Ergebnisse der 6. GPM Gehaltsstudie Gehalt und Karriere im Projektmanagement

Planen Sie Ihre Karriere im Projektmanagement und fragen sich, wo und wie Sie am besten verdienen können? Die Autoren der Gehalts- und Karrierestudie der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. Prof. Dr. Scheurer, Christoph Schneider und Prof. Dr. Andreas Wald zeigen, welche Faktoren für ein gutes Gehalt ausschlaggebend sind, wie zufrieden Projektmanager mit ihrer Karriere sind und welche Chancen und Risiken sie in der Digitalisierung des Projektmanagements sehen.

Management Summary

  • Die Gehälter im Projektmanagement steigen weiter. Vor allem der Aufbau einer langjährigen Erfahrung und die Übernahme entsprechender Verantwortung wirken sich signifikant auf die Höhe des Gehalts aus.
  • Die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern scheint sich beim Vergleich mit den vorigen Auflagen der Studie zu verringern. Dennoch ist sie immer noch so groß, dass nicht von einer Gehaltsgerechtigkeit gesprochen werden kann.
  • Die Digitalisierung macht sich auch im Projektmanagement bemerkbar. Dies zeigt sich insbesondere in der zunehmenden Geschwindigkeit und der dadurch vermehrt erforderlichen Flexibilität und Selbstorganisation des Einzelnen.
  • Obwohl die Projekttätigkeit weiter an Bedeutung gewinnt, sind Karriereperspektiven für Mitarbeiter in Projekten nach wie vor unbefriedigend.

Ergebnisse der 6. GPM Gehaltsstudie Gehalt und Karriere im Projektmanagement

Planen Sie Ihre Karriere im Projektmanagement und fragen sich, wo und wie Sie am besten verdienen können? Die Autoren der Gehalts- und Karrierestudie der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. Prof. Dr. Scheurer, Christoph Schneider und Prof. Dr. Andreas Wald zeigen, welche Faktoren für ein gutes Gehalt ausschlaggebend sind, wie zufrieden Projektmanager mit ihrer Karriere sind und welche Chancen und Risiken sie in der Digitalisierung des Projektmanagements sehen.

Management Summary

  • Die Gehälter im Projektmanagement steigen weiter. Vor allem der Aufbau einer langjährigen Erfahrung und die Übernahme entsprechender Verantwortung wirken sich signifikant auf die Höhe des Gehalts aus.
  • Die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern scheint sich beim Vergleich mit den vorigen Auflagen der Studie zu verringern. Dennoch ist sie immer noch so groß, dass nicht von einer Gehaltsgerechtigkeit gesprochen werden kann.
  • Die Digitalisierung macht sich auch im Projektmanagement bemerkbar. Dies zeigt sich insbesondere in der zunehmenden Geschwindigkeit und der dadurch vermehrt erforderlichen Flexibilität und Selbstorganisation des Einzelnen.
  • Obwohl die Projekttätigkeit weiter an Bedeutung gewinnt, sind Karriereperspektiven für Mitarbeiter in Projekten nach wie vor unbefriedigend.

Wie viel verdienen Projektmanagerinnen und Projektmanager? Welche Faktoren beeinflussen ihr Gehalt und wirken sich maßgeblich auf die Karriere aus? Antworten auf diese Fragen gibt die Studie "Gehalt und Karriere im Projektmanagement", die 2017 bereits zum sechsten Mal durchgeführt wurde. Mehr als 1.000 Personen beteiligten sich diesmal an der Befragung.

Die Ergebnisse bieten Projektmanagern wie Unternehmen einen Mehrwert, weil sie Orientierung bieten und wichtige Indikatoren bei den Gehaltsentwicklungen im Projektmanagement liefern. Die Studie wurde von der GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V. in Kooperation mit der EBS Universität für Wirtschaft und Recht durchgeführt sowie von der pma – Projekt Management Austria und der spm. swiss project management association unterstützt.

