Tipp: Kommunikation – Rollenkonflikte erkennen und vermeiden

Klarer kommunizieren mit dem Drei-Welten-Modell

Rollenkonflikte im Arbeitsalltag lassen sich vermeiden, wenn einem bewusst ist, ob man sich gerade in der privaten oder der beruflichen Rolle befindet. Doch um Rollenkonflikte noch besser zu erkennen, sollte die berufliche Rolle weiter unterteilt werden. Elisabeth Wagner bedient sich dafür eines einfachen Modells.

"Aber ich habe doch… und das ist jetzt der Dank!" Wenn Sie in Ihrer Projektarbeit solche Äußerungen hören oder sogar selber denken, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Rollenkonflikt vorliegt: Vielleicht haben Sie in einer bestimmten Rolle, z.B. als fachlicher Experte, Gutes getan und dafür Anerkennung von Jemandem erhalten. Doch kurz darauf werden Sie von derselben Person kritisiert – diesmal allerdings in ihrer Rolle als Verantwortlicher für ein größeres Aufgabenpaket. Wenn Ihnen diese unterschiedlichen Rollen, die Sie aktuell einnehmen, nicht bewusst sind, werden Sie mit Verwirrung, Verärgerung und ähnlichen Missstimmungen reagieren.

Bekannt ist, dass wir grundsätzlich mit Rollenkonflikten besser umgehen können, wenn wir nur darauf achten, ob wir uns gerade in der privaten oder in der beruflichen Rolle befinden. Der Psychologe Dr. Bernd Schmid fügt in dem von ihm entwickelten Drei-Welten-Modell dieser Unterscheidung eine weitere Kategorie hinzu, indem er die berufliche Rolle weiter unterteilt in die Professionswelt und die Organisationswelt. Diese Unterscheidung kann dabei helfen, Rollenkonflikte im Berufsalltag besser zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren.

Beispiel 1: Rollenkonflikt mit Beteiligung der Rolle "Privatperson"

Ulrich A. freut sich. Während des Mittagessens hat er sich mit dem Projektleiter Paul B. zum ersten Mal richtig gut unterhalten. Das Gespräch drehte sich um ihre kleinen Kinder, denn zufälligerweise sind beide gerade auf der Suche nach einem Kindergartenplatz. Damit hat Ulrich endlich mit dem sonst recht unnahbaren Projektleiter eine persönliche Ebene gefunden.

Drei Tage später folgt die Ernüchterung: Ulrich bittet Paul um einen freien Tag am zehnten Geburtstag seiner älteren Tochter. Doch dieser reagiert ablehnend und beendet nach Ulrichs mehrfachem Insistieren das Gespräch mit der Bemerkung: "An dem Tag haben wir die Präsentation vor unserem Lenkungskreis und Sie sind der wichtigste Wissensträger. Da kann ich nicht auf Sie verzichten. Antrag abgelehnt." Ulrich ist tief enttäuscht: Er hatte von Paul, der ja schließlich auch Vater ist, mehr Entgegenkommen erwartet. Da hatten sie so ein gutes Gespräch – und jetzt das!

Beispiel 2: Rollenkonflikt ohne Beteiligung der Rolle "Privatperson"

Martin C. ist als Entwickler bei einem IT-Dienstleister tätig und arbeitet derzeit in einem Software-Entwicklungsprojekt bei einem Kunden vor Ort. Er ist für einen Teil der Softwareentwicklung zuständig und nimmt außerdem die Rolle des Teamleiters für seine Firma wahr. Aktuell läuft die Arbeit hervorragend. Für die Programmierung der neuen Benutzeroberfläche hat er ein tolles Feedback von seinem Kunden erhalten; Sabine D., die Projektleiterin auf Auftraggeberseite, hat sich vor versammelter Mannschaft für die gute Arbeit bedankt, die sogar schneller und besser ausgeführt worden sei als vereinbart.

So läuft es Martin eiskalt den Rücken runter, als dieselbe Projektleiterin die aktuelle Monatsrechnung nicht zur Zahlung freigibt mit der Begründung, das Wartungskonzept sei noch nicht fertig. Martin ist empört: "Wie hinterhältig". Sabine hatte

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