Die Resilienz im Team erhöhen Wie bleibt mein Team auch in kritischen Situationen handlungsfähig?

Teil 2:
Die Resilienz kurz- und langfristig stärken

Ein resilientes Projektteam ist widerstandsfähig und schafft es, auch in kritischen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Dr. Miriam Sasse beleuchtet für Sie die Kraft der Resilienz. In diesem zweiten Teil ihrer Artikelserie lernen Sie kurz- und langfristige Maßnahmen kennen, mit denen Projektteams ihre Resilienz dauerhaft erhöhen können.

Management Summary

Die Resilienz im Team erhöhen Wie bleibt mein Team auch in kritischen Situationen handlungsfähig?

Teil 2:
Die Resilienz kurz- und langfristig stärken

Ein resilientes Projektteam ist widerstandsfähig und schafft es, auch in kritischen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Dr. Miriam Sasse beleuchtet für Sie die Kraft der Resilienz. In diesem zweiten Teil ihrer Artikelserie lernen Sie kurz- und langfristige Maßnahmen kennen, mit denen Projektteams ihre Resilienz dauerhaft erhöhen können.

Management Summary

"Du hast keine Chance, aber nutze sie!", sagten schon "Die Atlantikschwimmer" im gleichnamigen Film 1976. "Denn der Wandel wird nie wieder so langsam sein wie heute!", behaupteten 2015 der ehemalige Managing Director von Twitter, Thomas de Buhr, und 2016 der Deutschland-Chef von Google, Philipp Justus.

Ist das wirklich so? Diese Frage ist entscheidend, wenn wir uns darüber Gedanken machen, wie wir uns auf unsere zukünftige Arbeit im Projekt vorbereiten möchten, welche Haltung wir einnehmen können und wie wir handeln wollen. Wenn wir uns selbst als handlungsfähig wahrnehmen, können wir passende Maßnahmen auswählen und handeln. Das gilt für jeden Einzelnen und für das gesamte Team.

Um die Handlungs- und Widerstandsfähigkeit – auch Resilienz genannt – wahrzunehmen, bedarf es im ersten Schritt Kenntnis über deren Hintergründe und Faktoren. Der Resilienz-Test KANOSSA (im ersten Teil dieser Artikelserie beschrieben) hilft Ihnen bei der Reflexion Ihrer Resilienz im Team. In diesem zweiten Teil der Artikelserie stelle ich Ihnen verschiedene Maßnahmen und Ansätze vor, die zur kurz- und langfristigen Stärkung der Handlungsfähigkeit im Projektteam dienen. Auf diese Weise greifen Sie nicht nur reaktiv bei akuten Krisen ein, sondern bereiten präventiv die Strukturen, Denk- und Handlungsweisen für den Ernstfall vor. Dazu ist es notwendig, das gesamte Projekt und dessen Umfeld samt seinen Wechselwirkungen zu betrachten.

Warum ist Resilienz im Projektteam so wichtig – und wird dennoch oft vernachlässigt?

Vorab: Selbst ein sehr gutes Team, in dem alle Mitarbeiter gemeinsam die gleichen Ziele anstreben und sich gegenseitig vertrauen, kann in eine Projektkrise geraten. In Krisen wird sichtbar, ob das Team Konflikten aus dem Weg geht, die Übernahme von Verantwortung vermeidet oder Zusagen nicht eingehalten werden (siehe "5 Dysfunktionen eines Teams" nach Lencioni, 2014).

Diese Merkmale lassen jedoch nicht darauf schließen, ob und wie das Team gestärkt aus der Krise wieder heraustritt. Gerade wenn sich das Team an seine Grenzen und darüber hinauswagt, kann es wachsen. Gerade dann, wenn das Team mit dem unerwarteten, unsicheren, dynamischen Umfeld experimentiert, können die Mitglieder am meisten lernen – aber Sie würden auch keine Reise in ein fremdes Land antreten, ohne sich vorab über die Gegebenheiten im Land zu informieren, passende Kleidung einzupacken, sich impfen zu lassen, etc.

