Studie: Project Management Waste Index - PMWI Das Ausmaß von Verschwendung in Projekten messen und minimieren
Das Ausmaß von Verschwendung lässt sich mithilfe des Project Management Waste Index messen. Der PMWI misst das Ausmaß anhand von sieben Verschwendungsarten und zeigt damit Stellschrauben auf, um das jeweilige Projekt zu optimieren.
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Studie: Project Management Waste Index - PMWI Das Ausmaß von Verschwendung in Projekten messen und minimieren
Das Ausmaß von Verschwendung lässt sich mithilfe des Project Management Waste Index messen. Der PMWI misst das Ausmaß anhand von sieben Verschwendungsarten und zeigt damit Stellschrauben auf, um das jeweilige Projekt zu optimieren.
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Weiterhin bleiben viele Projekte in Sachen Effizienz und Effektivität hinter den Erwartungen zurück. Ein möglicher Grund hierfür ist Verschwendung. Das Ausmaß der Verschwendung ließ sich bisher allerdings im Tagesgeschäft schwer greifbar machen. Das war für uns Grund genug, die Aufgabe anzugehen, ganz unabhängig von Diskussionen zu Vorgehensmodellen und Methoden, im Projektmanagement Verschwendung messbar zu machen.
Den Schwerpunkt dieses Artikels stellt unsere Studie dar, in der wir die grundsätzlichen Verschwendungsarten in Projekten bzw. die Faktoren, die einem wertschöpfenden Arbeitsalltag entgegenstehen, zu Tage fördern und sie messbar machen.
Die Basis der Untersuchung sind Angaben von mehr als 200 Projektverantwortlichen oder -beteiligten aus unterschiedlichen Branchen im deutschsprachigen Raum im Zeitraum April bis Mai 2021.
Darauf aufbauend stellen wir Ihnen Ansätze vor, mit denen Sie Verschwendung in Ihren Projekten minimieren und den Lean-Gedanken umsetzen können.
Der Begriff von Verschwendung in Projekten
Studien zur Erfolgs- und Misserfolgsquote von Projekten gibt es mehr als ausreichend, z.B. der berühmte CHAOS Report der Standish Group oder die Pulse of the Profession-Reihe des PMI. Der Erfolgsindikator, der für die meisten Studien herangezogen wird, ist die Plantreue des Projekts. Darunter ist die Differenz zwischen geplanten und erreichten Meilensteinterminen, Budgets und Qualitätsanforderungen zu verstehen. Misserfolge sind jedoch nicht gleichbedeutend mit Verschwendung in Projekten. Denn Verschwendung wird in Projekten meist eingeplant.
Unter Verschwendung in Projekten verstehen wir – in der Tradition des Lean Thinking (vgl. Ohno 1989; Womack und Jones 2003) − alle Aktivitäten, die keinen Wert oder Nutzen für Projektkund:innen (primär Nutzer:innen und Auftraggeber der Projektergebnisse) stiften. Es existieren sieben verschiedene Arten von Verschwendung in Projekten (siehe Bild 1).
- Warten: Das Warten auf Entscheidungen „von oben“, auf Zulieferungen anderer organisatorischer Schnittstellen und/oder auf Informationen zur Weiterarbeit von allen möglichen Quellen stellt einen ersten klaren Indikator für Verschwendung dar.
- Überbearbeitung: Was in Projekten „zu viel“ und daher „überflüssig“ ist, wird meist erst am Ende erkannt. Überbearbeitung kann sich auf unnötige Anforderungen von intern oder extern, auf die berüchtigte Goldrandlösung innerhalb des Projekts (Werden wirklich alle Funktionalitäten der angestrebten Lösung im Alltag benötigt?) beziehen. Darüber hinaus kann eine Überbearbeitung auch durch zu viel Information und Kommunikation auftreten, z.B. in Form von unklaren Anforderungen.
- Fehler: Im Gegensatz zu standardisierten Produktionsprozessen ist in Projekten (allgemein definiert als einmalig und zeitlich befristetet) zunächst nicht immer eindeutig, was überhaupt einen Fehler darstellt. Es kann auch vorkommen, dass man auf Basis fehlerhafter Informationen über Kunden oder Prozesse arbeitet, die am Ende aufwändige Nacharbeiten erforderlich machen.
