ein gewinnbringendes Produkt ergeben. Beiden Ansprüchen gleichzeitig nachzukommen ist ein Balanceakt.

Widersprüche entstehen zum einen durch äußere Einflüsse, wie die unterschiedlichen Interessen der Umfeldgruppen eines Projekts. Zum anderen kommt es durch die eigenen, inneren Unklarheiten der Führungskraft zu inneren Widersprüchen. Die vielfältigen, widersprüchlichen Anforderungen werden bei anstehenden Entscheidungen zu einem Gewirr innerer, widerstreitender Stimmen des Projektleiters. Oft fühlt dieser sich dann innerlich zerrissen oder er laviert sich mit halbherzigen Lösungen zwischen den einzelnen Ansprüchen hindurch. Er ist mit sich selbst unzufrieden und kann auch gegenüber den Stakeholdern keine klare Position behaupten.

Eine Führungskraft schafft aber nur dann nachhaltige Klarheit nach außen, wenn sie auch im Inneren auf ein Ziel orientiert ist. Sie muss die inneren Stimmen bewusst in einen Diskussionsprozess versetzen, der es ermöglicht, ungreifbare Gefühle und Stimmungen durch eine "verbale" Auseinandersetzung sichtbar zu machen. Dem Konflikt ausreichend Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen, als hätte man es mit physischen Personen zu tun, bringt häufig eine neue Sichtweise und damit verbunden kreative Lösungsideen.

Wenn Sie wieder einmal das Gefühl haben, zwischen allen Stühlen zu sitzen, versuchen Sie doch folgende Vorgehensweise zur Bearbeitung von Widersprüchen. Je nachdem, ob es sich um einen inneren oder äußeren Widerspruch handelt, müssen Sie die einzelnen Punkte der Situation entsprechend gestalten.

  1. Definieren Sie die einzelnen Kontrahenten bzw. Stimmen, die unterschiedliche Positionen beziehen:
    Entwirren Sie die wild durcheinander rufenden Stimmen und ordnen Sie diese klaren Positionsträgern zu. Aus dem inneren Chaos entsteht eine Diskussion, die es zu moderieren gilt.
  2. Sammeln Sie die unterschiedlichen Meinungen:
    Diese Phase dient der Informationsbeschaffung,
Anzeige
Jetzt kostenlos weiterlesen!
Abonnenten des Projekt Magazins wissen mehr!
Starten Sie jetzt unser 4-wöchiges Kennenlern-Angebot: Die Anmeldung dauert nur ein paar Minuten – Sie können also gleich weiterlesen.
  • KostenlosDas Kennenlern-Angebot kostet Sie nichts.
  • Kein RisikoSie können jederzeit kündigen, ohne dass Ihnen Kosten entstehen.
  • Einen Monat lang alles lesen4 Wochen Online-Zugriff auf alle Inhalte des Projekt Magazins.
Tech Link