Die Gehälter im Projektmanagement steigen weiter

Die Gehälter steigen, das ist eines der zentralen Ergebnisse der Studie. Für Projektmanagerinnen und Projektmanager ist eine Fragestellung aber vielleicht noch wichtiger: Welches sind die wichtigsten Faktoren, die die Höhe meines Gehalts maßgeblich beeinflussen und welche dieser Faktoren kann ich selbst steuern? Schwerpunkt der aktuellen Studie ist die Beantwortung dieser Frage. Wir suchten nach den Schlüsselfaktoren für die Entwicklung von Gehalt und Karriere im Projektmanagement, nach deren relativer Relevanz und wie Sie als Projektleiter diese Schlüsselfaktoren beeinflussen können.

Schlüsselfaktoren für Gehalt und Karriere

Zu den beinflussbaren Faktoren gehört die Erfahrung, die sich durch regelmäßige Tätigkeit im Projektumfeld einstellt; aber auch die Übernahme von Verantwortung und die jeweils höhere Projektebene machen sich beim Gehalt bemerkbar. Ein weiterer Einflussfaktor: Deutlich mehr verdient, wer sich einschlägig weiterbildet und PM-Zertifikate erwirbt.

Strukturelle Faktoren wie Branche, Größe und Umsatz eines Unternehmens haben ebenfalls spürbare Auswirkungen auf den Verdienst. Ebenso das Geschlecht: Nach wie vor verdienen Frauen weniger als Männer im Projektmanagement. Was hoffen lässt: der Abstand wird geringer.

Wie in den vorausgegangenen Studien ermittelten wir auch dieses Mal, wie zufrieden Projektmanagerinnen und Projektmanager mit ihrer Arbeit und ihrem Arbeitgeber sind. Beim Gros der Befragten fällt das Urteil positiv aus. Dennoch gibt es Ansatzpunkte für Unternehmen, um die Loyalität und Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter noch weiter zu steigern; damit beschäftigen wir uns am Ende dieses Beitrags.

Erstmals untersucht: Auswirkungen der Digitalisierung auf die Projektarbeit

Da das Umfragedesign der Studie nicht starr ist, werden immer auch wichtige Trends und Entwicklungen berücksichtigt. Dieses Mal wurde untersucht, wie sich die digitale Transformation der Wirtschaft bereits heute im Tätigkeitsfeld Projektmanagement auswirkt: Die Studie nimmt eine erste Standortbestimmung vor. So viel vorweg: Die Befragten erwarten hierdurch große Veränderungen, sehen sich und die Unternehmen aber noch nicht hinreichend darauf vorbereitet.

Profil der Befragten

Insgesamt beteiligten sich 1.075 Personen an der Gehalts- und Karrierestudie. Davon stammten 917 aus Deutschland (85%), 121 aus Österreich (11%), 33 aus der Schweiz (3%) und 4 aus anderen Ländern (0,4%). Der Frauenanteil lag bei 22,5%, was im Vergleich zur Erhebung von 2015 einer Steigerung um knapp 18% entspricht. Der Arbeitsbereich Projektmanagement wird für Frauen offensichtlich zunehmend attraktiver. Das durchschnittliche Alter betrug 40,9 Jahre und lag dabei fast genau bei dem Wert der Studie zwei Jahre zuvor.

Hohe Bildungsabschlüsse

Der weitaus größte Teil der Befragten verfügt über einen Studienabschluss (86,3%), der primär im Ingenieurswesen (34,8%) und in den Wirtschaftswissenschaften (27,8%) erlangt wurde. Weitere 13,2% haben Mathematik bzw. Informatik studiert, 7% stammen aus den Naturwissenschaften und 4,8% aus den Sozialwissenschaften (vgl. Bild 1).

