Der Weg zu qualifizierten Projektentscheidungen

Teil 2: Die neun Schritte der Entscheidungsanalyse
Wer optimale Entscheidungen treffen möchte, braucht einen standardisierten Prozess der Entscheidungsfindung. Im Rahmen dieses Prozesses müssen alle Entscheidungsalternativen auf der Grundlage objektiver Kriterien bewertet und verglichen werden. Im zweiten Teil des Artikels stellt Christian Wilkens die neun Schritte der Entscheidungsfindung vor und zeigt, welche typischen Herausforderungen für Projektleitung und Team damit verbunden sind.

Dieser Beitrag befasst sich mit Bedeutung und Struktur der Entscheidungsfindung in Projekten. Im ersten Teil wurde die "Einbettung" von Projektentscheidungen in das Gesamtprojekt beschrieben und auf die besondere Bedeutung einer fundierten Situationsdiagnose für qualifizierte Projektentscheidungen eingegangen. Im hier vorliegenden zweiten Teil werden die eigentlichen Schritte der Entscheidungsfindung genauer untersucht und die typischen Herausforderungen für Projektleiter und -team bei der korrekten Bearbeitung der insgesamt neun Schritte der Entscheidungsanalyse aufgezeigt.

Unter Entscheidungsfindung versteht man den eigentlichen Prozess, die beste Variante aus mehreren Alternativen zu selektieren. Nahezu jede Projektarbeit strebt durch eine möglichst fundierte Situationsdiagnose die Entwicklung mehrerer Alternativen an. In erfolgreichen Projektkulturen ist es sogar obligatorisch, möglichst unterschiedliche Alternativen zu betrachten. Das gilt als wesentliches Element einer gewissenhaften Zukunftssicherung, basierend auf der Erkenntnis, dass die Folgen einer suboptimalen Lösung nachhaltige Schäden bewirken können.

Beispiel

Bei der Neuordnung der An- und Abflugrouten an einem internationalen Großflughafen hatte das zuständige Flugsicherungsunternehmen darauf verzichtet, zusätzliche Alternativrouten zu entwickeln. Es habe infolge europäischer Vorgaben praktisch keinen planerischen Spielraum für lärmärmere Varianten gegeben, wurde in ausführlichen Stellungnahmen erläutert. Im Rahmen einer gerichtlichen Auseinandersetzung stellte die Gegenpartei jedoch acht Alternativrouten vor, die in Fachkreisen konzipiert worden waren. Dieser Umstand befähigte das Flugsicherungsunternehmen nach dem Verlust des Prozesses binnen Monaten insgesamt eine zweistellige Zahl realisierbarer Alternativen zu entwickeln. Die hieraus selektierte kapazitätsneutrale Bestvariante führt nach anerkannten Kriterien des Lärmmanagements zu einer Entlastungsbilanz von über 10.000 (!) Einwohnern.

Entscheidungsanalyse im Überblick

Nahezu alle erfolgreichen Projektentscheidungen, die sich zugleich einer hohen Akzeptanz und Transparenz rühmen, basieren auf der Methode der Entscheidungsanalyse (auch Entscheidungsmatrix oder Nutzwertanalyse). Das Verfahren ist heute weit verbreitet und wird in Form von Stiftung-Warentest-Produktvergleichen oder Automobiltests von Millionen Menschen zumindest passiv zur Kenntnis genommen.

Ganz anders ist es um die Anwendung der Methode bei wichtigen Projektentscheidungen bestellt: Selbst erfahrene Projektleiter haben Vorbehalte bezüglich der Anwendung der Entscheidungsanalyse im eigenen Projekt. Die Hauptgründe dieser Vorbehalte liegen

  • in den Gestaltungsmöglichkeiten der auf Zahlen basierenden Bewertung, die Manipulation oder zumindest Scheinrationalität zulasse sowie
  • in der Herausforderung, einen Konsens mit zahlreichen Projektbeteiligten aus Entwicklung, Beschaffung, Einkauf, Marketing und Produktion herzustellen, deren Interessen naturgemäß gegenläufig seien

Bei der Durchführung einer komplexen

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