CMMI - die Reifeprüfung für IT-Projektmanagement

Das CMMI-Prozessmodell, vorwiegend im angelsächsischen Raum verbreitet, dient zur Beurteilung der Prozessqualität bei der Software-, System- oder Hardware-Entwicklung. Es wird aber auch als Kriterium für die Auswahl von Dienstleistern verwendet. Insbesondere beim Offshoring ist es üblich, potenzielle Partnerunternehmen nach ihrem CMMI-Reifegrad zu bewerten. Damit eine optimale Zusammenarbeit gewährleistet werden kann, sollte aber auch der Auftraggeber CMMI zertifiziert sein. Kay Schulz stellt in seinem Beitrag die Grundlagen von CMMI vor und erklärt, worauf bei seiner Einführung zu achten ist.

CMMI - die Reifeprüfung für IT-Projektmanagement

Das CMMI-Prozessmodell, vorwiegend im angelsächsischen Raum verbreitet, dient zur Beurteilung der Prozessqualität bei der Software-, System- oder Hardware-Entwicklung. Es wird aber auch als Kriterium für die Auswahl von Dienstleistern verwendet. Insbesondere beim Offshoring ist es üblich, potenzielle Partnerunternehmen nach ihrem CMMI-Reifegrad zu bewerten. Damit eine optimale Zusammenarbeit gewährleistet werden kann, sollte aber auch der Auftraggeber CMMI zertifiziert sein. Kay Schulz stellt in seinem Beitrag die Grundlagen von CMMI vor und erklärt, worauf bei seiner Einführung zu achten ist.

Der Trend zum Offshoring geht in der IT immer weiter. Große Unternehmen lagern die Software-Entwicklung nach China oder Indien aus, kleine und mittlere Firmen in geringerem Umfang nach Rumänien, Bulgarien oder in andere europäische Länder. Um sicherzustellen, dass die Zusammenarbeit langfristig positiv verläuft, suchen die Firmen nach entsprechenden Wegen. Bei einer Auslagerung der Infrastruktur werden z.B. Modelle wie ITIL (IT Infrastructure Library) herangezogen. Betrifft die Auslagerung die Projektdurchführung, kommen PM-Methoden wie PRINCE2 oder Vorgehensmodelle wie RUP (Rational Unified Process) zum Einsatz.

Soll die Entwicklung ausgelagert werden, wird häufig das Prozess-Modell CMMI (Capability Maturity Model Integration) verwendet, das dazu dient, die Projektqualität bei der Software-, System oder Hardware-Entwicklung zu verbessern. CMMI gibt den Reife- oder Fähigkeitsgrad eines Unternehmens oder Unternehmensbereichs an und lässt sich gut mit RUP, PRINCE2 oder ähnlichen Methoden vereinbaren. Dabei suchen deutsche Unternehmen bevorzugt Partner, die den höchsten CMMI-Reifegrad (Level 5) erfüllen, denn sie erwarten sich von solchen Firmen eine hohe Qualität der Lieferungen.

Ein solches Auswahlkriterium wirft für das deutsche Unternehmen jedoch zwangsweise Fragen auf: Was kann es von einer derart ausgewiesenen Firma erwarten? Und welche Konsequenzen sind für die eigene Firma damit verbunden? Muss diese ebenfalls Level 5 erreichen und müssen die Mitarbeiter dazu ggf. besonders ausgebildet werden? Werden von ihnen bestimmte Fähigkeiten gefordert und wenn ja, welche Rollen sind es? Ein CMMI Coach drückte die Problematik folgendermaßen aus: "Wenn der Offshore Provider CMMI Level 5 zertifiziert ist und die deutsche Firma Level 1, wird die deutsche Firma schön über den Tisch gezogen."

Dieser Artikel stellt die Grundlagen von CMMI vor und erklärt, worauf bei seiner Einführung zu achten ist.