Strukturmerkmale der Stichprobe

Bild 1: Strukturmerkmale der Stichprobe
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Meist Vollzeit-Job mit Überstunden

Die vertragliche Wochenarbeitszeit in Deutschland betrug bei Männern durchschnittlich 39 Stunden. Tatsächlich arbeiteten diese jedoch 47,3 Stunden, also über acht Wochenstunden mehr als vertraglich vereinbart. Die vereinbarte Wochenarbeitszeit von Frauen lag bei 37,8 Stunden, also durchschnittlich nur etwas über eine Stunde weniger. Mit 42,8 realen Wochenstunden leisteten sie fünf Überstunden (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Wochenstundenvereinbarung und reale Arbeitszeit nach Geschlechtern von Teilnehmern aus Deutschland (760 Angaben)
Arbeitszeit in Stunden, Mittelwerte Männer Frauen Gesamt
Wochenstundenvereinbarung 39,0 37,8 38,8
Reale Arbeitsstunden pro Woche 47,3 42,8 46,2
Differenz 8,2 5,0 7,5

Umfassende Berufserfahrung

Die Projektmanagement-Erfahrung ist vergleichsweise groß: Über 80% der Befragungsteilnehmer arbeiten bereits fünf oder mehr Jahre in Projekten, über die Hälfte (54%) mindestens neun Jahre (siehe Bild 2).

Verteilung aller Studienteilnehmer nach Jahren Berufserfahrung im PM

Bild 2: Verteilung aller Studienteilnehmer nach Jahren Berufserfahrung im PM

Vorwiegend in leitender Funktion tätig

Die überwältigende Mehrheit der Befragten ist in einer leitenden Funktion tätig. So sind 10% (D) bzw. 3% (A) als Teilprojektleiter (Ebene 4) beschäftigt, 50% (D) bzw. 40% (A) als Projektleiter (Ebene 3), 19% (D) bzw. 30% (A) als Senior-Projektleiter (Ebene 2) und 11% (D) bzw. 22% (A) als Projekt-Direktor (Ebene 1) (siehe Bild 3). Die Beteiligung aus anderen Ländern war zu gering, um hier eine aussagekräftige Statistik zu erstellen. Bei Fragen, zu denen aus Österreich zu wenig Antworten kamen, wurde aus diesem Grund eine Statistik nur für Deutschland erstellt.

Verteilung der Teilnehmer nach Projektmanagementebene

Bild 3: Verteilung der Teilnehmer nach Projektmanagementebene
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Verantwortungsbereiche: Sehr viele übernehmen fachliche Führung

Die zumeist leitende Funktion wird durch die wahrgenommenen Verantwortungsbereiche bestätigt (siehe Bild 4). So haben mehr als drei Viertel der Befragten eine fachliche Führungsverantwortung inne, fast 60% übernehmen Budgetverantwortung und 23% (D) bzw. 38% (A) disziplinarische Personalverantwortung. Lediglich rund 16% (D) bzw. 24% (A) der Studienteilnehmer gaben an, keinen dieser Verantwortlichkeitsbereiche zu bekleiden.

Verteilung der Teilnehmer nach Verantwortlichkeiten

Bild 4: Verteilung der Teilnehmer nach Verantwortlichkeiten; Mehrfachnennungen waren möglich
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Branchenzugehörigkeit und Unternehmensgröße

Bei der Branchenzugehörigkeit liegt der Schwerpunkt bei Maschinenbau (11%) und Software (10%), gefolgt von Consulting/ Training/ Coaching (9%), Automotive (8%) und Finanzdienstleistungen (8%). Elektrotechnik, sonstige Dienstleistungen und sonstiges produzierendes Gewerbe machen je 7% aus; alle anderen Branchen sind mit weniger als 5% vertreten.

Mehr als die Hälfte der Teilnehmer arbeiten bei großen (> 5000 Mitarbeiter, 31%) oder mittelgroßen Unternehmen (1.000 bis 5.000 Mitarbeiter, 23%).

Gehaltsstrukturen im Projektmanagement

Das durchschnittliche Jahresgesamtgehalt (brutto) liegt bei etwas mehr als 80.000 Euro in Deutschland und setzt sich zu 90% aus einem Grundgehalt und zu 10% aus flexiblen Entlohnungsanteilen zusammen (siehe Tabelle 2). In Österreich beträgt das durchschnittliche Jahresgesamtgehalt 77.000 Euro und ist damit im Schnitt 3,9% niedriger. In beiden Ländern sind die Gehälter seit der letzten Befragung in 2015 gestiegen.

