Jetzt erst recht ... - Krisenzeiten erkennen und bewältigen

Motivation und Engagement sind der Treibstoff für erfolgreiche Projekte. Kein Problem, solange alles glatt läuft. Doch was ist, wenn Anzeichen einer Krise an der guten Stimmung kratzen? Ute Kuhlmann zeigt, wie Sie in einer solchen Situation Fehler vermeiden und eine Krise wieder in den Griff bekommen, unter welchen Umständen sich eine externe Beratung lohnt und was Sie tun können, um einen klaren Kopf zu behalten, auch wenn es brenzlig wird.

Die Menschen werden nicht durch Dinge beunruhigt,
sondern durch die Ansichten, die sie darüber haben.
Epiktet, Philosoph

Motivation und Engagement sind der Treibstoff für erfolgreiche Projekte. Kein Problem, solange alles glatt läuft. Doch was ist, wenn Anzeichen einer Krise an der guten Stimmung kratzen? Rückschläge und Misserfolge sind dazu da, dass man sie meistert. Wer sich in schweren Zeiten bewährt, liefert den besten Beweis für seine Fähigkeiten.

Projektkrisen haben viele Gesichter und doch haben sie eines gemeinsam: Ihr Samen wird meist schon früh gesät. So betten Unternehmen ihre Projekte stiefmütterlich ein und versagen ihnen die notwendige Unterstützung durch das Management. Oder man bezieht die Beteiligten nicht ein und scheitert später an mangelnder Akzeptanz. Ein weiteres Beispiel: Projektauftraggeber stecken Ziele zu hoch oder besetzen Projektstellen mit Mitarbeitern, die den Anforderungen nicht gewachsen sind. Doch nicht immer liegt der Projektverlauf in den eigenen Händen. Insolvenzen, Unfälle, Streiks oder gesetzliche Änderungen sind leider allzu oft an der Tagesordnung.

Anzeichen einer Projektkrise

Man stelle sich vor: Ein Konsortium wird beauftragt ein thermisches Kraftwerk in der Türkei zu bauen. Während der Bauarbeiten fällt ein lokaler Konsorte der Baufirma aus. Es ist unklar, ob die übrigen Teilnehmer die geplanten Leistungen überhaupt erbringen können. Das gesamte Projekt ist gefährdet. Da geht sowohl dem Projektleiter als auch seinem Team schon mal die Puste aus ...

Dabei sind die äußeren Umstände nur ein Teil der Krise. Die Art und Weise, wie auf diese Umstände reagiert wird, macht den anderen Teil aus. Hier ist der Projektleiter gefordert: Erkennt er das Problem? Übernimmt er verantwortliche Schritte? Handelt er der Situation angemessen? Ein häufiger Fehler von Projektleitern besteht darin, die Anzeichen einer Krise zu ignorieren - und sie damit zu verschlimmern. Sie versuchen, Buschfeuer selbst zu löschen anstatt die Feuerwehr zu rufen. Das heißt, sie verwickeln sich selbst in Lösungen von Detailproblemen und verlieren den Überblick. Damit weichen sie wichtigen Entscheidungen aus. Das Team reagiert nicht selten mit zeit- und nervenaufreibenden Grundsatzdebatten. Auch dem Kunden bleibt diese Entwicklung nicht verborgen. Er wird unruhig und beginnt, am Projekterfolg zu zweifeln.

Das Problem der Abwehr

So vergeht die Zeit und die Handlungsoptionen schwinden zusehends. Bernhard Weidinger, Geschäftsführer der next level consulting Wien, kennt solche Situationen: "Das Schlimme ist, dass der Projektleiter selbst oft die größten Hemmungen hat, eine Projektkrise einzugestehen. Er hat sich so stark mit dem Projekt identifiziert, dass er eine Krise mit einem

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