Eskalation

Allgemein bedeutet Eskalation, dass ein Zustand oder eine Situation eine qualitativ höhere Stufe einnimmt. Meist bedeutet dies, dass sich negative Eigenschaften eines Zustands verstärken, oft im Sinne der Zuspitzung einer Krisensituation.

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In organisatorischen Zusammenhängen hat Eskalation zwei Bedeutungen:

1) Die meist unkontrollierte und nicht steuerbare Intensivierung einer Konflikt- oder Krisensituation. Eskalation ist hierbei der Gegensatz zu Deeskalation
2) Das Anrufen einer höheren Hierarchiestufe um eine Entscheidung zu bewirken, wenn die Situation mit den eigenen Befugnissen nicht bewältigbare ist. Eskalation ist in diesem Fall der Gegensatz zu Delegation.

zu 1: Intensivierung einer Konflikt- oder Krisensituation

Eskalation bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein sich selbst verstärkender Regelkreis (positive Rückkopplung) den Konflikt oder die Krise verschärft. Beispielsweise kann ein Liquiditätsengpass dazu führen, dass die Bank die Bonität des Unternehmens anzweifelt und deshalb den Kreditrahmen reduziert, was wiederum die Liquidität verringert.

zu 2: Anrufen einer höheren Hierarchiestufe

Das sog. Subsidiaritätsprinzip besagt, dass jede Führungsebene alle Entscheidungen selbst treffen soll, zu der sie befähigt ist. Dies führt im Normalfall zur konsequenten Delegation von Aufgaben von oben nach unten, so wie es im Konzept des Management by Delegation vorgesehen ist.

Falls eine Entscheidungsebene nun mit einer Situation konfrontiert ist, die sie nicht mehr selbständig bewältigen kann, muss sie diese auf die nächst höhere Hierarchiestufe eskalieren. Dies ist das Prinzip des Managements by Exception. Beispielsweise kann im Verlauf eines Projekts die Notwendigkeit einer Budgeterhöhung auftreten, die über den Entscheidungsrahmen des Projektleiters hinausgeht. In diesem Fall muss er den Lenkungsausschuss oder den Auftraggeber anrufen. Diese müssen dann entscheiden, ob z.B. das Budget erhöht, das Projektziel reduziert oder das ganze Projekt gestoppt wird.

zu 1 und zu 2:

Anrufen einer höheren Hierarchiestufe und Intensivierung einer Krisen- oder Konfliktsituation treten sehr oft gemeinsam auf. Daher erfolgt oft keine genaue Abgrenzung der beiden Bedeutungen von "Eskalation". Dennoch kann eine sich zuspitzende Krisensituation auch ohne Einschaltung einer höheren Führungsebene gelöst werden. Beispielsweise kann ein Projekteiter durch Aushandeln von Zahlungsbedingungen und Verschieben kostenintensiver Arbeitspakte auch selbst die Liquidität eines Projekts verbessern. Ebenso bedeutet die Eskalation einer Entscheidung nicht immer eine Konfliktsituation. Bei nicht auflösbaren Ressourcenkonflikten zwischen zwei Projekten sollten die Projektleiter nicht miteinander streiten, sondern gemeinsam von der Unternehmensleitung eine strategische Entscheidung einfordern.

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Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 19.11.2007.
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