Top oder Flop? Eine Bewertung historischer Großprojekte aus heutiger Sicht

Budgetüberschreitung und Terminverzug - das sind die Gemeinsamkeiten der bedeutenden Mega-Projekte der vergangenen 200 Jahre. Sowohl der Bau des Panama-Kanals als auch die Entwicklung der Concorde verschlangen ein Vielfaches des geplanten Budgets ohne dabei einen Nutzen zu generieren, der diesen finanziellen Aufwand rechtfertigen würde - zumindest hatte es lange Zeit diesen Anschein. Betrachtet man Mega-Projekte aus historischer Perspektive, müssen viele Negativ-Urteile revidiert werden. Wolfgang Stalder hat Daten zu bedeutenden Großprojekten gesammelt und zusammengestellt. In seinem Artikel analysiert er ihre Charakteristika und Gemeinsamkeiten und erläutert wichtige Einflussfaktoren. Nutzen und Wirtschaftlichkeit bewertet er aus historischer Sicht neu.

Erfolgreiche Generäle haben eingehend die Strategien und Verläufe historischer Schlachten studiert. Auch als Projektleiter oder Planungsverantwortlicher kann man viel von den "Großen aus der Geschichte" lernen. Mega-Projekte, wie die Entwicklung des Überschallflugzeugs Concorde oder der Bau des Panama-Kanals, stießen immer wieder nicht nur an ökonomische Grenzen, sondern auch an technische und politische. Im vorliegenden Artikel werden prominente Projekte der vergangenen zwei Jahrhunderte diskutiert und charakteristische Gemeinsamkeiten sowie Einflussfaktoren herausgestellt. Außerdem soll der Leser angehalten werden, Mega-Projekte nicht aus Ad-hoc-Meldungen der Sensationspresse zu bewerten, sondern sie aus historischer Sicht zu reflektieren. Die historische Perspektive eröffnet einen neuen Blickwinkel auf Mega-Projekte und erlaubt eine Neubewertung von Kosten- und Nutzenfragen.

Die Concorde: technisches Wunder oder finanzieller Reinfall?

Als im Oktober 2003 die Concorde aus dem Verkehr gezogen wurde, sendete das britische Fernsehen diverse Beiträge über die Projekthistorie. Hierbei offenbarte sich eine sehr ambivalente Haltung gegenüber dem Projekt: Einerseits wurde die Concorde als technisches Wunder gepriesen, andererseits verurteilte man die katastrophale Fehlplanung. Die Kritik war durchaus begründet: Die Entwicklung des Flugzeugs bis zu seiner Inbetriebnahme dauerte fast doppelt so lange wie vorgesehen und verschlang mehr als das Zehnfache des geplanten Budgets, die angestrebte Produktionszahl wurde hingegen bei Weitem nicht erreicht.

Planungsfehler wie bei der Concorde sind kein Einzelfall: Die meisten Großprojekte stehen im Spannungsverhältnis zwischen modernster Technologie und dem Risiko, dass durch Unzulänglichkeiten dieser Technologie das Projekt gefährdet wird. Die Folge ist, dass die Kosten des Projekts ansteigen. Oft wird dann das gesamte Projekt aus wirtschaftlicher und politischer Sicht in Frage gestellt. Die Concorde beispielsweise stand zweimal, 1964 und 1974, kurz vor dem Aus.

Noch etwas haben alle Großprojekte gemeinsam: Ihre Wirtschaftlichkeit lässt sich nur schwer ermitteln. Der langfristige Nutzen sich anbahnender Technologierevolutionen ist kaum vorhersehbar. Entweder werden Marktchancen verkannt oder - in Boomphasen - euphorisch überbewertet. Die langfristige Wirtschaftlichkeit von Großprojekten kann während der Planungsphase deshalb nur äußerst schwer bestimmt werden, die kurzfristige Wirtschaftlichkeit entzieht sich jeglicher Beurteilung. Eine Bewertung bedeutender Großprojekte ist deshalb häufig nur aus historischer Perspektive möglich, wenn sich langfristige Auswirkungen manifestiert haben. Ob die Concorde - außer als Katalysator zum europäischen Luftfahrtkonsortium Airbus - einen langfristigen Nutzen hat, wird man erst im Verlauf des 21. Jahrhunderts beurteilen können.

Historische Großprojekte im Überblick

Die Kontroverse um die Concorde habe ich zum Anlass genommen, um die Charakteristika von Mega-Projekten der vergangenen 200 Jahre zu analysieren. Dabei habe ich typische Risiken und Kostenfallen kategorisiert sowie Plan- und Ist-Vergleiche angestellt. Die Auswahl der Projekte erfolgte nach folgenden Kriterien:

  • Bekanntheitsgrad des Projekts.
  • Kostendimension (nach heutigen Preisen umgerechnet in Milliarden Euro).
  • Ausmaß und Grad der Herausforderung (Kombination aus frühreifer Technologie, vager finanzieller Rückendeckung und politischer Unsicherheit).
  • Verfügbarkeit relevanter Informationen und Daten.

Projekte, bei denen die Rentabilität kein Bestandteil des Projektziels war,

Anzeige
Jetzt kostenlos weiterlesen!
Abonnenten des Projekt Magazins wissen mehr!
Starten Sie jetzt unser 4-wöchiges Kennenlern-Angebot: Die Anmeldung dauert nur ein paar Minuten – Sie können also gleich weiterlesen.
  • KostenlosDas Kennenlern-Angebot kostet Sie nichts.
  • Kein RisikoSie können jederzeit kündigen, ohne dass Ihnen Kosten entstehen.
  • Einen Monat lang alles lesen4 Wochen Online-Zugriff auf alle Inhalte des Projekt Magazins.
Tech Link