Wie gut kooperieren Deutsche und Engländer?

Geschäftsbeziehungen im internationalen Umfeld sind dann am erfolgreichsten, wenn jeder die Kultur des Partners kennt und damit verbundene Spielregeln achtet. Reagiert der sonst freundliche Kooperationspartner plötzlich ungewohnt schroff, ging dem häufig eine ungewollte Missachtung kulturspezifischer Regeln voraus. Wie die Deutschen beim interkulturellen Umgang mit den Engländern abschneiden, sollte eine Befragung von englischen Geschäftsleuten klären. Sonja Nitsch, Kristina Gramberg und Ria Ströhlein stellen das Ergebnis der Untersuchung vor und zeigen, auf was Sie bei der deutsch-englischen Zusammenarbeit achten sollten.

Wer im internationalen Umfeld arbeitet, macht oft folgende Erfahrung: Im Kontakt mit einem ausländischen Kollegen ergibt sich plötzlich eine unvorhersehbare Irritation. Beispielsweise reagiert der sonst so freundliche Kooperationspartner trotz mehrmaliger Anfrage gar nicht oder ungewohnt schroff. So ein kritisches Ereignis (Critical Incident) tritt in der Kooperation von Vertretern unterschiedlicher Kulturkreise immer dann auf, wenn (meist unausgesprochene) Spielregeln der einen oder anderen Kultur aus Unkenntnis verletzt werden. Die kulturellen Spielregeln beziehen sich dabei sowohl auf Arbeitsabläufe oder den Umgang mit Zeit als auch auf das Verhalten im Team. Das kulturelle "Rollenskript" für den Alltag eines jeden von uns ist dabei größtenteils unbewusst und so filigran, dass selbst feine Signale der Körpersprache, wie z.B. Blickkontakt (ja oder nein?), Abstand zum Gegenüber in Zentimeter usw. eine Rolle spielen und zu Spielregelverletzungen führen können.

Große international tätige Unternehmen investieren bereits beträchtliche Summen in interkulturelle Trainings, um ihre Mitarbeiter für den Umgang mit internationalen Kooperationspartnern zu sensibilisieren. Allzu schnell führen "kulturelle Spielregelverstöße" sonst zu einer Antipathie, die oft einen Kontaktabbruch nach sich zieht. Nach Expertenschätzungen scheitern gut ein Drittel aller Auslandsakquisitionen jährlich genau daran. Und dann wird es richtig teuer.

Ein Beispiel

Ein deutscher Projektleiter fliegt einmal im Monat für jeweils einen Tag nach London, um dort in einem mehrstündigen Meeting mit seinen beiden englischen Mitarbeitern den Projektstatus zu erörtern und das weitere Vorgehen zu erarbeiten. Der Projektleiter möchte die knapp bemessene Zeit bestmöglich ausnutzen; er bereitet sich gründlich auf das jeweilige Treffen vor und besteht auf der Einhaltung seiner vollgepackten Agenda. Ihm fällt allerdings auf, dass er in den Meetings meist die einzige treibende Kraft ist. Kürzlich hatten seine Mitarbeiter außerdem recht barsch reagiert, als er sie nach ausgiebiger Kaffeepause auf die knappe verbleibende Zeit hingewiesen hatte. Warum kann er sich nicht erklären.

Studie zur Kooperation zwischen Engländern und Deutschen

Wir wollten wissen, welche Regeln bei der Kooperation von deutschen und englischen Geschäftspartnern wichtig sind und haben deshalb untersucht, wie englische Geschäftsleute über ihre Partner aus Deutschland denken - und umgekehrt. Befragt wurden 53 Geschäftsleute(davon 22 im Management), wobei die Antworten frei formuliert werden konnten. Ausgewertet wurde, wie viel Prozent der Befragten übereinstimmende Eigenschaften genannt hatten.

Gemessen an vorangegangenen Untersuchungen, bei denen die Meinung unserer osteuropäischen Nachbarn gefragt war (Fazit: Deutsche seien "pedantisch", "betrieben modernen Kolonialismus in Osteuropa" und litten permanent unter "Durst nach Überlegenheit", siehe auch "Ost meets West - Projektarbeit in Russland, Ausgabe 09/04, fielen die Ergebnisse der vorliegenden Studie recht erfreulich aus.

Die Engländer sehen uns Deutsche durchaus als sehr effiziente, ehrliche und verantwortungsbewusste Kooperationspartner, bei denen sich der Spaßfaktor in der Zusammenarbeit aller

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