MoSCoW

MoSCoW ist ein Akronym für eine vierstufige Prioritätenskala zur Bewertung von Anforderungen.

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Dabei stehen die Buchstaben M,S,C und W für:

  • M: Must (Muss)
  • S: Should (Soll)
  • C: Could (Kann)
  • W: Won't have (Nicht zu erfüllen)

Die ergänzenden "o" dienen lediglich zur Bildung eines aussprechbaren Wortes und damit der leichteren Merkbarkeit

Priorität Must

Anforderungen mit der Priorität "Must" sind auf jeden Fall umzusetzen und sind Mindestvoraussetzung für eine Abnahme.

Beispiel: Bei der Neuentwicklung eines Autoreifens gilt als unverzichtbare Anforderung: Der Bremsweg bei regennasser Fahrbahn muss um mindestens fünf Prozent reduziert werden.

Priorität Should

Should-Anforderungen sind ebenfalls Bestandteile des vereinbarten Leistungsumfangs, können aber entweder zu einem späteren Zeitpunkt geliefert werden oder nach Genehmigung durch den Auftraggeber entfallen. Wenn eine Should- und eine Must-Anforderung zueinander im Widerspruch stehen, dann hat die Must-Anforderung Vorrang bei der Umsetzung.

Beispiel: Der Rollwiderstand des neuen Autoreifens soll auf trockener Fahrbahn um drei Prozent gesenkt werden.

Priorität Could

Die mit "Could" bewerteten Anforderungen sind nicht Bestandteil des Leistungsumfangs. Sie dienen dazu, nützliche Nebeneffekte zu beschreiben, die ohne Kostensteigerung und ohne Zeitverzug realisiert werden können.

Beispiel: Die Laufleistung des neuen Autoreifens soll um 5000 Kilometer höher sein.

Priorität Won't have

Won't have-Anforderungen beschreiben Leistungsmerkmale, die nicht oder noch nicht zu erfüllen sind. Es kann sich dabei um ein tatsächliches Ausschlusskriterium handeln, z.B. da ein neues Produkt nicht in Konkurrenz zu einem bestehenden Produkt treten soll, oder um eine Anforderung, die erst in späteren Versionen realisiert werden soll.

Beispiel: Der Reifen soll noch nicht in beliebigen Farben produziert werden können.

Erläuterung und Kommentar

Um von den - meist nicht technisch formulierten - Erwartungen des Kunden zu einer Spezifikation und zu Abnahmekriterien für ein Projekt zu kommen, ist es unbedingt erforderlich, die identifizierten Anforderungen zu priorisieren.

Hierfür gibt es verschiedene Vorgehensweisen, die detaillierteste ist das Quality Function Deployment (QFD), die Priorisierung gemäß einer einfachen Skala, wie z.B. MoSCoW, ist die einfachste Methode.

Inwieweit es sinnvoll ist, für ein Projekt die Anforderungen aller Prioritätsstufen in die Spezifikation und die Abnahmekriterien aufzunehmen, hängt von der vertraglichen Gestaltung und der Art der Projektsteuerung ab.

Bei einem Festpreisvertrag mit Lastenheft wird der Auftragnehmer lediglich die Must-Anforderungen liefern und versuchen, die Should-Anforderungen entweder aus dem Leistungsumfang auszuklammern oder für ihre Realisierung Nachforderungen geltend machen. Auftraggeber werden deshalb bei Festpreisverträgen ausschließlich Must-Anforderungen stellen, wodurch die MoSCoW-Priorisierung hier nicht sinnvoll anwendbar ist.

Wenn Auftraggeber und Auftragnehmer hingegen vereinbaren, dass das Projekt bei fixem Termin und fixem Budget nach dem Leistungsumfang gesteuert wird, dann unterstützt die mehrstufige Priorisierung von Anforderungen die Projektsteuerung. Der Projektmanager muss dann dafür Sorge tragen, dass alle Must-Anforderungen umgesetzt werden und kann mit den Leistungsumfang mit den Could- und Should-Anforderungen so steuern, dass das Projekt die Vorgaben für Budget und Termin erfüllt.

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Dieser Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 17.09.2012.
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