Tabelle 2: Grundgehalt und leistungsbezogene Entlohnungsanteile von Projektmanagern in 2017
Brutto-Angaben in Euro Grundgehalt Leistungsbezogene
Entlohnung
Gesamt
Mittelwert 71.871 8.283 80.251
Häufigster Wert (Modus) 78.000 0 60.000
25%-Wert 54.000 793 57.600
50%-Wert 69.600 5.230 75.620
75%-Wert 85.500 11.000 96.228
Standardabweichung 31.113 10.683 36.378

Einflussfaktoren für das Gehalt

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Gehalt beeinflussen. Auf manche können die Befragten nur bedingt einwirken, z.B. den Umfang ihrer Erfahrung. Auf andere Faktoren können Projektmanagerinnen und Projektmanager sehr wohl durch die Auswahl ihres Arbeitgebers Einfluss nehmen. Hierzu gehören strukturelle Rahmenbedingungen wie Branche, Unternehmensgröße und Umsatz.

Erfahrung macht sich bezahlt

Unsere Regressionsanalyse zeigt, dass die PM-Berufserfahrung den stärksten Einfluss auf das Jahresgehalt hat, d.h. es lohnt sich, kontinuierlich im Projektmanagement zu arbeiten. Auch die Übernahme von Verantwortung für Personal und / oder Budgets zahlt sich aus. Unabhängig von der Berufserfahrung und Position wirken sich auch Fortbildungen aus: Die Anzahl der Zertifikate hat durchgängig einen deutlichen positiven Einfluss auf das Gehalt. Auch die nicht beeinflussbaren Faktoren Unternehmensgröße und Geschlecht beeinflussen das Gehalt (siehe Bild 5).

PM-Berufserfahrung zahlt sich für Projektleiter aus

Bild 5: PM-Berufserfahrung zahlt sich für Projektleiter aus
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Strukturelle Rahmenbedingungen

Branche

Zwischen den Branchen gibt es deutliche Gehaltsunterschiede. Am oberen Ende rangieren Projektmanagerinnen und Projektmanager der Pharma- und Chemiebranche, der Finanzdienstleistungen und Elektrotechnik, die ein durchschnittliches Jahresgesamtgehalt zwischen 90.000 und knapp 100.000 Euro beziehen. Im unteren Bereich finden sich die Vertreter von Handel, Software und Ingenieurbüros wieder, die jeweils knapp 72.000 Euro verdienen (vgl. Bild 6).

Gehaltsstrukturen nach Branchen

Bild 6: Gehaltsstrukturen nach Branchen. Die Pharma- und Chemiebranche hat ihre Spitzenposition als bestbezahlender Arbeitgeber weiter ausgebaut.
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Unternehmensgröße

Auch die Größe eines Unternehmens macht sich bei den durchschnittlichen Jahresgehältern bemerkbar. Die höchsten Gehälter zahlen Großunternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern. Gleiches gilt für den Umsatz: In größeren Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro werden die höchsten Gehälter gezahlt (vgl. Bild 7).

Einfluss der Unternehmensgröße auf das Gehalt

Bild 7: Je größer und umsatzstärker ein Unternehmen, desto besser zahlt es. Eine Ausnahme bilden die Unternehmen mit 101-250 Mitarbeitern, die durchschnittlich weniger zahlen als viele kleinere Unternehmen.
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Persönliche Merkmale

Zentralen Einfluss auf die Gehaltsentwicklung haben auch persönlich unmittelbar beeinflussbare Faktoren.

Berufserfahrung

Für Projektmanagerinnen und Projektmanager lohnt es sich, langjährige Erfahrung im Projektmanagement aufzubauen, d.h. kontinuierlich im Projektmanagement zu arbeiten. Denn mit einer Berufserfahrung von mehr als 20 Jahren im Projektmanagement verdient man mehr als doppelt so viel wie ein Berufseinsteiger (vgl. Bild 8).

