Fachbeitrag
– Ausgabe 15/2007

CMMI - die Reifeprüfung für IT-Projektmanagement

Das CMMI-Prozessmodell, vorwiegend im angelsächsischen Raum verbreitet, dient zur Beurteilung der Prozessqualität bei der Software-, System- oder Hardware-Entwicklung. Es wird aber auch als Kriterium für die Auswahl von Dienstleistern verwendet. Insbesondere beim Offshoring ist es üblich, potenzielle Partnerunternehmen nach ihrem CMMI-Reifegrad zu bewerten. Damit eine optimale Zusammenarbeit gewährleistet werden kann, sollte aber auch der Auftraggeber CMMI zertifiziert sein. Kay Schulz stellt in seinem Beitrag die Grundlagen von CMMI vor und erklärt, worauf bei seiner Einführung zu achten ist.

Der Trend zum Offshoring geht in der IT immer weiter. Große Unternehmen lagern die Software-Entwicklung nach China oder Indien aus, kleine und mittlere Firmen in geringerem Umfang nach Rumänien, Bulgarien oder in andere europäische Länder. Um sicherzustellen, dass die Zusammenarbeit langfristig positiv verläuft, suchen die Firmen nach entsprechenden Wegen. Bei einer Auslagerung der Infrastruktur werden z.B. Modelle wie ITIL (IT Infrastructure Library) herangezogen. Betrifft die Auslagerung die Projektdurchführung, kommen PM-Methoden wie PRINCE2 oder Vorgehensmodelle wie RUP (Rational Unified Process) zum Einsatz.

Soll die Entwicklung ausgelagert werden, wird häufig das Prozess-Modell CMMI (Capability Maturity Model Integration) verwendet, das dazu dient, die Projektqualität bei der Software-, System oder Hardware-Entwicklung zu verbessern. CMMI gibt den Reife- oder Fähigkeitsgrad eines Unternehmens oder Unternehmensbereichs an und lässt sich gut mit RUP, PRINCE2 oder ähnlichen Methoden vereinbaren. Dabei suchen deutsche Unternehmen bevorzugt Partner, die den höchsten CMMI-Reifegrad (Level 5) erfüllen, denn sie erwarten sich von solchen Firmen eine hohe Qualität der Lieferungen.

Ein solches Auswahlkriterium wirft für das deutsche Unternehmen jedoch zwangsweise Fragen auf: Was kann es von einer derart ausgewiesenen Firma erwarten? Und welche Konsequenzen sind für die eigene Firma damit verbunden? Muss diese ebenfalls Level 5 erreichen und müssen die Mitarbeiter dazu ggf. besonders ausgebildet werden? Werden von ihnen bestimmte Fähigkeiten gefordert und wenn ja, welche Rollen sind es? Ein CMMI Coach drückte die Problematik folgendermaßen aus: "Wenn der Offshore Provider CMMI Level 5 zertifiziert ist und die deutsche Firma Level 1, wird die deutsche Firma schön über den Tisch gezogen."

Dieser Artikel stellt die Grundlagen von CMMI vor und erklärt, worauf bei seiner Einführung zu achten ist.

Geschichte

CMMI ist ein Prozessmodell, mit dem sich die Qualität von Produkt-Entwicklungsprozessen in Unternehmen beurteilen und verbessern lässt. Das Software Engineering Institute (SEI) der Carnegie Mellon University - neben dem MIT und Stanford eines der führenden IT Forschungseinrichtungen der USA - hat CMMI als Nachfolger des dort ebenfalls entwickelten CMM (Capability Maturity Model) beschrieben (www.sei.cmu.edu/cmmi). Ausgangspunkt aller Untersuchungen war die Frage, warum manche Projekte zeitlich und monetär erfolgreich abgeschlossen wurden und welche Gründe es bei anderen Projekten für deren Misserfolg gab. Untersucht wurde dabei, welche Prozesse und Disziplinen in den Projekten angewendet und wie diese umgesetzt wurden. Das Ergebnis war eine Sammlung von Best Practises für Unternehmen, die vor allem projektgetrieben sind.

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