03
Mar 2017
Meilenstein – Der Projektmanagement-Blog

John Couch – Pionier eines neuen Lernens

Das Silicon Valley steht für den Mythos: "Build – Disrupt – Succeed". Auf meiner Forschungsreise, die mich vergangenes Jahr gemeinsam mit Andreas Salcher durch das berühmte Tal führte, kam ich mit einigen wichtigen Pionieren ins Gespräch, die diesen Mythos mit aufgebaut haben. Diese Vordenker sind zwar weniger bekannt als Entrepreneure wie Mark Zuckerberg und Elon Musk, verkörpern aus meiner Sicht jedoch die zentralen Motive und Herangehensweisen, die das Silicon-Valley-Mindset ausmachen, welches ich in meinem Beitrag "Darum ist das Silicon Valley so erfolgreich" umrissen habe. Im Folgenden stelle ich Ihnen mit John Couch einen dieser Pioniere vor, der sein Leben der Weiterentwicklung des Lernens gewidmet hat. Vielleicht bieten Ihnen seine Ansätze und Erfolgsrezepte Anregungen für Ihre Projekte?

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Seit Jahrzehnten erforscht John Couch die idealen Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten für das lebenslange Lernen. Daraus resultiert seine Empfehlung an Unternehmer, Entrepreneure und Führungskräfte: "Nurture a creative-collaborative and challenging learning environment."

Eines von Couchs zentralen Anliegen ist die Weiterentwicklung von "Ausbildung" hin zu einem "Lernen", das "engaging, collaborative and challenging" ist (siehe dazu Bild 1).

Bild 1: Die Unterschiede zwischen Ausbildung und Lernen nach John Couch.
Quelle: John Couch

Von Apple in den Schulsektor – und wieder zurück

Einen frühen Meilenstein seiner Karriere stellte die Beauftragung für den Launch des Apple Lisa (einem der ersten Personal Computer) durch Steve Jobs Ende der 1970er Jahre dar. Couch ging danach als Unternehmer daran, Schulen auf Basis neuer Ansätze aufzubauen und kam 2002 wieder zu Apple zurück als Vice President for Education.

Obwohl Couch als Apple-Manager lange für einen der größten Technologiekonzerne überhaupt tätig war, ist er davon überzeugt, dass Lernen nicht alleine durch Computer, sondern vor allem in der Förderung der Neugier und der Lösung spannender Herausforderungen erzeugt wird, wie folgendes Zitat aus unserem Gespräch zeigt:

"Just buying computers and relying on digital content is not sufficient to improve teaching. I've seen too many institutions use technology as a substitution and it doesn't change the learning environment at all. A framework called Challenge-based Learning, where the learner picks the project to pursue, allows work to be more relevant, engaging and challenging.

In keeping with the growth mindset philosophy, Apple Computer does not look for the most educated or the people with the highest IQ, Managers look for potential employees with the most curiosity (Hervorhebung durch den Autor). All of us should adopt: every student has its unique genius. The 21st Century classroom should be designed and implemented with this understanding in mind."

Im heutigen digitalen Zeitalter geht es seiner Ansicht nach vor allem darum, möglichst früh die Neugierde für das Unbekannte zu wecken, damit Menschen an der Lösung neuer Problemstellungen Gefallen finden. Damit sich diese Haltung ausprägt, gilt es, bereits SchülerInnen in der Problemlösung zu fordern zu fördern. Dadurch bildet sich, wie Couch in unserem Interview ausführte, diese Kompetenz früh aus bei den späteren Projektmanagern und Führungskräften.

So verankern Sie das "neue Lernen" in ihrem Team

Mit folgenden Maßnahmen leisten Sie einer offenen, auf Neugierde, Zusammenarbeit und neue Lösungskompetenzen fokussierten Haltung in Ihrem Team Vorschub:

  • Menschen zusammenbringen, die sonst nicht regelmäßig miteinander arbeiten,
  • das bisherige Wissen und Erfahrungen aufgreifen und individuelle Lernziele ableiten (Kompetenzkompass)
  • lernen durch Austausch, gemeinsames Arbeiten und Lösungsentwicklung für konkrete, reale Problemstellungen in den Vordergrund stellen
  • das dazu kognitiv nötige Wissen (Methoden, Ansätze) in kreativen, knappen Lernhappen zur Verfügung stellen, sodass Wissen nicht auf Vorrat, sondern bei Bedarf aufgegriffen wird
  • den Lernerfolg für den Lernenden und für das Projekt/Unternehmen sichtbar machen (Relevanz, Beitrag für den Unternehmenserfolg)

Regelmäßiges Konfrontieren mit neuen Herausforderungen

Offenheit, Neugierde, und die Bereitschaft, unbekanntes Terrain zu beschreiten und Lösungen zu kreieren, sind die Elemente, die wir alle in unseren Projekten und Führungsaufgaben eher fördern oder verhindern können. Das langfristige Resultat lässt sich daran ablesen, wie gut unsere Teammitglieder mit unbekannten Situationen umgehen und wie offen sie für ungewöhnliche Perspektiven sind ("open mindset" nach Carol Dweck).

Wenn wir unsere Kollegen, Mitarbeiter und uns selbst immer wieder mit neuen, unbekannten Aufgabenstellungen konfrontieren, wenn wir Neugierde, Zusammenarbeit und Herausforderung gut kombinieren, dann werden wir von Menschen umgeben sein, die auf neuartige Problemstellungen nicht paralysiert und geschockt, sondern mit Engagement und Interesse reagieren!

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