Zusammenhang zwischen Berufserfahrung und Gehalt

Bild 8: Zusammenhang zwischen Berufserfahrung und Gehalt. Es fällt auf, dass die erfahrensten Projektmanager den größten Gehaltszuwachs verzeichnen.
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Funktion und Verantwortungsbereiche

Die Jahresgehälter hängen auch stark von den Projektmanagementfunktionen und den übertragenen Verantwortungsbereichen ab. Während das durchschnittliche Jahresgesamtgehalt eines Projektmitarbeiters in Deutschland auf der Einstiegsstufe (5. Ebene) im Projektmanagement 60.752 Euro beträgt, verfügt ein PM-Direktor (1. Ebene) im Durchschnitt über ein jährliches Einkommen von 122.340 Euro (beide Angaben für männliche Beschäftigte).

Der größte Gehaltssprung erfolgt dabei zwischen den Ebenen des Projektleiters (3. Ebene), der ein Jahresgesamtgehalt von 75.235 Euro erreicht, und dem Senior-Projektleiter (2. Ebene) mit einem Jahresdurchschnittsgesamtgehalt von 98.761 Euro (vgl. Tabelle 3).

Tabelle 3: Gehaltsstruktur nach Projektmanagementebene in Deutschland
Deutschland (n=829) (Bruttoangaben in Euro) Grundgehalt Sonstige Leistungen Gesamt Anteil sonstige Leistungen Fallzahl
1. Ebene: PM Direktor 101.829 16.664 118.579 14,1% 90
2. Ebene: Senior-Projektleiter 83.825 11.515 95.553 12,1% 157
3. Ebene: Projektleiter 67.345 6.601 74.002 8,9% 422
4. Ebene: Teilprojektleiter 58.764 4.860 63.625 7,6% 84
5. Ebene: Mitarbeiter im PM 52491 3.596 56.150 6,4% 76

Auch die Übernahme von Verantwortung in Projekten macht sich bezahlt. Projektmanagerinnen und Projektmanager ohne jegliche Verantwortung verdienen deutlich weniger als jene, die Verantwortung in fachlicher, budgetärer oder disziplinarischer Hinsicht übernehmen. Am meisten verdient, wer die Gesamtverantwortung trägt (vgl. Bild 9).

österreichische Projektmanager ohne Führungsverantwortung verdienen durchschnittlich mehr als deutsche

Bild 9: In Österreich verdienen Projektmanager ohne Führungsverantwortung im Durchschnitt mehr als in Deutschland
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Weiterbildung

Eine zentrale Erkenntnis: Weiterbildung zahlt sich aus. Die Studie offenbart deutlich einen Zusammenhang zwischen Projektmanagement-Zertifizierung und durchschnittlichem Jahresgehalt. Die Studienteilnehmer ohne Zertifizierung erzielen im Durchschnitt ein Jahreseinkommen von 78.700 Euro; Inhaber eines Zertifikats IPMA Level A oder B (Projektdirektor bzw. Senior-Projektmanager) und jene mit einer PMP-Zertifizierung (Projekt Management Professional) gehören zu den Gruppen mit den höchsten Einkommen im Projektmanagement. Aber auch Zertifizierungen wie ein Scrum Master oder ein MBA-Studium mit Schwerpunkt auf Projektmanagement zahlen sich aus (vgl. Bild 10).

Einfluss von Zertifikaten auf das Gehalt

Bild 10: Zertifikate sind einiges Wert im Projektmanagement. Das gilt auch für solche abseits der "klassischen" Projektmanagement-Zertifizierungen, wie Scrum Master und ein MBA-Abschluss.
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Wie in Bild 11 dargestellt, zeigt die Studie aber auch, dass der wichtigste Beweggrund für eine Zertifizierung nicht das Gehalt ist. Ausschlaggeben ist vielmehr, das eigene praktische Wissen von anerkannter Seite dokumentieren zu lassen (76%) oder es zu erweitern (73%). Karrierepläne spielen ebenfalls eine wichtige Rolle (73%).

