Projekte im Industrieanlagenbau

Risiken vermindern mit präventivem Claimsmanagement

Können Projektleistungen nicht zum vertraglich vereinbarten Termin umgesetzt werden, muss der Auftragnehmer oft Verzugsstrafen zahlen. Selbst wenn er für die Verzögerung nicht direkt verantwortlich ist, wird sein Projektertrag dadurch stark reduziert. Für Auftragnehmer ist es deshalb wichtig, ein solides Claimsmanagement zu betreiben, und die Risiken abzuwälzen oder zu minimieren. Volker Stroh stellt wichtige Methoden und Instrumente des zeitlichen Claimsmanagements vor. Der Schwerpunkt liegt auf präventiven Ansätzen; operative Fragen werden ebenfalls beleuchtet.

In Projekten des Industrieanlagenbaus entscheidet ein professioneller Umgang mit Vertragsstörungen über den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg eines Projekts. Um den Projektertrag abzusichern, ist es deshalb wesentlich, ein solides Claimsmanagement zu betreiben und auf diese Weise Risiken abzuwälzen oder zu minimieren. Im Folgenden werden wichtige Methoden und Instrumente des zeitlichen Claimsmanagements vorgestellt. Der Schwerpunkt liegt auf präventiven Ansätzen; operative Fragen werden aber ebenfalls beleuchtet.

Termintreue entscheidet über Gewinn oder Verlust

Im Maschinen- und Anlagenbau basieren Projekte auf einem Kundenauftrag und folgen einem Vertrag. Dieser ist eine Vereinbarung über ein festgelegtes Leistungs- und Liefersoll, das in einer bestimmten Zeit und zu einem bestimmten Preis erbracht werden muss. Strukturiert man die Risiken des Projekts in dieser Systematik, erhält man

  • Risiken bezüglich des Leistungs- und Liefersolls
    z.B. bei einer Neuentwicklung die Zusage einer technischen Verfügbarkeit, die evtl. nicht in der versprochenen Höhe gewährleistet werden kann.
  • Zeitrisiken
    z.B. hohe Verzugsstrafen bei Terminüberschreitungen.
  • Kosten- und Erlösrisiken
    z.B. hohe Preisschwankungen für Zulieferteile bei einem Festpreis-Vertrag.

Der zunehmende internationale Wettbewerb hat nicht nur zu einem stärkeren Preisdruck im Maschinen- und Anlagenbau geführt, sondern auch die zeitlichen Risiken in seinen Projekten deutlich anwachsen lassen. Das schlägt sich nieder in sinkenden Durchlaufzeiten, höheren Verzugshaftungen und einer nachlassenden Kulanz der Vertragspartner beim Geltendmachen von Schadensersatzansprüchen oder Vertragsstrafen. Damit wird es zunehmend wichtiger, den Zeitplan im Projekt zu kontrollieren.

Claimsmanagement (auch Vertrags-, Contract-, Nachforderungs- oder Claim-Management) befasst sich primär mit dem Geltendmachen oder Abwehren von Ansprüchen, die nicht vertraglich zwischen den Parteien geregelt waren. Diese Ansprüche entstehen aus Abweichungen des tatsächlichen (Ist) vom geplanten (Soll) Projektverlauf und haben zum Teil erhebliche Folgen für den Kosten- und Zeitrahmen des Projekts. Die wichtigsten Aufgaben im Rahmen des Claimsmanagements sind deshalb, alle Abweichungen geplant und kontrolliert vorauszusehen, zu beobachten, festzustellen und zu dokumentieren.

Aus Sicht des Claimsmanagements entscheidet vorrangig der Faktor Zeit über das Projektergebnis. Der Zeitfaktor wirkt sich einerseits direkt aus, weil Einzahlungen des Kunden, aber auch eigene Schadensersatz- oder Strafzahlungen oft an Projekttermine geknüpft sind. Andererseits ist der Einfluss indirekt, weil der größte Anteil der Kosten, die aus Störungen des geplanten Projektverlaufs resultieren, zeitabhängig ist. Die Prävention von Terminverzögerungen und - falls dies nicht gelingt - der erfolgreiche Umgang mit daraus entstehenden Ansprüchen auf Verlängerung der Leistungszeit (Zeitclaims) sind somit wesentliche Elemente, um Risken zu begrenzen und den Projektertrag zu sichern.

Störung 1: Inkrafttreten des Vertrags

Eigentlich war das Projekt bei Mega-Oil gut angelaufen. Der Anlagenbauer Raffi & Niert (R&N) hatte die Ertüchtigung der Erdölaufbereitung in Kasachstan technisch und wirtschaftlich sauber geplant, die Zusammenarbeit und die Schnittstellen zwischen den Projektpartnern waren klar und auch der Zeitplan machte einen soliden Eindruck.

Allerdings stellte

Anzeige
Jetzt kostenlos weiterlesen!
Abonnenten des Projekt Magazins wissen mehr!
Starten Sie jetzt unser 4-wöchiges Kennenlern-Angebot: Die Anmeldung dauert nur ein paar Minuten – Sie können also gleich weiterlesen.
  • KostenlosDas Kennenlern-Angebot kostet Sie nichts.
  • Kein RisikoSie können jederzeit kündigen, ohne dass Ihnen Kosten entstehen.
  • Einen Monat lang alles lesen4 Wochen Online-Zugriff auf alle Inhalte des Projekt Magazins.
Tech Link