Hinderliche Verhaltensmuster in Projekten

Der schleichende Tod der Qualitätssicherung

Zu Projektbeginn waren die begleitende Qualitätssicherung und die regelmäßigen Statustreffen noch fest beschlossene Sache. Im Projektverlauf jedoch geraten solche eher mittel- und langfristig wirkenden Maßnahmen nach und nach in Vergessenheit - bis die Diskrepanz zwischen Anforderung und Ergebnis zum Problem wird. Claudia Kellermann-Lindskog und Dirk Schüpferling erläutern, durch welche typischen Verhaltensmuster sich diese Disziplinlosigkeit einschleicht und wie Projektverantwortliche dafür sorgen können, dass projektbegleitende Maßnahmen nicht unter den Tisch fallen.

Es gibt bestimmte Verhaltensmuster, die den Projektablauf auf typische Weise beeinflussen. Manche dieser Muster sind durchaus positiv, andere hingegen können für das Scheitern eines Projekts verantwortlich sein. Hinderliche Muster sollten deshalb frühzeitig erkannt oder besser noch von vornherein vermieden werden.

Im letzten Beitrag haben wir Ihnen den "Reportismus" vorgestellt, bei dem das Projekt durch das Erstellen zahlreicher, nicht unbedingt notwendiger Dokumente und Reports ausgebremst wird ("Reportismus - Wenn das Berichtswesen zur Dokumentenflut ausartet", Ausgabe 17/2007). In diesem Artikel soll es um ein ebenfalls häufig zu beobachtendes Verhaltensmuster gehen, das wir den "schleichenden Tod der Qualitätssicherung" nennen.

Typisch für dieses Muster ist folgender Ablauf: Maßnahmen, die zu Projektbeginn als essentiell erachtet werden, treten im Verlauf des Projekts immer mehr in den Hintergrund und verschwinden schließlich ganz aus der Betrachtung. Dieses Phänomen ist häufig in Zusammenhang mit der Qualitätssicherung zu beobachten, tritt aber auch im Zusammenhang mit anderen Maßnahmen auf. Beispielsweise beschließt man zu Projektbeginn, regelmäßige Projektmeetings durchzuführen, regelmäßige Statusreporte zu verfassen oder die Anforderungen, Testfälle und sonstige Dokumentation in einer bestimmten Form zu erstellen. Nach und nach fallen diese Maßnahmen aber immer mehr unter den Tisch.

Bild 1: Beim "schleichenden Tod der Qualitätssicherung" geraten als essentiell erachtete Pläne im Projektverlauf immer mehr in Vergessenheit.

Da die geplanten Maßnahmen nicht plötzlich in Vergessenheit geraten, sondern in kleinen Schritten, bekommen die Projektbeteiligten die Veränderungen kaum richtig mit. Zudem gewöhnen sie sich rasch an die neue Situation, da diese bequem ist und die sich dabei langsam aufweichende Ordnung dem menschlichen Hang zum Chaos entspricht. Umso wichtiger ist es, die Gründe für dieses Muster und geeignete Lösungsansätze zu kennen, um ihm entgegenwirken zu können.

Ein typischer Projektverlauf könnte wie folgt aussehen:

Phase 1: Der Projektbeginn

Als motivierter Projektleiter hat man aus den Fehlern vorhergehender Projekte gelernt, vielleicht auch einige Schulungen besucht und weiß, worauf es ankommt bzw. welche Methoden dem Projekterfolg zuträglich sind. Mit dieser Energie startet man in das Projekt. Die anderen Beteiligten sind größtenteils ebenso motiviert, und eifrig formuliert man die Ziele des

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