Bei der Entscheidung für eine Zertifizierung spielt die Aussicht auf mehr Gehalt nur eine Nebenrolle

Bild 11: Bei der Entscheidung für eine Zertifizierung spielt die Aussicht auf mehr Gehalt nur eine Nebenrolle
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Den Besitz eines Zertifikats betrachten die Befragten auf einer Skala von 1 (überhaupt kein Nutzen) bis 7 (sehr hoher Nutzen) vor allem als nützlich für die praktische Arbeit (Skalenwert 5) und weniger als Verhandlungsmittel für ein höheres Gehalt (Skalenwert 3). Der Nutzen für die berufliche Position (Skalenwert 3,9), die Stellensuche oder Akquise (Skalenwert 4,1) wird jeweils von etwa der Hälfte der Befragten hervorgehoben (vgl. Bild 12).

Projektmanager profitieren von Zertifizierungen

Bild 12: Projektmanager profitieren von Zertifizierungen vor allem in ihrer praktischen Arbeit
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Geschlecht

Auch das persönliche Merkmal "Geschlecht" spielt nach wie vor eine Rolle, wenn es um die Höhe des Verdienstes geht. Immer noch klafft hier eine Lücke zwischen Männern und Frauen, die allerdings kleiner wird. In den Gehaltsstudien 2013 und 2015 wurde noch ein deutlicher Unterschied von 23,6% im Berufsfeld Projektmanagement nachgewiesen. Mittlerweile beträgt dieser nur noch 14,1% (vgl. Bild 13).

Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen

Bild 13: Im Vergleich zu früheren Studien hat sich der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen deutlich verringert
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Digitale Transformation im Projektmanagement

Eine wichtige aktuelle Entwicklung stellt die digitale Transformation der Wirtschaft dar, weswegen wir diesen Aspekt auch in die Umfrage aufgenommen haben. Unter anderem wollten wir Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich die digitale Transformation auf Kommunikationsabläufe und Prozesse in der Projektarbeit auswirkt.

Von den neun ausgewählten Aspekten stuften die Befragten nur drei leicht überdurchschnittlich ein: Am positivsten wird die Wirkung der digitalen Transformation in Bezug auf die zentrale Ablage von Wissen, die Strukturierung von Arbeitsschritten in Projekten und die Optimierung von Prozessen gesehen. Nur eine Minderheit ist davon überzeugt, dass Projekte kostengünstiger oder schneller abgewickelt werden (vgl. Bild 14).

zurückhaltende Äußerungen der Projektmanager zum Thema Digitalisierung

Bild 14: Zu den Vorteilen der Digitalisierung äußern sich die Projektmanager eher zurückhaltend
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Die Digitalisierung ist angekommen in der Projektarbeit

Die Folgen der Digitalisierung für die Projektarbeit sind für die Befragten bereits spürbar. So werden im Projektmanagement verstärkt digitale Kommunikationstechniken eingesetzt. Auch in der Planung, Ausführung und Überwachung von Projekten lassen sich Veränderungen feststellen. Die Mehrheit der Befragten ist der Meinung, dass mit den sich ändernden Arbeitsweisen und eingesetzten Technologien die Anforderungen an die Projektmanagerinnen und Projektmanager steigen und dass Projekte bei der Digitalisierung eine große Rolle spielen. Gleichzeitig sind viele Studienteilnehmer der Ansicht, dass die finanziellen Ressourcen bzw. ein explizit bereitgestelltes Budget für Digitalisierungsprojekte fehlen.

Gefragt sind Geschwindigkeit, Flexibilität und Selbstorganisation

Auf die Frage, welche Anforderungen die Digitalisierung verstärkt an Projektmanagerinnen und Projektmanager stellt, nannten die Befragten an erster Stelle Reaktionsgeschwindigkeit und Flexibilität, gefolgt von steigenden Anforderungen an die Arbeitsgeschwindigkeit und die Fähigkeit zur Selbstorganisation.

Zufriedenheit im Beruf

Arbeitssituation und Arbeitszufriedenheit

Ein weiterer Fokus der Studie lag auf der Zufriedenheit mit Arbeit und Arbeitgeber sowie den Karriereperspektiven im Projektmanagement. Grundsätzlich ist die Mehrheit der Befragten mit ihrer aktuellen Tätigkeit im Projektmanagement sehr zufrieden, was vor allem daran liegen dürfte, dass die Arbeit als interessant und verantwortungsvoll empfunden wird. Unter den Befragten besteht kaum die Absicht, den Arbeitgeber zu wechseln (siehe Bild 15).

