Verhandeln und Arbeiten in der Türkei – die wichtigsten Verhaltensregeln

Um in der Türkei geschäftlich erfolgreich zu sein, sollten Sie ein Feingefühl für die kulturelle Vielfalt und das Selbstverständnis Ihrer türkischen Geschäftspartner, Mitarbeiter oder Kollegen entwickeln. Dr. Brigitte Moser-Weithmann gibt Tipps, wie Sie gegenüber den Angehörigen der verschiedenen Teilkulturen am besten auftreten und kommunizieren. Sie erfahren auch, was Sie bei der Vorbereitung von Geschäftsreisen und -verhandlungen berücksichtigen sollten und wie Sie im Arbeitsalltag mit Mitarbeitern und Kollegen achtsam umgehen.

Wer die Türkei aus den 70er Jahren kennt, wird über ihr stark verändertes Erscheinungsbild erstaunt sein. Das Land hat einen beachtlichen Wandlungs- und Modernisierungsprozess durchlaufen und verzeichnet einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. In den Großstädten werden ganze Stadtviertel im eleganten Baustil aus dem Boden gestampft. Auf den Straßen fließt ein unablässiger Verkehrsstrom, der von 5 Uhr früh bis 2 Uhr nachts nicht abreißt.

Die Bevölkerung hat sich seit dieser Zeit fast verdoppelt und die Städte "platzen aus allen Nähten". Allein Istanbul hat sich zur Megapolis entwickelt und ist mittlerweile die größte Metropole Europas. Wohnten dort noch Mitte der 70er Jahre nur rund zwei Millionen Einwohner, so leben hier heute offiziell über 13 Millionen, inoffiziell mehr als 15 Millionen. Um von einem Stadtende zum anderen zu gelangen, fährt man bis zu 150 km. Ähnlich verhält es sich mit der Hauptstadt Ankara und anderen türkischen Großstädten, wie Izmir, Bursa, Antalya und Kayseri.

Die türkische Gesellschaft setzt sich aus Menschen mit sehr unterschiedlichem Bildungshintergrund zusammen, die auch über ein unterschiedliches kulturelles Selbstverständnis verfügen. Entsprechend verschieden handeln sie auch im Kontakt mit deutschen Geschäftspartnern, Vorgesetzten und Kollegen. In Europa oder in den USA ausgebildete und an der westlichen Lebensweise orientierte Türken begegnen Ihnen anders als jene, die aus traditionellen, ländlichen Gebieten der Türkei stammen und bisher das Land nie verlassen haben.

Darum sollten Sie bereits beim Anbahnen einer Geschäftsbeziehung zu einem türkischen Geschäftspartner und auch in der Zusammenarbeit mit Mitarbeitern und Kollegen möglichst frühzeitig herausfinden, mit wem Sie es zu tun haben. Dies erleichtert es Ihnen, sich auf Ihren Gegenüber einzustellen, und trägt zum Erfolg der Zusammenarbeit bei.

Der Nationalstolz verbindet alle Türken über soziale Schranken hinweg. Krasse Unterschiede zwischen Arm und Reich werden als Schicksal und gottgegeben angesehen und nahezu kritiklos akzeptiert wie auch viele andere Widrigkeiten des alltäglichen Lebens. Was man nicht ändern kann, nimmt man klaglos hin. Dies ist wohl ein islamisches Erbe.

Der Islam hat auf das öffentliche Leben keinen unmittelbaren Einfluss. Glaubensfragen beschränken sich bei westlich orientierten Türken auf das Privatleben. Es gibt aber in der Türkei eine wachsende Anzahl islamisch ausgerichteter Unternehmen, die sich selbst anatolisch nennen und eine eigene Wirtschaft innerhalb der Volkswirtschaft geschaffen haben. Dazu gehören Finanzgesellschaften, Fabriken,

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