Software-Kanban – eine Einführung

Um konkurrenzfähig zu bleiben, ist eine stetige Optimierung der Arbeitsprozesse notwendig. In der Software-Entwicklung gibt es dafür mit Software-Kanban eine einfache Methode, um den bestehenden Arbeitsprozess für das Team transparent darzustellen und so Verbesserungsansätze aufzuspüren. Arne Roock stellt in diesem Beitrag Software-Kanban sowie dessen Prinzipien vor und zeigt an einem konkreten Beispiel, wie sich die Methode einsetzen lässt. Der Grundgedanke von Software-Kanban kann aber auch auf andere Bereiche übertragen werden.

Viele von uns waren schon an groß angekündigten Änderungsvorhaben beteiligt – und haben auch erlebt, wie diese gescheitert sind. Große, revolutionäre Veränderungen zum Erfolg zu führen, ist schwierig und scheitert oft an der mangelnden Akzeptanz der Betroffenen. In der Software-Entwicklung und -Wartung bietet "Software-Kanban" für Change-Projekte einen interessanten Ansatz: Denn hier wird der Ist-Zustand des Arbeitsprozesses als Ausgangspunkt betrachtet und darauf aufbauend Änderungen in kleinen Schritten vorgenommen. Dabei werden einige Elemente aus dem Lean Thinking mit Ideen der Engpasstheorie und der flussbasierten Produktentwicklung kombiniert.

Dieser Artikel stellt das Prinzip "Software-Kanban" anhand eines Beispiels vor und diskutiert dessen Stärken und Schwächen. Der Beitrag richtet sich vornehmlich an Führungskräfte und Projektmanager aus der IT-Branche; der Grundgedanke, der dahinter steckt, lässt sich aber auch auf andere Industriezweige anwenden.

Herr Paulsen probiert was aus...

Herr Paulsen ist Entwicklungsleiter eines renommierten Software-Hauses, das eine Warenwirtschaftssoftware für mittelständische Unternehmen entwickelt. Obwohl die Zahlen noch recht gut aussehen, bahnen sich immer mehr Probleme an: Die Konkurrenz hat gerade eine neue Version ihres Produkts mit einigen wirklich innovativen Features auf den Markt gebracht, wodurch ein deutlicher Verlust an Kunden droht. Gleichzeitig war das letzte eigene Release kein großer Erfolg, denn es enthielt eine Menge Fehler, so dass jetzt die Support-Hotlines heiß laufen und die Entwicklungsteams überwiegend mit Wartungsarbeiten beschäftigt sind. Es muss sich also etwas ändern. Aber was?

Die nächstliegende Lösung bestünde wohl darin, mehr Entwickler einzustellen. Das hatte Herr Paulsen jedoch schon vor einem Jahr getan und erstaunlicherweise hatte sich dadurch kaum etwas verbessert. Außerdem würde sein Chef Neueinstellungen kaum zustimmen. Vielleicht sollte er eine groß angelegte Qualitätsoffensive starten, mit motivierenden Postern an den Wänden? Er könnte auch die aktuell verwendeten Tools und Frameworks prüfen, ob diese überhaupt noch zeitgemäß sind? Doch bei all diesen Überlegungen beschleicht ihn das ungute Gefühl, damit auch nicht die gewünschten Veränderungen herbeizuführen – zu oft schon sind ähnliche Aktionen ohne Erfolg geblieben.

Da fällt ihm ein, dass er vor einiger Zeit von Software-Kanban gelesen hat, einem Ansatz, mit dem sich kontinuierlich Verbesserungen in kleinen Schritten verwirklichen lassen. Er informiert sich mehr über Software-Kanban und beschließt, dieses Prinzip in seiner Abteilung auszuprobieren.

Was ist Kanban?

Kanban in der Fertigung

Ursprünglich stammt Kanban aus der Fertigung und stellt neben "Jidoka" (intelligente Automatisierung des Produktionsprozesses) eine der beiden Säulen des Toyota Production Systems dar. Bei Kanban geht es darum, Lagerbestände zu reduzieren und zu gewährleisten, dass Zwischenerzeugnisse sich stets in der richtigen Anzahl zur richtigen Zeit am richtigen Ort

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