Risikomanagement in Projekten

Informationen zum Buch
Risikomanagement in Projekten
Autor: Harrant, Horst; Hemmrich, Angela
ISBN: 3446225927
Verlag: Hanser Verlag
Jahr: 2004
Seitenanzahl: 208 Seiten
Medienart: brosch.
Preis: 19,90 ÔéČ
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Rezension von Dr. Georg Angermeier

Für eilige LeserInnen: Das Trendthema "Risikomanagement" in handlicher und pragmatischer Form.

Sind wir alle Angsthasen geworden? Fast möchte man dies meinen, wenn man die Flut an Publikationen über Risikomanagement betrachtet, allen voran der Bärentango Tom deMarcos. Im Finanzbereich sorgen Basel II und das Kostentransparenzgesetz für intensive pro forma-Aktivitäten zur Risikominimierung. Mittlerweile gilt es schon fast als Pflichtbestandteil eines Projektantrags, eine Liste möglicher und unmöglicher Risiken mitzuliefern. Software für Projektmanagement muss Risiken verwalten können. Ist das alles Hysterie nach Jahren zu großen Leichtsinns?

Vor diesem Hintergrund ist das sachlich-kompetent und nüchtern zusammengestellte Buch von Harrant und Hemmrich wohltuend emotionslos. Risikomanagement ist nichts besonderes! Seine Methoden sind lange schon bekannt. Man muss es lediglich rechtzeitig betreiben. Und genau dafür ist "Risikomanagement in Projekten" geschrieben.

Es folgt in seiner Darstellung den fünf bekannten Schritten:

  1. Identifizieren (z.B. mit Hilfe von Checklisten, Kundenbefragungen usw.)
  2. Analysieren (Wahrscheinlichkeit und Tragweite schätzen, Ursachen finden)
  3. Priorisieren (z.B. mit Hilfe der Risikomatrix)
  4. Gegenmaßnahmen erarbeiten (z.B. vermindern, übertragen, Alternativplan bereit halten)
  5. Überwachen (z.B. Neubewertung der Risiken)

Diese Schritte gehen die Autoren mit dem Leser insgesamt dreimal: Zuerst in der allgemeinen Darstellung, dann anhand eines kurzen Beispiels und schließlich in der Vorstellung eines einfachen Risikomanagementplans

Dieser Risikomanagementplan ist meines Erachtens der wichtigste Grund, das Buch zu kaufen. Auf kompakten 20 Seiten steht alles beisammen, was man als Projektmanager für das Standard-Risikomanagement eines einfachen Projekts benötigt. Wenn Sie also z.B. der Auftraggeber oder die kreditgebende Bank einen "Risiko(management)plan" von Ihnen fordert, sparen Sie sich mit diesem Buch eine Menge Arbeit und Kopfzerbrechen.

Ein wenig anders sieht es aus, wenn Sie größere Projekte stemmen müssen. Dann ist "Risikomanagement in Projekten" ein wenig zu dünn geraten. Wir finden darin z.B. nicht die professionellen Varianten des Risikomanagements, die Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse oder die Hazard Analysis and Crititcal Control Points. Auch die grundlegenden Maßnahmen der Risikoeindämmung bei Großprojekten wie z.B. die Gründung einer eigenen Projekt-GmbH, werden nicht erwähnt.

Insgesamt fehlt es dem Buch auch noch ein wenig die Reife. Die Autoren haben zwar eine Menge an Einzelheiten zusammengetragen, wie z.B. eine Liste vieler möglicher Risikoarten, aber es ist ihnen nicht recht gelungen, den roten Faden beizubehalten. Beim Lesen stolpert man immer wieder und muss sich erneut orientieren.

Diese Kritik soll aber der Empfehlung keinen Abbruch tun. Das Buch will ja kein Lehrbuch, sondern praktischer Ratgeber und Helfer sein. Und da ist das Vorhandensein des Inhalts wichtiger als seine literatisch ansprechende Aufbereitung.

So ist neben dem bereits erwähnten Risikomanagementplan auch ein Anhang mit risikominimierenden Vertragsklauseln enthalten. Ein Kapitel behandelt die komplexe Frage des Claim-Managements und es geht auf die sowohl Risiken als auch Chancen beinhaltende Aufgabe des Änderungsmanagements ein.

Bei Ihrer Entscheidung, ob das Buch für Sie das richtige ist, helfen Ihnen vielleicht die "Zehn Gebote des Risikomanagements", die auf den Seiten 96 bis 100 erläutert werden:

  1. Risiken gehören zu jedem Projekt und sind nicht zu vermeiden.
  2. Die "Entdecker" von Risiken sind nicht wie "Schuldige" zu behandeln.
  3. Alle Projektbeteiligten sind für das Risikomanagement verantwortlich.
  4. Um drohende Risiken zu erkennen, ist offene und ehrliche Kommunikation im Projektteam unverzichtbar.
  5. Risiken werden nicht nur vom Projektleiter bekämpft, sondern durch abgestimmtes und gemeinsames Handeln des Projektteams.
  6. Risiken und diesbezügliche Abwehrmaßnahmen gehören zu den TOP-1-Themen jeder Projektbesprechung.
  7. Beschlossene Abwehrmaßnahmen und Entscheidungen werden konsequent umgesetzt und auf Wirksamkeit überwacht.
  8. Risikovermindernde bzw. -vermeidende Maßnahmen werden möglichst auf der Arbeitsebene entschieden und nicht zum Management "delegiert".
  9. Sofortige, wirksame Maßnahmen sind perfekten Maßnahmen, die aber zu spät kommen, vorzuziehen.
  10. Vorgehensweisen und Tools im Risikomanagement werden im Projektteam abgestimmt und einheitlich angewendet.

Verlagstext

Viele Projekte laufen völlig aus dem Ruder, sie sprengen jedes Budget, werden zu spät fertig oder verlaufen sich ganz im Sand. Das muss nicht sein:

Wer Risiken rechtzeitig erkennt, kann sie analysieren und entsprechend reagieren.

Wie wird dies gemacht? Die Autoren geben die Antwort, konkret bezogen auf Projekte und direkt in die Praxis umsetzbar:

Beginnend mit der Ermittlung der Projektrisiken über die Risikoanalyse bis hin zur Definition und Umsetzung von Maßnahmen. Dazu gehören auch klar definierte Projektanforderungen und Vertragsklauseln, die Voraussetzung für ein erfolgreiches Risikomanagement sind.

Über die Autoren:

Horst Harrant leitete Projekte in den Bereichen Flugsicherung und Telekommunikation und arbeitet freiberuflich als Projektmanagement-Berater und -Trainer.

Angela Hemmrich leitete Organisations- und Anlagenprojekte und arbeitet freiberuflich als Projektmanagement-Trainerin, -Beraterin und -Coach.



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