Organisationsentwicklung einmal anders

Mit der Basler Fasnacht aus der Vertrauenskrise

Reorganisationen verunsichern Betroffene und rufen Widerstände hervor. Einen ungewöhnlichen Weg, um diese mit Witz und Humor aufzulösen und dadurch Betroffene zu Mitwirkenden zu machen, beschreibt Adrian Etter anhand eines Fallbeispiels bei einer Organisationseinheit der Schweizerischen Bundesbahnen. Während eines technologiegetriebenen Transformationsprozesses galt es, die Vertrauenskrise der Mitarbeitenden gegenüber dem Leitungsteam zu überwinden. Mit Hilfe einer "Karnevalistischen Intervention" gelang es ihm, die Blockaden zu lösen.

Die Infrastrukturen von Bahngesellschaften befinden sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess von der elektro-mechanischen in die digitale Bahninfrastruktur eines hochmodernen schienengebundenen Transportsystems. Die damit verbundenen Reorganisationen sind anspruchsvolle Organisationsentwicklungen, die auf Seiten der Belegschaft Zweifel, Unsicherheiten und Widerstände hervorrufen können. In diesem Artikel wird eine Krisenintervention während einer Reorganisation der Infrastruktur der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) beschrieben. Ziel dieser erfolgreichen Intervention war es, die Akzeptanz und die aktive Unterstützung der Mitarbeitenden für diesen Veränderungsprozess zu gewinnen.

Die Intervention selbst war von der bekannten Basler Fasnacht inspiriert. Sie erlaubte eine Inszenierung, durch die Charisma und Führungsstärke in der Veränderung erlebbar gemacht wurden, so dass Kraft und Zuversicht für die Zukunft entstehen konnten.

Die SBB auf dem Weg zur digital gesteuerten Infrastruktur

Zum Zeitpunkt des hier beschriebenen Falls (2005) befand sich die Infrastruktur der Schweizerischen Bundesbahnen (rund 10.000 Mitarbeitende) in einer konzeptionellen Neuorganisation. Sie wurde von einer Arbeitsorganisation mit prozessorientierter Führung (Prozessorganisation) in eine Organisation mit fachorientierter Führung (funktionale Organisation) umgestaltet. Die starke Gewichtung der Fachführung sollte unter anderem die Implementierung von neuen digitalen Technologien erleichtern und die Schnittstelle zu der Zulieferindustrie vereinfachen.

Von dieser Reorganisation war auch eine Geschäftseinheit betroffen, die verantwortlich für die sicherheitsorientierte Prüfung der Sicherungsanlagen, der Bahnanlagen, der Fahrleitungsspeisung, der Niederspannung und der Kunstbauten (z.B. Tunnel, Brücken) zeichnete. Mit ihren ca. 200 Ingenieuren und Technikern war diese Organisationseinheit zudem für die Betreuung des Messwagenparks und für die Pflege der Bahndämme zuständig. Aufgrund ihres Verantwortungsbereichs besaß sie eine Flächenstruktur, was in der Schweiz Multikulturalität und Dreisprachigkeit bedeutet.

Diese Organisationseinheit sollte mit all ihren Aufgaben, Verantwortungen und Kompetenzen als Ganzes in die neue, funktional organisierte Arbeitsumgebung überführt werden. Um diesen anspruchsvollen Prozess zu begleiten, zog der Geschäftsführer dieser Organisationseinheit mich als Mitglied des konzerneigenen Beraterteams hinzu.

Verunsicherung und Existenzängste bei den Mitarbeitenden

Im Vorbereitungsgespräch erzählte mir der Geschäftsführer dieser Organisationseinheit, dass er bei seinen Mitarbeitenden große Verunsicherung bezüglich Zukunftschancen spürte und dass sie Zweifel an der Existenzberechtigung ihrer Geschäftseinheit hegten. Die Führungskräfte aller Ebenen standen vor der Herausforderung, mehr Verantwortung übernehmen

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