Führung außerhalb der Linie

Autorität – mehr als nur ein Schlagwort

Teil 1: Warum persönliche Autorität wichtig ist
Projektleiter haben im Gegensatz zum Linienvorgesetzten keine personellen Weisungsbefugnisse – dennoch müssen sie ihr Projektteam führen und Entscheidungsträger beeinflussen. Damit dies gelingt, sind sie in erheblichem Maß auf ihre persönliche Autorität angewiesen. Doch was ist Autorität überhaupt? Und wie kann der Projektleiter Autorität gewinnen bzw. vorhandene Autorität behalten? Im ersten Teil des zweiteiligen Beitrags erklärt Gero Lomnitz, was sich hinter dem Begriff Autorität verbirgt und warum persönliche Autorität für die Projektleitung wichtig ist.

Projektleitung bedeutet in der Matrixorganisation Führung außerhalb der Linie, denn Projektleiter haben im Gegensatz zum Linienvorgesetzten keine personellen Weisungsbefugnisse. Doch wie können Projektleiter Projektmitarbeiter führen und Entscheidungsträger beeinflussen, wenn ihnen Positionsmacht fehlt, die Linienmanager kraft ihres Amtes in der Unternehmenshierarchie innehaben? Die Antwort lautet: Sie sind in erheblichem Maße auf ihre persönliche Autorität angewiesen, die sie gewinnen müssen. Um Missverständnisse zu vermeiden: Auch Linienmanager brauchen selbstverständlich persönliche Autorität, um akzeptiert zu werden.

Doch was bedeutet Autorität überhaupt und was folgt daraus für Projektleiter? In der Praxis höre ich häufig Appelle wie: "Wir müssen die Autorität der Projektleiter stärken", oder Klagen wie: "Der Projektmanager zeigt zu wenig Autorität". Was ist damit gemeint? Damit "Autorität" nicht nur ein Schlagwort bleibt, müssen wir verstehen, was sich hinter diesem schillernden Begriff verbirgt. Manche verwenden die Ausdrücke Autorität und Macht, als seien sie austauschbar – und das sind sie gewiss nicht. Autorität ist nur eine besondere Form von Macht und wie wir noch sehen werden, die höchste Form der Machtausübung.

Mit dem Begriff Autorität sind unterschiedliche Bedeutungen verbunden: Gebräuchlich ist die Unterscheidung in Fachautorität, Rollenautorität und persönliche Autorität. Für die Projektleitung spielt letztere eine besondere Rolle. Ich möchte deshalb in meinem Beitrag vor allem darstellen, was unter persönlicher Autorität zu verstehen ist und was das Wesen von Autoritätsbeziehungen ausmacht. Vorweg gesagt, "Autorität ist nicht etwas, was man hat, sondern was man erhält" (Popitz; 1992; S. 121). Dies gilt es zu verstehen.

In Teil 2 gehe ich genauer auf die Frage ein, wie der Projektleiter Autorität gewinnen kann und wie er sich verhalten kann, wenn seine Autorität in Frage gestellt wird. Bekanntermaßen können Projektmitarbeiter oder Entscheidungsträger die Autorität der Projektleitung erheblich in Frage stellen. Gerade in diesen Fällen zeigt sich wahre Autorität. Sie finden auch einige Gedanken zum Thema, wie sich interne Projektleiter verhalten können, um zu verhindern, dass ihre Autorität durch externe Berater ins Wanken gerät.

Das Thema wäre aus meiner Sicht unvollständig behandelt, ohne abschließend der Frage nachzugehen, wie wir uns von einer Autoritätsperson wieder lösen können. Denn um uns persönlich weiterzuentwickeln, müssen wir bereit und in der Lage sein, eine Autoritätsbeziehung in Frage zu stellen und sich aus ihr zu lösen.

Sieben kurze Fragen – sieben kurze Antworten

Zum Einstieg, sozusagen zum "Hineinschnuppern", finden Sie in Tabelle 1 einige Fragen und Antworten zum Thema Autorität.

Tabelle 1: Sieben Fragen und Antworten zum Thema Autorität.
Frage Antwort

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Ist Autorität etwas Gutes? So pauschal kann man das nicht sagen. Wir sollten
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