- Fehlallokation: Ein vieldiskutiertes Thema im Projektmanagement sind mangelnde Kapazitäten. Dies kann sich quantitativ auf mangelnde personelle, finanzielle oder physische Ressourcen und/oder qualitativ auf Kompetenzen (im Sinne von Motiven, Einstellungen und Fähigkeiten) beziehen. In beiden Fällen besteht die Verschwendung darin, dass Arbeitspakete nicht, oberflächlich, fehlerhaft oder zu langdauernd bearbeitet werden, z.B. weil Multitasking keine konzentrierte Arbeit ermöglicht.
- Fehlweisung: Fehlweisung kann einerseits darin bestehen, dass unnötige oder unsinnige Projekte (sog. Dürre-, Alibi-, Prestige- oder U-Boot-Projekte) gestartet werden, wie dies beispielsweise die Studie von Gröger (2004) eindrucksvoll gezeigt hat. Eine weitere Variante stellen unklare Prioritäten in Projekten dar, die darin zum Ausdruck kommen, dass jeder etwas Anderes für relevant erachtet und dies entweder langatmig ausdiskutiert wird oder einfach „jeder seinen Stiefel durchzieht“ ohne Absprachen zu machen (Qazi et al 2020). Eine dritte Form der Fehlweisung betrifft unklare Verantwortlichkeiten in Projektkontexten, die zu zahlreichen ergebnislosen Zuständigkeitsverschiebungen, Diskussionen und „not in my backyard“-Verhaltensweisen führen.
- Unnötige Bewegung: Unnötige Bewegungen beziehen sich im Projektmanagement zunächst auf unnötige Reisen und Wegzeiten für persönliche Begegnungen, deren Nutzen und Mehrwert im Vergleich zu virtueller Zusammenarbeit insgesamt unterschiedlich bewertet wird. Eine ganz andere Form von Bewegung sind überflüssige Änderungen in den Projektergebnissen, -prozessen oder der -organisation, etwa aufgrund individueller Präferenzen neu eingesetzter Linienmanager:innen. Bei diesen ist häufig „Organisitis“ zu beobachten, d.h. willkürliche Änderungen, um sich zu Anfang abzugrenzen von der:m Vorgänger:in. Drittens zählen zu dem Phänomen auch Multitasking und Task Switching, ein relativ gut untersuchtes Phänomen, das – abhängig von einigen Variablen − für bis zu 30% Produktivitätsverluste verantwortlich gemacht werden kann (siehe dazu "So steigern Sie Ihre Leistungsfähigkeit").
- Unterbearbeitung: Unter dieser Verschwendungsart kann zunächst schlicht die zu oberflächliche Abarbeitung von Aufgaben zusammengefasst werden, in der einfache Aufträge wortgetreu abgearbeitet werden, ohne die Voraussetzungen und Konsequenzen ausreichend mit zu bedenken – z.B. die unzureichende Dokumentation von Plänen und Ergebnissen. Dies stellt insbesondere in agilen Kontexten ein viel diskutiertes Thema dar. Ein dritter Fall von Unterbearbeitung ist in unzureichender mündlicher und/oder schriftlicher Kommunikation zu sehen, wenn beispielsweise Zulieferungen aufgrund unklar formulierter Anforderungen nicht den Erwartungen des Empfängers entsprechen. Dies bringt Nacharbeit und Verzögerungen mit sich.
Die Messung von Verschwendung in Projekten
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Interessante Studie bzw…
09.02.2022
Interessante Studie bzw. Artikel. Es ergeben sich jedoch 1-2 Fragen für die praktische Anwendung, wenn man den PMWI für ein Projekt erstellen wollen würde:
1. An wen adressiere ich die Fragen, um die Verschwendung zu ermitteln? Den Projektleiter? Dem ganzen Team? Ich würde erwarten, dass sich die Arten der Verschwendung durchaus unterscheiden könnten, je nachdem, welche Rolle befragt wird.
2. Zu welchem Zeitpunkt innerhalb eines Projektes ergibt die Erfassung am meisten Sinn? Zum Ende, um Leasson Learned mitzunehmen oder fortlaufend ab Zeitpunkt X, um bereits während des Projektes eingreifen zu können?
Übrigens ist der Link im Fazit falsch gesetzt und sollte angepasst werden.
Interessante Studie bzw... Antwort
09.02.2022
Sehr geehrter Herr Kirchgeorg,
vielen Dank für Ihre Anmerkungen! Ich habe den Link im Fazit bereits angepasst und habe die Frage an die Autoren weitergeleitet.