Wie bereiten wir unser Team auf die "fremden Länder" vor? Häufig greifen Unternehmen aus der Liste der Standard-Angebote etwas heraus wie "Change-Management-Trainings" oder "Teambuilding-Workshops" – wenn überhaupt etwas zur Vorbereitung des Teams durchgeführt wird. Denn Führungskräfte haben oft keine Zeit, um sich um ihre Mitarbeiter und deren Weiterentwicklung zu kümmern. In manchen Firmen häuft sich bereits das "Remote Leadership", bei dem sich Führungskraft und Mitarbeiter kaum noch regelmäßig persönlich treffen. Und als Projektleitung hat man nur fachliche Führungsverantwortung und somit oft keinen Auftrag zur Weiterentwicklung der Mitarbeiter. Manchmal haben Projektleiter und ihre Teams nicht einmal Zugriff auf die HR-Abteilung oder die Trainer und Coaches der Personalentwicklung.

Die Handlungsfähigkeit im Projekt gezielt stärken

Doch es gibt Entwarnung: Es ist nie zu spät, die Resilienz im Team und bei jedem einzelnen Mitarbeiter zu fördern. Allerdings scheint es bei den Faktoren der Resilienz genauso zu sein wie bei anderen psychologischen Faktoren: Werden sie nicht – wie Muskeln – regelmäßig trainiert und gepflegt, bauen sie sich nach einiger Zeit von alleine wieder ab.

Es geht nicht darum, voll-resiliente, gestählte Mitarbeiter und Teams durch aufgezwungene Interventionen zu "formen". Stattdessen sollten Sie die Mitarbeiter dazu einladen, freiwillig etwas für ihre psychische Gesundheit und Handlungsfähigkeit im Team zu tun, indem Sie ihnen einen Angebotskatalog vorstellen. Wichtig ist, dass Sie die Kollegen oder Mitarbeiter dazu einladen und ihnen die Maßnahmen nicht aufdrücken. Letzteres würde die Abwehrhaltung der Mitarbeiter stärken und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Veränderungen im Keim erstickt werden.

Welche Maßnahmen setze ich wann ein?

Bei den unzähligen Möglichkeiten zur Steigerung der Resilienz fällt es oft schwer, die passende auszuwählen. Mit dem in Teil 1 dargestellten Resilienztest wissen Team und Projektleiter, woran genau sie arbeiten sollten. Mithilfe einer Matrix haben Teams nun eine Möglichkeit, selbst auswählen zu können, WIE sie ihr Ziel erreichen.

Es gibt noch eine weitere Parallele zum Muskel-Training: Wenn das Team bereits "erkrankt" ist oder war, bieten sich nicht alle Resilienz-Trainingsmethoden an. Wenn sich das Team bereits in einer kritischen Situation oder Krise befindet und sich handlungsunfähig fühlt, kommt die frische Einführung einiger der Methoden häufig weniger gut an. Dann geht es darum, dass die Führungskräfte Sicherheit, Ruhe und Wertschätzung für das Team zeigen. Den aktuellen "Gesundheitszustand" können Sie mit verschiedenen Methoden ermitteln (siehe "Der Sanitäter im Projekt – handlungsfähig in der Krise"). Wenn ein frei zur Verfügung stehendes Angebot von einem Team nicht genutzt wird, kann auch das u.U. auf eine geringe intrinsische Motivation oder eine hohe Erschöpfung im Team hinweisen.

Kurz- und langfristige Resilienz-Verstärker

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Fortsetzungen des Fachartikels

Teil 1:
Die Resilienz des Teams bewerten mit dem KANOSSA-Test

Egal, wie gut man kommuniziert oder wie hoch das gegenseitige Vertrauen im Team ist – jedes noch so gute Team kann in eine Projektkrise oder zumindest in kritische Situationen geraten.

Alle Kommentare (1)

Volker
Schiffermüller
Endlich findet das Thema "Resilienz" auch im Bereich Projektmanagement seinen Platz