Im Projektmanagement Tätige sind überwiegend zufrieden mit ihrer Arbeitssituation

Bild 15: Im Projektmanagement Tätige sind überwiegend zufrieden mit ihrer Arbeitssituation
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Karrierepfade im Projektmanagement

Projektorientiertes Arbeiten wird zunehmend wichtiger. Unternehmen sollten Projektleiter deshalb langfristig an sich binden. Bastian Ekrot und Alexander Kock zeigen geeignete Maßnahmen auf …

Befragt nach den Karriereperspektiven ergibt sich allerdings ein anderes Bild. Alle hierzu gestellten Fragen werden mehrheitlich mehr oder weniger kritisch beantwortet. So existieren in den meisten Unternehmen keine klar definierten, transparenten Karrierepfade. Ausgerechnet die Aussage: "Mein Unternehmen bietet mir Karriereperspektiven im PM, die mit meinen persönlichen Zielen in Einklang stehen", findet besonders wenig Zustimmung bei den Befragten (siehe Bild 16).
Bei den Karriereperspektiven haben Unternehmen weiterhin Nachholbedarf

Bild 16: Bei den Karriereperspektiven im Projektmanagement haben die Unternehmen nach Meinung der Befragten weiterhin Nachholbedarf
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Zufriedenheit mit der Vergütung

Auch bei der Vergütung sehen die Studienteilnehmer noch Luft nach oben, sind aber nicht unzufrieden (Mittelwert 4 auf einer Skala von 1 bis 7, siehe Bild 17). Dabei bezeichnen sie die Kriterien, auf denen die Vergütung basiert (Mittelwert: 3,8) sowie die Vergütungsstruktur bezogen auf Projektarbeit (Mittelwert:3,3) mehrheitlich als nicht transparent. Ähnlich wie bereits in der Studie von 2015 orientiert sich die Vergütung für Projektarbeit häufig immer noch an der Linie und nicht an der Leistung in Projekten (Mittelwert: 2,8).

Allerdings scheinen viele Unternehmen mittlerweile für die Problematik "Projekt vs. Linie" sensibilisiert zu sein, da offensichtlich die gehaltliche Benachteiligung der Projektmitarbeiter gegenüber der Linie spürbar zurückgegangen ist. Waren 2015 die Projektmanager noch überwiegend der Meinung, dass ihr Gehalt im Vergleich zu den Kollegen in der Linie deutlich geringer sei, berichten die Studienteilnehmer in diesem Jahr, dass ihr Gehalt ungefähr dem der Linie entspreche.

moderate Zufriedenheit mit der Vergütung

Bild 17: Die Zufriedenheit mit der Vergütung ist moderat, aber höher als bei der vorigen Studie
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Fazit

Als wichtigste Ergebnisse der Gehaltsstudie 2017 lassen sich folgende Erkenntnisse festhalten:

  • Gehalt und persönliche Einflussmöglichkeiten: Auf das Gehalt haben eine ganze Reihe von Faktoren einen unterschiedlich starken Einfluss. Es hat sich gezeigt, dass insbesondere persönliche Faktoren ein hohes Gewicht haben. Vor allem der Aufbau einer langjährigen Erfahrung und die Übernahme entsprechender Verantwortung wirken sich signifikant auf die Höhe des Gehalts aus.
  • Gehalt und Geschlecht: Die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern scheint sich beim Vergleich mit den vorigen Auflagen der Studie zu verringern. Dennoch ist sie immer noch so groß, dass noch nicht von einer Gehaltsgerechtigkeit gesprochen werden kann.
  • Digitalisierung im Projektmanagement: Die Digitalisierung macht sich auch im Projektmanagement bemerkbar. Dies zeigt sich insbesondere in der zunehmenden Geschwindigkeit und der dadurch vermehrt erforderlichen Flexibilität und Selbstorganisation des Einzelnen.
  • Karriere und Weiterentwicklung im Projektmanagement: Obwohl die Projekttätigkeit weiter an Bedeutung gewinnt, sind Karriereperspektiven für Mitarbeiter in Projekten nach wie vor unbefriedigend.