Mit besten Grüßen
Sandra Gedig
Versuch einer Antwort auf Ihre Fragen
10.02.2022
Guten Tag Herr Kirchgeorg,
danke für Ihre hilfreichen Fragen, die ich hier versuche, zu beantworten:
ad 1.) Das ist vollkommen richtig, dass sich die Antworten unterscheiden, je nachdem, welche Perspektive gefragt wird. Deshalb verfolgen wir den Ansatz eines "Triple Deckers": Es werden mindestens drei Rollen befragt: Der interne Auftraggeber und/oder externe Kunde des Projekts, der Projektleiter und der Projektmitarbeiter. Bei einer Online-Umfrage machen wir eine Vollerhebung. Im anschließenden Workshop sollen diese drei Rollen repräsentativ vertreten sein, um sich nochmals über Ihre Sichtweisen auf die Verschwendungsarten zu verständigen und um Ursachen zu identifizieren.
ad 2.) Der größte Nutzen der Erhebung eines PMWI mit anschließender Ursachenidentifikation und -minimierung ist sicherlich die Planungsphase eines Projekts, d.h. wenn das Projekt skizziert und in einer ersten Version geplant ist (je nach Vorgehensmodell). Existieren bei den Projektbeteiligten Erfahrungen aus vergangenen Projekten, lassen sich dann am ehesten Verschwendungen durch alternative Vorgehensweisen am ehesten gleich zu Anfang vermeiden. Nutzen ergibt sich aber auch, wenn die Erhebung und Analyse im Rahmen von "Lessons Learned" durchgeführt wird (mit Blick auf künftige Projekte) oder im Rahmen von Projektkrisen / Projekteskalationen in der Umsetzungsphase. Dann ist jedoch das Vermeidungspotenzial von Verschwendung nicht so hoch wie im ersten Fall.
ad 3.) Der exakte Link auf die Studie lautet: https://leanpm.net/ Der im Fazit angegebene Link funktioniert bei uns auch.
Wir hoffen, unsere Antworten helfen Ihnen weiter.
Freundliche Grüße
Rainer Erne
Muß das sein...?
09.02.2022
"...keinen Wert oder Nutzen für Projektkund:innen (primär Nutzer:innen und Auftraggeber:innen der Projektergebnisse) stiften...."
Das wird ja langsam eine Zumutung für den Leser!
Sehr geehrter Herr Leidhold,…
09.02.2022
vielen Dank für Ihr Feedback. Wir haben uns Anfang letzten Jahres für eine geschlechtergerechte Sprache entschieden und sind seither sehr bemüht die Lesbarkeit unserer Texte auf dem gewohnt hohen Niveau zu halten. Obwohl wir versuchen, einen Geschlechtsbezug durch Neutralisierung außen vor zu lassen, ist das leider nicht immer möglich. Wir nehmen Ihre Kritik ernst und haben Anpassungen am Text vorgenommen.
Mit besten Grüßen
Sandra Gedig
muss es immer 'von oben' kommen? / empowerment
12.02.2022
Sehr interessanter und anregender Artikel, besten Dank!
Da die Fragen immer auch gewisse Antworten provozieren und eine Denkweise beinhalten und vermitteln können, überlege ich ob bei der Art "warten" der Fokus nicht zu fest auf Infos 'von oben' gerichtet ist. Wäre als Ausgleich nicht ein Punkt zu Selbstverantwortung / Empowerment förderlich? In der dritten Frage zu diesem Punkt ist das ansatzweise enthalten. Ich würde aber eine explizite Frage begrüssen, im Sinne von: "In unseren Projekten spüre ich kein Vertrauen, Sicherheit und Akzeptanz von eigenständigen Lösungen und Entscheidungen." oder "In unseren Projekten fehlt der Mut, die Kontrolle über technologische Entscheidungen an die Entwickler:innen abzugeben"
Guter Impuls
12.02.2022
Guten Tag Herr Rothenberger,
das ist ein guter Impuls für eine Verbesserung der Fragen in zukünftigen Einsätzen des Instruments. Danke dafür.
Wir haben übrigens Ihr Anliegen prominent aufgenommen im weiteren Schritt der Ursachenanalyse. Dort wird explizit danach gefragt, ob Verantwortlichkeiten, Aufgaben und Befugnisse auf der niedrigst möglichen Organisationsebene angesiedelt sind. Das entspricht organisatorisch dem, was Sie Empowerment nennen. Es produziert Verschwendungsarten wie Warten.
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