Ein Tag als Pferdeflüsterer

Führungs-Coaching mit Pferden

Pferde haben ein feines Gespür für Führungsqualitäten. Von Natur aus sind sie darauf angewiesen, das bestgeeignete Leittier zu erkennen und zum Führer ihrer Herde zu bestimmen. In einem Führungsseminar mit Pferden werden Manager, Projektleiter und andere Führungskräfte mit den Stärken und Schwächen ihres Führungsverhaltens konfrontiert. Denn Pferde sind immer authentisch, auf Anweisungen von Menschen reagieren sie ohne Verstellung: Sie widerstreben, verlieren das Interesse - oder befolgen die Befehle. Georg von Stein erklärt in seinem Artikel, welche Erkenntnisse man aus einem Training mit Pferden für berufliche Führungssituationen gewinnen kann und beschreibt seine persönlichen Erfahrungen als Teilnehmer eines solchen Seminars.

Kennen Sie die Geschichte vom klugen Hans? Er war ein Pferd, das Anfang des 19. Jahrhunderts in Berlin lebte und Rechenaufgaben lösen konnte. Wurde der kluge Hans bei Vorführungen etwa danach gefragt, was ein Viertel und ein Viertel in der Summe ergibt, so schlug er zuerst zweimal mit dem Huf und nach einer kurzen Pause viermal, um so die Antwort zwei Viertel zu geben. Einzige Bedingung: Der Fragesteller musste selbst die richtige Antwort kennen.

Doch der kluge Hans war keineswegs ein Wundertier. Eine eingehende Untersuchung der preußischen Akademie der Wissenschaften brachte die Wahrheit ans Licht: Der kluge Hans konnte weder zählen noch rechnen. Das Pferd reagierte vielmehr auf kleinste Veränderungen in der Haltung seines Trainers oder des Fragestellers, die immer dann auftraten, wenn die bisherige Anzahl der Hufschläge mit der korrekten Antwort übereinstimmte.

Eine interessante Geschichte - doch was hat sie mit Führungsqualitäten und dem Coaching von Managern zu tun?

Warum Pferde gute Management-Trainer sind

Der kluge Hans zeigt, wie sensibel Pferde die Verhaltens- und Körpersprache von Menschen lesen. Der Umgang mit ihnen übt den "Horse Sense", was im Englischen auch "gesunder Menschenverstand" bedeutet. Denn Pferde kommunizieren überwiegend mittels Körpersprache. Sie nehmen kleinste Signale wahr, interpretieren sie und reagieren darauf. Folglich "lesen" sie ihr Gegenüber mit feiner Wahrnehmung, um festzustellen, ob es sich um ein Führungstier handelt. Für Pferde ist es lebenswichtig, den "Bestgeeigneten" zum Führer der Herde zu wählen. Mit ihm als Leittier hat die Herde die größten Überlebenschancen.

Entsprechend arbeiten Pferde nur dann willig und mit vollem Einsatz für einen Menschen, wenn sie ein authentisches und klares Führungsverhalten wahrnehmen. Dieses Führungsverhalten lesen Pferde von unserem Körperausdruck ab, in dem sich unsere Einstellung und unsere Absichten widerspiegeln. Je klarer wir ein inneres Bild von unseren Zielen und Vorhaben entwickeln, desto deutlicher ist unsere innere und äußere Haltung und desto unmissverständlicher kommt unsere Botschaft beim Pferd an.

Mit klaren Zielen vor Augen sind wir auch weniger auf Hilfsmittel angewiesen wie Name, Titel oder Stellung in Gesellschaft oder Unternehmen, um von anderen  Menschen als Führende akzeptiert zu werden. Führende können sich mit diesen Statussymbolen teilweise durchsetzen, obwohl ihre Führungskompetenz deutliche Schwächen aufweist. Pferde kennen diese Machtinsignien nicht. Sie lesen wichtige

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