Handbuch Projektmanagement

Informationen zum Buch
Handbuch Projektmanagement
Autor: Bernecker, Michael; Eckrich, Klaus
ISBN: 3486274449
Verlag: R. Oldenbourg Vlg.
Jahr: 2003
Ort: München
Seitenanzahl: 520 Seiten
Medienart: geb.
Preis: 49,80 €
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Rezension von Dr. Georg Angermeier

Für eilige LeserInnen: Insgesamt ein gutes Buch mit einigen Highlights.

Es ist schwierig, dieses Buch einzuordnen. Einerseits bietet es eine große Fülle an Themen, andererseits behandelt es diese nicht ausreichend. Einerseits schart der Herausgeber viele hochkompetente Einzelautoren um sich, andererseits gelingt es ihm nicht überzeugend, die Einzeldarstellungen aufeinander abzustimmen. Einerseits bieten manche Beiträge ein hohes Niveau, andererseits bezweifelt man bei manchen, ob die Autoren aus Erfahrung sprechen.

Es erscheint also nicht möglich, eine dem ganzen Buch gerecht werdende Beurteilung geschweige denn eine eindeutige Kaufempfehlung für bestimmte Leser zu geben. Die Kaufentscheidung sollte also mehr vom Blick ins Detail geprägt sein.

In insgesamt 24 Einzelbeiträgen tragen ca. 22 Autoren in Monografien einzelne Aspekte des Projektmanagements zusammen (die Zahlen sind von Hand ausgezählt - es fehlt ein Autorenverzeichnis). Die Beiträge reichen in der Abfolge des Projektverlaufs von der Projektinitialisierung über Projektplanung und Projektdurchführung bis zum Projektabschluss. Ergänzend werden die speziellen Aspekte Wissensmanagement, Internationale Projektarbeit und EDV-Einsatz im Projektmanagement behandelt.

Eindeutige Highlights sind die beiden Beiträge von Manfred Bundschuh. Sowohl die Überlegungen zum Systembegriff, in denen es um die Frage der Komplexitätsbewältigung geht, oder die - leider zu knappen - Ausführungen zu seinem Spezialthema, der Aufwandsschätzung von Projekten habe ich mit Gewinn gelesen.

Fachlich einwandfrei, verständlich und logisch aufgebaut, aber ein wenig trocken führen die Einzelbeiträge durch die wesentlichen Bereiche des klassischen Projektmanagements. Für Projektstrukturierung, Zeitplanung, Aufwandsschätzung, Budgetierung, Controlling usw. findet man jeweils die Grundlagen ordentlich präsentiert und hat eine stabile Grundlage für das Arbeiten.

Leider wiederholt sich manches, es würde z.B. genügen, die Projektstrukturierung nur einmal darzustellen und nicht mehrfach unter verschiedenen Aspekten erneut aufzugreifen. Eine Straffung in diesem Sinne würde zwar manche Details kosten, aber dafür könnte man Platz schaffen für so wichtige Punkte wie Führung im Projekt und Qualitätsmanagement, die leider völlig außer Acht gelassen werden.

Dabei sind einzelne Beiträge wirklich lesenswert und überzeugend. Der Beitrag von Joachim Bellut z.B. über die Gestaltung des Kick-Off-Meetings ist die beste mir bekannte Darstellung in der Fachliteratur über den konkreten Projektstart. Man merkt, dass der Autor hier den Leser am liebsten bei der Hand nehmen und mit ihm sein nächstes Kick-Off-Meeting gestalten möchte. Davon übrig geblieben ist eine vierseitige Checkliste, die sehr ausführlich alle Aspekte eines guten Projektstarts beleuchtet. Schade nur, dass sie ihr Dasein in einer traurigen Kästchenformatierung fristen muss .

Zu dünn ist hingegen die nur sechsseitige Darstellung des so eminent wichtigen Themas "Lasten- und Pflichtenheft". Gut, dass es auch noch andere Bücher zur Ergänzung gibt. Schlecht, dass sie nicht im Literaturverzeichnis aufgeführt werden.

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Explizit zu kritisieren ist schließlich der Beitrag über den Einsatz von Projektmanagement-Software in Projekten. Für ein im Jahr 2003 erschienenes Buch dürfte man erwarten, dass zum einen die Liste möglicher PM-Software auch die internetbasierten Tools aufführt, vor allem aber sollten die, anscheinend von diversen Quellen falsch abgeschriebenen, Adressen der aufgeführten Hersteller überprüft und korrigiert werden. So heißt die Scitor GmbH schon lange Le Bihan GmbH, Management und Software im Bauwesen ist mittlerweile Asta Development und die INTECO GmbH residiert in der Stethaimer Str. und nicht in der Schillerstr. in Landshut. Und dass im Internetzeitalter nicht einmal die gültigen Internetadressen recherchiert wurden spricht für sich und gegen den Beitrag. Der Autor bemüht sich zwar redlich, in zahlreichen Aufzählungen Kriterien für den Einsatz von PM-Tools zu benennen - aber er kennt anscheinend nicht einmal den Unterschied zwischen Einzelplatzanwendungen und unternehmensweiten, datenbankgestützten Multiuser- und Multiprojekt-Systemen. Und schließlich ist nichts gegen MS Project einzuwenden - immerhin schwimmen alle anderen Hersteller im Kielwasser des Marketingdampfers Microsoft mit - aber von einem hochqualitativen Fachbuch erwarte ich mir eine neutralere Haltung gegenüber Produktherstellern. Beispielsweise könnte der Autor seine Kompetenz unter Beweis stellen, indem er die jeweiligen Rosinen der einzelnen Produkte präsentiert.

Wer kritisiert, muss belegen, deswegen die Ausführlichkeit des letzten Punktes, auch um den Leser vor Enttäuschungen zu bewahren.

Brauchbar ist es als Einführungs- und Nachschlagewerk für einzelne Themen, weniger als Handbuch für das gesamte Projektmanagement.



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