Geschichte

CMMI ist ein Prozessmodell, mit dem sich die Qualität von Produkt-Entwicklungsprozessen in Unternehmen beurteilen und verbessern lässt. Das Software Engineering Institute (SEI) der Carnegie Mellon University - neben dem MIT und Stanford eines der führenden IT Forschungseinrichtungen der USA - hat CMMI als Nachfolger des dort ebenfalls entwickelten CMM (Capability Maturity Model) beschrieben (www.sei.cmu.edu/cmmi). Ausgangspunkt aller Untersuchungen war die Frage, warum manche Projekte zeitlich und monetär erfolgreich abgeschlossen wurden und welche Gründe es bei anderen Projekten für deren Misserfolg gab. Untersucht wurde dabei, welche Prozesse und Disziplinen in den Projekten angewendet und wie diese umgesetzt wurden. Das Ergebnis war eine Sammlung von Best Practises für Unternehmen, die vor allem projektgetrieben sind.

Das Projekt CMMI wurde 1997 gestartet, um folgenden Ziele zu erreichen:

  • Schaffen eines einheitlichen Rahmens für eine Reihe bereits vorhandener, verwandter (u.a. CMM-) Reifegradmodelle.
  • Ermöglichen, dass diese Modelle gemeinsam anwendbar sind.
  • Integration der gesammelten Erfahrungen und Verbesserungsideen.

Darstellungsformen

Wenn im folgenden der Begriff "Unternehmen" verwendet wird, ist meist nicht das gesamte Unternehmen gemeint. Es ist üblich, dass nur Teile der Organisation CMMI einführen und sich zertifizieren lassen. So bezieht sich z.B. auch beim weltweit agierenden IT-Serviceanbieter WIPRO Corporation die CMMI Level 5 Zertifizierung nicht auf das gesamte Unternehmen, sondern nur auf den Bereich Wipro Infotech: Business Solutions Division.

CMMI kennt zwei verschiedene Darstellungsformen der (gleichen) Inhalte: die stufenförmige und die kontinuierliche. Bei der stufenförmigen Darstellung werden alle 22 Prozessgebiete von CMMI berücksichtigt und daraus ein "Reifegrad" (Maturity Level) bestimmt. Sie ist vor allem für große IT-Anbieter geeignet, die umfangreiche Projekte vollständig durchführen. Es gibt jedoch auch Unternehmen, die sich auf bestimmte Prozessgebiete spezialisiert haben und sich nur in diesen zertifizieren lassen möchten. Für diese Firmen ist die kontinuierliche Darstellungsform geeignet, bei der einzelne Prozessgebiete mit ihrem jeweiligen "Fähigkeitsgrad" (Capability Level) betrachtet werden. Jedes Prozessgebiet umfasst eine Reihe von Zielen, die dabei erreicht werden sollen.

Kontinuierliches Modell

Neben den weiter unter beschriebenen spezifischen Zielen gibt es in der kontinuierlichen Darstellungsform fünf prozessübergreifende Ziele, sog. generische Ziele (GG, Generic Goals). Diese beschreiben die verschiedenen Stufen einer "Institutionalisierung" des Prozessgebietes, also das, was zu tun ist, damit die spezifischen Ziele auch regelmäßig und effizient umgesetzt werden. Jedem der generischen Ziele ist ein Fähigkeitsgrad zugeordnet (Tabelle 1).

Die Prozessgebiete in der kontinuierlichen Darstellung entsprechen denen der stufenförmigen, sind jedoch beim kontinuierlichen Modell in die vier Kategorien "Prozessmanagement", "Projektmanagement", "technische Entwicklungsthemen" und "Support" (Unterstützung) eingeteilt. Da die Fähigkeitsgrade pro Prozessgebiet ermittelt werden und nicht wie bei der stufenförmigen Darstellung für die gesamte Organisation, kann ein Unternehmen speziell in einer Gruppe einen hohen Fähigkeitsgrad erreichen, während es in anderen schwach ist. Dies spiegelt die Praxis gut wider: Warum sollte z.B. ein Consulting-Haus, das nur IT-Projektmanagement beim Kunden betreibt, gut in der Kategorie Prozessmanagement sein?

Tabelle 1: Generische Ziele und Fähigkeitsgrade bei der kontinuierlichen Darstellungsweise.
generisches Ziel (GG) Beschreibung Fähigkeitsgrad (FG) im jeweiligen Prozessgebiet Beschreibung
      FG 0 Keine Anforderungen
GG 1…

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