Der Resident Engineer: Wanderer zwischen den Welten

Der Resident Engineer ist eine gängige Organisations- bzw. Arbeitsform, um in Entwicklungsnetzwerken einen effektiven Austausch von Informationen und Wissen zwischen den Projektpartnern zu gewährleisten. Sigrid Pander beleuchtet die Rolle des dauerhaft beim Kunden eingesetzten Verbindungsingenieurs. Dabei geht sie den Fragen nach, wer von einer solchen Arbeitsform profitiert und welche Vorteile bzw. Nachteile für den Resident Engineer mit dieser Position verbunden sind. Sie empfiehlt konkrete Maßnahmen, um eine solche Kooperation für den Kunden, den Resident Engineer und das entsendende Unternehmen gewinnbringend zu gestalten.

Dynamische Entwicklungs-Netzwerke im Engineering-Bereich mit einer Vielzahl an Projektpartnern erfordern einen effektiven Austausch von Informationen und Wissen. Entsprechende Projektmanagementtools und -methoden können diese zwar unterstützen, jedoch den Faktor "Mensch" nicht ersetzen. Letztendlich trägt dieser die Verantwortung dafür, dass alle Anforderungen zügig erfüllt werden. Daher bietet sich bei unternehmensübergreifenden Entwicklungsprojekten eine personelle Verzahnung von Herstellern (OEM) und Zulieferern an. Eine gängige Organisations- bzw. Arbeitsform dafür ist die des Resident Engineers (RE) - eines Verbindungsingenieurs, der dauerhaft beim Kunden vor Ort eingesetzt wird.

Dieser Artikel beleuchtet die Rolle des Resident Engineers und geht den Fragen nach, wer aus einer solchen Arbeitsform profitiert und welche Vorteile bzw. Nachteile für den Resident Engineer mit dieser Position verbunden sind. Darüber hinaus gibt der Artikel Empfehlungen, wie sich der Rahmen einer solchen Kooperation möglichst effektiv gestalten lässt, so dass eine erfolgreiche Beziehung auf Triple-Win-Basis von Kundenorganisation, Resident Engineer und entsendenden Unternehmen entsteht.

Nutzen und Hintergründe

Der hohe Preis-, Innovations- und Qualitätsdruck in Entwicklungsprojekten verlangt sowohl von Herstellern als auch von Zulieferern, sich auf ihre jeweiligen Kernkompetenzen zu konzentrieren und anschließend in dauerhaft angelegten Netzwerkstrukturen miteinander zu kooperieren. In der Fahrzeugentwicklung beispielsweise übernehmen Zulieferer bereits die Entwicklung und Fertigung von Fahrzeugteilen, Modulen, Systemen und teilweise kompletten Fahrzeugen. Das bedeutet, dass die Hauptarbeit der OEM immer weniger im eigentlichen Herstellen und Produzieren besteht, sondern sich auf die Aufgabe der Koordination und Moderation von teilweise sehr heterogenen Lieferanten verlagert: Der OEM ist somit gefordert, geeignete Rahmenbedingungen für die Netzwerkarbeit zu schaffen.

Management von Komplexität heißt die neue Maxime. Ihr Ziel ist, die Kooperationsbeziehungen zu den Entwicklungspartnern zu verbessern und einen engen und zeitnahen Austausch von projektrelevanten Informationen sicherzustellen. Unter hohem Zeitdruck, bei großer Änderungsfreudigkeit (insbesondere in frühen Projektphasen) sowie bei unklaren Projektzielen ist es dafür oft notwendig, eine Organisationsform aufzubauen (sog. "Gelegenheitsstrukturen", siehe Böhle et al. 2004), die es den am Projekt beteiligten Personen ermöglicht, eine Kooperationsbeziehung herzustellen und zu festigen bzw. Informationen und Wissen auszutauschen und weiterzuverarbeiten. Dazu bietet sich z.B. an, interne Mitarbeiter des OEM mit externen Mitarbeitern an einem gemeinsamen Arbeitsort - im Sinne des Projekthausgedankens - zusammenzubringen: Dies ist der Grundgedanke hinter dem Einsatz eines Resident Engineers (RE).

Der Resident Engineer ist somit ein Verbindungsingenieur, der für eine längere Zeitdauer bedarfsorientiert in die Organisation des Kunden eingebunden ist. Je nach Modell arbeitet er in unmittelbarer Nähe zum Kundengebäude oder im "Zimmer nebenan" oder sogar "Schreibtisch-an-Schreibtisch". Sein Einsatz ist projektgetrieben, denn in den unterschiedlichen Projektphasen sind unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten gefragt. Mit dem RE ist es also möglich, eine erfahrene Ressource, die schnell eingearbeitet werden kann, auf Zeit in ein Projekt zu integrieren. Der Transfer von wertvollem Know-how erfolgt dabei wie selbstverständlich nebenher und wirkt für interne Mitarbeiter aber auch für den RE selbst wie ein informelles Training-on-the-job (Pander, Wagner 2005).

Vorteile vor Ort: Sowohl Kunde als auch RE profitieren

Vorteile für den Kunden

Ist ein Ingenieur des Zulieferers beim OEM vor Ort, können bei unvorhergesehenen Ereignissen (die in einem dynamischen Projektverlauf eher Regel als Ausnahme sind) Problemlösungen informell und bedarfsgerecht diskutiert werden. Durch diesen "Echtzeit-Support" werden Projektrisiken

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