Mit frischem Blick zur Lösungsfindung

Kreative Ideen mit der Reizwortanalyse

Ein Projekt ist immer etwas Einmaliges und Neues, daher sind kreative Ideen ein Muss. Projektteams denken jedoch häufig zu sehr in gewohnten Mustern, als dass sie neue Ideen finden könnten. Die Reizwortanalyse ermöglicht einen frischen Blick auf die Herausforderung, der den Ideenfluss anregt und schließlich zu innovativen Lösungen führt. Michaela Stach und Gerd Schniedermann stellen diese einfache Methode an einem Beispiel vor.
Mit frischem Blick zur Lösungsfindung

Kreative Ideen mit der Reizwortanalyse

Ein Projekt ist immer etwas Einmaliges und Neues, daher sind kreative Ideen ein Muss. Projektteams denken jedoch häufig zu sehr in gewohnten Mustern, als dass sie neue Ideen finden könnten. Die Reizwortanalyse ermöglicht einen frischen Blick auf die Herausforderung, der den Ideenfluss anregt und schließlich zu innovativen Lösungen führt. Michaela Stach und Gerd Schniedermann stellen diese einfache Methode an einem Beispiel vor.

Kreativ sein, wer will das nicht? Oder besser gefragt: Wer muss das nicht? Laut den Experten des Zukunftsinstituts in Frankfurt am Main befinden wir uns sogar "an der Schwelle zu einem Zeitalter, in dem Ökonomie und wirtschaftliches Wachstum primär auf Wissen und Kreativität basieren" (siehe Zukunftsinstitut). Kreativität stellt also keine Kür dar, sondern gehört zum Pflichtprogramm. Das gilt verstärkt für Projekte, entfalten diese doch die größte Innovationskraft in Organisationen. Neue Denkansätze und ungewöhnliche Herangehensweisen können auch hier der Schlüssel zu zielführenden Lösungen sein (siehe dazu auch "Wie Projekte von Design Thinking profitieren", Projekt Magazin 19/2016).

Eine wunderbare Methode, um der Kreativität auf die Sprünge helfen, stellt die Reizwortanalyse dar, die ich Ihnen nachfolgend anhand eines Beispiels Schritt für Schritt vorstelle. Das Besondere dieser Methode ist, dass der Zufall hierbei als Schlüssel zum Erfolg fungiert. Prominente Beispiele für zufällig entstandene Erfolgsideen gibt es übrigens zuhauf.

Die Kraft des Zufalls nutzen

Ein eindrucksvolles Beispiel für die Macht des Zufalls sind die bekannten Haftnotizen. Der Klebstoff, den diese verwenden, basiert auf einem 1968 erfundenen Rezept, das ursprünglich eine Art Superkleber hervorbringen sollte – stärker als alle bekannten Kleber. Es entstand allerdings nur eine klebrige Masse, die sich zwar überall auftragen – genauso leicht aber wieder ablösen ließ. An dieses erfolglose Projekt erinnerte sich ein Kollege des Erfinders im Jahr 1974. Der Chorsänger ärgerte sich, dass seine Lesezeichen im Liederbuch immer herausfielen, sobald er die Seite aufschlug. Er holte sich eine Probe aus dem Labor und in der Tat: Mit diesem Kleber konnte er seine Lesezeichen einkleben und wieder ablösen, ohne hierbei seine Notenblätter zu beschädigen. Die Erfolgsgeschichte der Post-its begann.

Bei den Post-its dauerte das Warten auf den Zufall sechs Jahre. Mit der Reizwortanalyse machen Sie den Zufall zu Ihrem Erfolgspartner! Ihr wichtigstes Arbeitsmaterial bei dieser Methode sind willkürliche Zufallsbegriffe, sogenannte Reizworte. Es handelt sich hierbei um allgemein bekannte, gegenständliche Begriffe, die mit der Aufgabenstellung absolut nichts zu tun haben.

Beispiel: Techniker zu Kreativen

Ein mittelständiges Unternehmen möchte auf der nächsten Messe seine neuentwickelte Selbstbedienungskasse vorstellen. Die Aufgabenstellung für das Projektteam lautet: "Entwickeln Sie ein Konzept für einen Messestand. An diesem soll unsere neue Selbstbedienungskasse präsentiert werden. Wie können wir unsere Kunden damit begeistern?"

Zwar brennen die Teammitglieder darauf, dem Kunden ihre Innovation zu präsentieren. Sie sind jedoch gedanklich stark in ihrem technisch geprägten Arbeitsumfeld verankert, sodass es ihnen schwer fällt, für die Ausgestaltung der Präsentationsfläche zündende Ideen zu finden. Der Projektleiter greift daher auf die Reizwortanalyse zurück und lädt seine Teammitglieder zu einem etwas anderen Meeting ein.

Rahmenbedingungen und Vorbereitung

Optimal lässt sich diese Methode in Teams mit drei bis sechs Teilnehmern durchführen. Ist die Gruppe größer, sollten Sie sie aufteilen und parallel an unterschiedlichen Begriffen arbeiten. Als zeitlichen Rahmen für eine einzelne Gruppe, die nacheinander mit mehreren Reizworten arbeitet, sind ein bis eineinhalb Stunden angebracht. Arbeiten zwei oder mehr Teams parallel, können sie schon innerhalb von 30 Minuten eine beachtliche Anzahl innovativer Ideen entwickeln.

Die größte Kreativitätsbremse ist die Angst der Teilnehmer, dass ihre neuen – vermeintlich verrückten – Ideen belächelt werden. Deshalb ist der Moderator gefordert, genau dies zu thematisieren und dem mit frühzeitigem Dagegenreden entgegenzuwirken. Ideen, die tausendfach erprobt sind, kennen wir alle! Hierfür braucht es keine Kreativitätstechnik! Gefragt sind neue und ungewöhnliche Ansätze – und genau diese klingen im ersten Moment meist etwas fremd.

Neben einem ausreichend großem Meetingraum benötigen Sie eine Moderationswand, bzw. ein Flipchart oder Whiteboard. Entweder die Teilnehmer schreiben direkt darauf oder sie arbeiten mit klassischen bzw. selbst haftenden Kärtchen.

Auch ein Raumwechsel kann die Kreativität beflügeln. Wählen Sie für die Reizwortanalyse wenn möglich einen anderen Raum, als den Sie gewöhnlich nutzen. Z.B. können Sie bei gutem Wetter und falls Sie einen geeigneten Platz haben, ein solches Meeting auch unter freiem Himmel abhalten.

Schritt 1: Einstimmung

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Karin
Braun
Das klingt so interessant, dass ich es unbedingt einmal ausprobieren möchte! Danke für die Anregung ;-)
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