Es geht genauer! Aufwandsschätzung in Software-Entwicklungsprojekten

Wie werden Aufwände für Software-Entwicklungen in der Praxis geschätzt? Wie zuverlässig sind diese Schätzungen? Wie könnten sie genauer werden? Eine Befragung von erfahrenen Projektmanagern zum Thema Aufwandsschätzung lieferte erstaunliche Resultate: Unter anderem waren die Befragten mit den Schätzwerten zufrieden, obwohl die tatsächlichen Kosten beträchtlich davon abwichen. Dr. Dirk Basten stellt die Ergebnisse dieser Studie vor und analysiert, warum Schätzungen die Ist-Werte nur selten richtig prognostizieren. Er leitet daraus konkrete Handlungsempfehlungen ab, wie sich die Genauigkeit von Aufwandsschätzungen erheblich steigern lässt.

Die Prognose des Arbeitsaufwands, der für die Entwicklung einer Software benötigt wird, ist häufig mit einer hohen Unsicherheit behaftet. Überschreitungen des geplanten Projektbudgets und/oder des Zeitplans sind die weit verbreiteten Folgen. Obwohl viele Faktoren bekannt sind, welche die Genauigkeit von Aufwandsschätzungen unabhängig von der eingesetzten Methode verbessern können (Basten und Sunyaev, 2011), wird dieses Wissen offensichtlich in der Praxis nicht ausreichend effektiv genutzt.

Um die Gründe für dieses Defizit herauszufinden, befragte eine Arbeitsgruppe der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln (Basten und Mellis, 2011) insgesamt 52 Projektmanager zu ihren Methoden und Erfahrungen hinsichtlich der Aufwandsschätzung von Software-Entwicklungsprojekten. Abgefragt wurden dabei die Systematik der Schätzungen, die eingesetzten Schätzverfahren sowie der von den Experten wahrgenommene Erfolg dieser Schätzungen.

Die nun vorliegenden Ergebnisse der Anfang 2011 durchgeführten Befragung zeigen eine ambivalente Einstellung der Projektverantwortlichen gegenüber dem Thema Aufwandsschätzung. Einerseits wird sie häufig als unnötige und Aufwand verursachende Aktivität angesehen, so dass in hohem Maß Daumenregeln angewendet werden. Andererseits zeigt diese Untersuchung, dass den Experten die Bedeutung und die Notwendigkeit von genauen Aufwandsschätzungen bewusst sind, dieses Bewusstsein jedoch in den Unternehmen noch stärker verankert werden muss.

Umfrageteilnehmer: Experten mit breitem Erfahrungshintergrund

An der Befragung nahmen insgesamt 52 Projektmanager (48 Männer, 4 Frauen) teil. Die Teilnehmer verfügen über durchschnittlich 16 Jahre Erfahrung in der Software-Entwicklung (Bild 1) und waren im Durchschnitt an 50 Projekten beteiligt gewesen. Voraussetzung für die Teilnahme an der Umfrage war, dass sie über ein abgeschlossenes Projekt berichten konnten, bei dem sie selbst die Aufwandsschätzung durchgeführt hatten.

Bild 1: Verteilung der Teilnehmer entsprechend der Anzahl der Projekte, an denen sie mitgewirkt haben.

Die meisten Teilnehmer (69%) verfügen über einen technischen Hintergrund, während 31% sich als betriebswirtschaftlich ausgerichtet sehen. Mehrheitlich (73%) haben sie ein Diplom oder einen Doktorgrad in Informatik, Wirtschaftsinformatik oder einem verwandten Studiengang.

Die analysierten Projekte hatten hauptsächlich in den Branchen Informations- und Kommunikationstechnologie (50%), Logistik (12%) und Beratung (12%) stattgefunden. Die übrigen Projekte (26%) verteilen sich zu fast gleichen Anteilen auf eine Vielzahl weiterer Branchen. 58% der Projekte waren in einem externen Auftraggeber/Auftragnehmer-Verhältnis durchgeführt worden, alle anderen sind interne

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