Das Selbstbild des Projektleiters

Der richtige Umgang mit Verantwortung

Welche Verantwortung hat ein Projektleiter, welche nicht? Das Selbstbildnis eines Projektleiters ist häufig davon geprägt, dass er sich pauschal für alles verantwortlich fühlt, was in seinem Projekt geschieht. Diese Sichtweise sollte nach Meinung von Dirk Heche gründlich überarbeitet werden. Der Autor zeigt an einem praktischen Beispiel, dass Projektmanagement vor allem als Verantwortungsmanagement verstanden werden kann, bei dem es darum geht, die eigenen Grenzen und die anderer zu erkennen, die Konsequenzen daraus zu ziehen und sie im täglichen Projektgeschäft zu leben.

Karl ist Projektleiter. Die Konfiguration einer Reporting-Schnittstelle wird an einen Entwickler der EDV-Abteilung seiner Firma gegeben, der diese Schnittstelle den Wünschen des Kunden entsprechend anpassen soll.

Der Termin der Fertigstellung rückt näher, und bereits zwei Mal hat Karl nachgefragt und stets die gleiche Antwort erhalten: Ja, die Schnittstelle werde rechtzeitig fertig gestellt. Drei Tage vor dem Bereitstellungstermin der Reporting-Schnittstelle erhält Karl jedoch die Nachricht, dass es Probleme mit der Firewall und dem Web-Server gebe. Man sei noch dabei, das Problem zu analysieren, ein Lösungstermin könne frühestens in zwei Tagen genannt werden, die Konfiguration der Reporting-Schnittstelle ließe sich vorher nicht abschließen.

Karl eskaliert die Verschiebung an den Kunden und seinen eigenen Vorgesetzten, woraufhin er sich mit zwei Vorwürfen konfrontiert sieht. Zum einen hätte er früher wissen sollen, dass der Termin nicht gehalten werde, zum anderen wird nicht akzeptiert, dass er zum momentanen Zeitpunkt keinen Lösungstermin für das Problem nennen kann. Der generelle Vorwurf von Kunde und Vorgesetztem lautet erwartungsgemäß: "Aber Sie sind doch der Projektleiter".’

Karl ist im Zweifel. Hat er korrekt gehandelt? Was wird von ihm erwartet, welche Erwartungen kann und darf er erfüllen?

Der Projektleiter als Instanz mit pauschaler Verantwortung?

Das Selbstbild des Projektleiters ist in der Regel eine Reflektion des Bildes, das andere davon haben. Somit wird der Projektleiter zu einer Instanz, die ganz pauschal für alles verantwortlich gemacht wird, was mit dem Projekt im engeren und weiteren Sinne zu tun hat. Und ebenso pauschal wird ihm auch die gesamte Verantwortung für alles zugesprochen, was in dem Projekt geschah, geschieht und noch geschehen wird. Er wird damit in vollem Umfang verantwortlich für die Erbringung der Leistung, die Einhaltung der Termine, die Qualität der Ergebnisse, das Budget, die Ressourcen und die vielen kleinen und größeren sonstigen Baustellen.

Aber eine solche Sichtweise macht das Arbeitsumfeld des Projektleiters nicht nur schwierig sondern unmöglich. Denn man kann keine Verantwortung übernehmen, wenn man auf den Erfolg oder Misserfolg des verantworteten Gegenstands nicht wesentlichen Einfluss ausüben kann.

Kaum ein Projektleiter wird nun aber von sich behaupten wollen, dass er zum Beispiel mehr Einfluss auf die

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