 

Bewertungen und Kommentare

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Alle Kommentare (6)

Rainer
Lingmann
Danke für die Untersuchung und den Artikel. Könnten Sie bitte die Tabelle 2 (Grundgehalt und leistungsbezogene Entlohnungsanteile von Projektmanagern in 2017) noch etwas näher erläutern? Verzeihen Sie, wenn die folgenden Fragen aus Sicht eines Statistikers möglicherweise naiv sind, aber ich bin nur ein Diplom-Physiker, der Thermodynamik schnellstmöglich abgewählt hat ;-) Mir ist unklar, warum sich die in keiner Zeile die angegebenen Werte für Grundgehalte und Leistungsbezogene Entlohnung zum angegebenen Gesamtgehalt addieren. Handelt es sich jeweils getrennt voneinander um bspw. den 25%-Wert für Grundgehalt, für Leistungsbezogene Entlohnung und für das Gesamtgehalt? Ist mit "25%-Wert" das entsprechende Quantil gemeint, also der Wert, der die 25% niedrigsten Angaben von den 75% der übrigen Angaben trennt? Ist der 50%-Wert also auch der Median? Was bedeutet das "bis" bei einigen Angaben? Müsste nicht jeder x%-Wert eine konkrete Zahl sein? Wie groß waren die Gehaltsbereiche, die Sie für den häufigsten Wert Modus geclustert haben? Oder haben Sie 78.000 € Gehalt und 78.001 € Gehalt als unterschiedliche Werte betrachtet?

 

Hallo Herr Lingmann, danke für Ihren Kommentar. In dem Zuge haben wir Fehler in der Zeile zum 25%-Wert gefunden und korrigiert. Ihre Frage dürfte weiterhin bestehen bleiben.

 

Rainer
Lingmann
Danke, aber meine Fragen bleiben tatsächlich noch alle offen. Nur die nach dem "bis" hat sich geklärt, weil das jetzt weggefallen ist.

 

Lieber Herr Lingmann, vielen Dank für das aufmerksame Lesen. Die Werte zu den Quartilen sind wie folgt zu interpretieren: 25%-Wert: der jeweils höchste Wert im 25% Quartil. Der 50%Wert ist die Obergrenze im zweiten Quartil, der 75%-Wert die im dritten Quartil. Jeder der drei Variablen (Grundgehalt, Leistungszulage, Gesamtgehalt) wird jeweils neu nach Zahlenwert aufgereiht und genau der Quartilsgrenzwert angegeben. In der Berechnung werden die drei Variablen daher nicht statisch miteinander verknüpft. So können z.B. die variablen Gehaltsbestandteile in der Gruppe mit geringerem Grundgehalt teilweise größer sein als in der Gruppe der mittleren Verdiener usw. Daher addieren sich die Werte nicht zeilenweise auf. In der Zeile Mittelwert und Modus finden sich die entsprechenden Werte für die gesamte Stichprobe. Ich hoffe das trägt zu Klärung bei. Beste Grüße Andreas Wald

 

Martin
Grarock
Ich habe zu der Aussage "Unter den Befragten besteht kaum die Absicht, den Arbeitgeber zu wechseln (siehe Bild 15)." folgenden Kommentar: Genau diese Frage hat innerhalb dem Fragenblock den geringsten Wert und weicht signifikant von den anderen Ergebnissen ab. Auch wenn der Wert absolut gesehen hoch ist, würde ich doch eine gewisse Wechselbereitschaft erkennen. Wie sehen Sie das?

 

Lieber Herr Grarock, das Ergebnis zur Wechselabsicht ist hier recht nahe zur Skalenmitte, daher unsere Interpretation „kaum“. Sie haben natürlich recht, man kann daraus nicht folgern dass überhaupt keine Wechselabsicht vorliegt. Beste Grüße Andreas Wald