Fit und agil in Privatleben und Job Was ich vom Sport über agiles Arbeiten gelernt habe

Was agiles Arbeiten und Sport verbindet

Auf den ersten Blick haben agile Methoden und die persönliche Fitness wenig gemein. Ein Trugschluss, sagt unser Autor Jan Neudecker, und erläutert, wie Sie die Impulse beider Kontexte zu Ihrem Vorteil nutzen können.

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Fit und agil in Privatleben und Job Was ich vom Sport über agiles Arbeiten gelernt habe

Was agiles Arbeiten und Sport verbindet

Auf den ersten Blick haben agile Methoden und die persönliche Fitness wenig gemein. Ein Trugschluss, sagt unser Autor Jan Neudecker, und erläutert, wie Sie die Impulse beider Kontexte zu Ihrem Vorteil nutzen können.

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Im beruflichen Kontext brenne ich als Agile Coach und Scrum Master seit vielen Jahren für agile Arbeitsweisen. Ich bin davon überzeugt, dass wir in einer sich immer schneller ändernden Welt Werkzeuge brauchen, die uns den Umgang mit Unsicherheit und dem Fehlen von vorhersehbaren kausalen Zusammenhängen besser handeln lassen.

Privat bin ich, seit ich denken kann, sportbegeistert – als Kind zweier Sportlehrer ist das auch wenig verwunderlich. Ich hatte das Glück, verschiedenste Sportarten ausüben zu dürfen, und bekam so eine solide Grundausbildung, die es mir erleichtert, weiterhin neue Dinge auszuprobieren.

Den Blick über den Tellerrand wagen

In beiden Kontexten kann es vorkommen, dass man mit Situationen konfrontiert wird, in denen man gefühlt nicht weiterkommt oder die Motivation nachlässt. Mir hat es dann oft geholfen, an Konstellationen im jeweils anderen Zusammenhang zu denken, die sehr ähnlich waren und in denen ich schon Mittel und Wege kannte, um weiterzukommen. Diese Impulse lassen sich erstaunlich oft auf den jeweilig anderen Kontext übertragen, um dort wieder mit frischer Energie voranzukommen.

In diesem Artikel erörtere ich einige konkrete Beispiele, die mir geholfen haben, sowohl im beruflichen als auch im sportlichen Rahmen weiterzukommen. Vielleicht ist da für dich schon etwas dabei, das für dich auch Sinn ergibt. Vielleicht hast du gänzlich andere Interessen und kannst mit Sport nicht viel anfangen. Ich lade dich dennoch ein, über Parallelen zwischen deinen eigenen Passionen und deinen beruflichen Herausforderungen nachzudenken. Vielleicht brauchst du etwas Zeit, diese Gedanken und Verbindungen in deinem Kopf reifen zu lassen. Doch du wirst feststellen, wie sehr dich dies motivieren kann. Du wirst neue Erkenntnisse über dich erlangen und erkennen, dass diese auch auf andere Kontexte übertragbar sind. Versprochen!

In Verantwortung kommen

In Zeiten, in denen ich sportlich in einem – gelinde gesagt – "nicht so guten" Zustand war, hatte ich einige beschränkende Glaubenssätze kultiviert, die mich davon abgehalten haben, meine Ziele zu erreichen: zu müde, zu wenig Zeit, das Alter – wer kennt es nicht? Irgendwann kam der Tag, an dem ich plötzlich sehr hart mit meinem damals schlechten körperlichen Zustand konfrontiert wurde: Ich war mit zwei Freunden Radfahren und habe diese nur noch von hinten gesehen. Sie mussten ständig auf mich warten, bis ich völlig außer Puste wieder aufgeschlossen hatte. Ich wollte etwas ändern. Ich musste etwas ändern! Aber wie?

Als Agile Coach begegnen mir ähnliche Situationen immer wieder bei Teams, die ich begleiten darf. Oft haben sich in ihnen Muster etabliert. Und Glaubenssätze, die Veränderung aktiv verhindern, sind auch schnell einstudiert. Dies kann auf individueller sowie auf Teamebene der Fall sein und dazu führen, dass das Team ebenfalls in einem "nicht so guten" Zustand ist: "Bei uns funktioniert das so nicht", "Wir sind da anders als XYZ", "Das haben wir schon immer so gemacht" sind solche Glaubenssätze, die sich in Teams hartnäckig halten können.

Mit dem Responsibility Process in Verantwortung kommen

Ich habe vor ein paar Jahren im agilen Umfeld ein Modell kennengelernt, das dabei helfen kann, sich aus solchen eingefahrenen Situationen zu lösen und wieder in Verantwortung zu kommen: den Responsibility Process von Christopher Avery (Bild 1). Sein Modell beschreibt zunächst einmal sieben mögliche mentale Handlungszustände, die verhindern, dass wir Verantwortung übernehmen für unser Leben, unsere Ziele, unsere Bedürfnisse. Mit "Verantwortung" (diese steht über allen Zuständen) beschreibt Avery den Zustand in unserem Leben, in dem wir die Fähigkeit und Kraft besitzen, etwas zu erschaffen, auszuwählen oder Dinge anzuziehen. Es geht darum zu verstehen, dass es an uns selbst liegt, unser Leben in die Hand zu nehmen. Die Frage ist, ob wir dazu bereit sind – vor allem wenn nicht alles im Lot ist.

Die sieben mentalen Zustände des Modells sind:

Die sieben Zustände im Responsibility Process von Christoph Avery. Über allem (und damit oberhalb der Linie) steht die Verantwortung.
Bild 1: Die sieben Zustände im Responsibility Process von Christoph Avery. Über allem (und damit oberhalb der Linie) steht die Verantwortung.

Diese mentalen Zustände, die Avery beschreibt, sind in uns allen vorhanden, und es ist vollkommen menschlich, diese zu durchlaufen. Manchmal stecken wir in einem Zustand fest, manchmal verweilen wir nur sehr kurz in einem Zustand. Das Ziel ist, sich in den Zustand der Verantwortung zu bewegen – einen Zustand, in dem wir voller Optionen und Kraft sind und Dinge aus eigenem Antrieb heraus tun. Dort fühlen wir uns kraftvoll und voller Optionen. Die anderen Zustände unterhalb der Linie können Etappen in Richtung Verantwortung sein.