Verzögerungen durch den Auftraggeber bei Bauprojekten

Claim für Allgemeine Geschäftskosten geltend machen

Projektorientierte Unternehmen, wie z.B. aus dem Baugewerbe, müssen ihre Allgemeinen Geschäftskosten (AGK) vollständig über Projekterträge decken. Projektverzögerungen können deshalb zur Unterdeckung der AGK führen. Verursacht der Auftraggeber diese Verzögerung, lehnt er Nachforderungen der AGK des Auftragnehmers in der Regel ab, da sie seiner Meinung nach nicht durch das Projekt bedingt sind. Der Auftragnehmer kann mit einer stringenten Argumentation jedoch eine schlüssige Begründung dafür liefern, dass der Auftraggeber die Deckungslücke der AGK verursacht hat. Dr. Peter Wotschke zeigt anhand einfacher Beispiele die Problematik auf, gibt Hinweise für die Erstellung und Kalkulation der AGK und liefert eine Argumentationshilfe für den Auftragnehmer, der die AGK über eine Nachforderung beim Auftraggeber geltend machen will.

Projektorientierte Unternehmen müssen ihre Allgemeinen Geschäftskosten (AGK) vollständig über die Projekterträge decken. Allerdings können AGK in der Projektkalkulation nur pauschal berücksichtigt werden, da sie nicht als Projektgemeinkosten behandelt werden können. Projektverzögerungen können deshalb zur Unterdeckung der AGK führen. Verursacht der Auftraggeber diese Verzögerung, lehnt er Nachforderungen der AGK des Auftragnehmers in der Regel ab, da sie seiner Meinung nach nicht projektbedingt sind. Der Auftragnehmer kann mit einer stringenten Argumentation jedoch eine schlüssige Begründung dafür liefern, dass der Auftraggeber die Deckungslücke der Allgemeinen Geschäftskosten verursacht hat. Eine so begründete Nachforderung hat gute Aussichten auf Erfolg, auch dann, wenn es zu einer gerichtlichen Klärung kommt.

Die Diskussion über unterdeckte AGK weist vielfältige Aspekte auf, die für jedes Projekt im konkreten Einzelfall immer wieder neu untersucht werden müssen. Dieser Beitrag zeigt anhand einfacher Beispiele die Problematik auf und liefert eine Argumentationshilfe für den Auftragnehmer, der AGK über eine Nachforderung beim Auftraggeber geltend machen will.

Das Projekt startet nicht - die AGK laufen weiter

Ein realitätsnahes Beispiel

Die Hausbau GmbH wird von der Handelswelt AG mit der schlüsselfertigen Errichtung eines Verwaltungsgebäudes beauftragt. Die Planung des Projekts ist abgeschlossen - doch die Handelswelt AG verzögert den Baubeginn, weil ihre Bank die Finanzierungszusagen nicht realisieren will. Die Handelswelt AG informiert die Hausbau GmbH mehrfach im Abstand von wenigen Wochen über diesen Sachverhalt und bedauert, den Baubeginn immer wieder verschieben zu müssen.

Als es endlich losgeht, fordert die Hausbau GmbH von der Handelswelt AG die Erstattung von Allgemeinen Geschäftskosten (v.a. Mieten und Personalkosten), die bei ihr während der Wartezeit angefallen sind, aufgrund des fehlenden Umsatzes aber nicht erwirtschaftet werden konnten. Die Handelswelt AG argumentiert dagegen, die Verschiebung sei nicht von ihr verschuldet. Außerdem hätte für die Hausbau GmbH kein Nachteil aus der Verschiebung entstehen müssen, da diese offen kommuniziert wurde und die Hausbau GmbH sich daher um Ersatzaufträge hätte bemühen können.

Die Beteiligten dieses Beispiels sind zwar fiktiv, doch die beschriebene Situation und der daraus entstehende Streit ist in vielen Projekten Realität.

Experten diskutieren in der Fachliteratur seit Langem, wie Auftragnehmer die Höhe projektunabhängiger Gemeinkosten ermitteln können, wenn diese aufgrund einer verlängerten Projektlaufzeit nicht mehr gedeckt werden. Vor diesem Hintergrund überrascht es, dass bis in die Gegenwart mit Projektbeteiligten (v.a. Auftraggebern) darüber gestritten werden muss, ob es überhaupt zu einer Unterdeckung von

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