Progressive Konfliktanalyse

Synonyme

Progressive Auflösung
Progressive Resolution

Die Progressive Konfliktanalyse analysiert und strukturiert intuitiv die vielfältigen Aspekte einer Konfliktsituation. Auf diese Weise gelingt es den Parteien, sowohl unvermutete Gemeinsamkeiten zu erkennen als auch die eigentlichen Konfliktthemen zu identifizieren. Anschließend können die Teilnehmer auf Basis der gemeinsamen Anforderungen weiterarbeiten fokussiert die verbleibenden Punkte lösen, z.B. mit der Konfliktwolke.

Methode Progressive Konfliktanalyse

Progressive Konfliktanalyse

Synonyme

Progressive Auflösung
Progressive Resolution

Die Progressive Konfliktanalyse analysiert und strukturiert intuitiv die vielfältigen Aspekte einer Konfliktsituation. Auf diese Weise gelingt es den Parteien, sowohl unvermutete Gemeinsamkeiten zu erkennen als auch die eigentlichen Konfliktthemen zu identifizieren. Anschließend können die Teilnehmer auf Basis der gemeinsamen Anforderungen weiterarbeiten fokussiert die verbleibenden Punkte lösen, z.B. mit der Konfliktwolke.

Methode Progressive Konfliktanalyse

Einsatzmöglichkeiten

  • Identifikation der zentralen Konfliktthemen zwischen Personen oder Gruppen als Basis für die Lösungsfindung
  • Klärung einer unscharfen und vielseitigen Konflikt- oder Dilemma-Situation durch klare Unterscheidung zwischen vermuteten und tatsächlichen Widersprüchen
  • Mediation von Uneinigkeiten und Konfliktsituationen zwischen Gruppen (Abteilungen, Fachgruppen, …)

Entwickelt wurde die Methode für den Einsatz in Arbeitsgruppen, sie kann aber genauso zu zweit oder allein eingesetzt werden, um größere Klarheit in einem Konflikt oder Dilemma zu schaffen. Der Aufwand ist minimal und die Methode ist so einfach, dass sie bereits mit Grundschulkindern verwendet werden kann. 

Ergebnisse
  • Strukturierte Dokumentation der Einzelaspekte des Konfliktthemas
  • Klarheit darüber, welche Themen unstrittig sind und worin das größte Konfliktpotential besteht
  • Verbessertes, gegenseitiges Verständnis der Beteiligten
  • Kommunikationsbasis für weitere Konfliktbehandlung
Vorteile
Weniger Reibungsverluste durch energie- und zeitraubenden Streit über lediglich vermutete Widersprüche, die leicht aufzulösen sind oder über die bereits Einigkeit besteht.
Dank intuitiver Struktur schnell und einfach jederzeit einsetzbar
Erhöht die Wirksamkeit und Erfolgsaussichten von Konfliktlösungsmethoden (z.B. Konfliktwolke), indem Fehlannahmen eliminiert und die tatsächlichen Konfliktthemen identifiziert werden.
Die Fokussierung auf die eigentlichen Themen hilft dabei, faule Kompromisse zu vermeiden, bei denen beide Seiten verlieren.
Grenzen, Risiken, Nachteile
Das bessere Verständnis der Konfliktsituation führt nicht automatisch zu einer (Win-Win-)Lösung.
Wenn die Konfliktursache persönlicher Natur ist oder auf einem Machtkampf beruht (es also keinerlei Bereitschaft gibt, eine Einigung zu finden), kann die Progressive Konfliktlösung bestenfalls Randkonflikte abtrennen, aber keine Win-Win-Situation vorbereiten.
Voraussetzungen
  • Zwei klar abgegrenzte Parteien (z.B. zwei Abteilungen, Organisationen, Personen) mit eindeutigen, gegensätzlich erscheinenden Positionen
  • Interesse beider Parteien an einer konstruktiven, sachlichen Auflösung der Konfliktsituation
  • Bereitschaft der Konfliktparteien, gemeinsamen in einem Workshop an der Analyse und Lösung des Konflikts zu arbeiten
Qualifizierung

Die Progressive Auflösung von Konflikten kann von jedem ohne Vorkenntnisse eingesetzt werden. Bei der Anwendung in Gruppen ist Moderationserfahrung erforderlich. 

Benötigte Informationen
  • Sichtweisen der zentralen Beteiligten auf die Konfliktsituation
  • Informationen über bisherige "Steine des Anstoßes" – was wollen die Parteien jeweils (nicht)
Benötigte Hilfsmittel
  • Pinnwand, Wand oder Bodenfläche, passende Schreibmaterialien (z.B. Moderationskarten und Marker)
  • Alternativ: Beamer mit einer Tabelle wie in Schritt 1 beschrieben. Meine Empfehlung ist jedoch, die Erarbeitung zunächst analog statt digital durchzuführen.
Herkunft

Erfinder der Methode Progressive Resolution in dieser grafischen Form ist Alfredo Mycue, der seit Jahrzehnten als US-amerikanischer Unternehmensberater, sowie als leitender Beamter in verschiedenen Positionen in der Texanischen Administration signifikant beschleunigte Abläufe und besseren Kundenservice bewirken konnte. Die Progressive Konfliktlösung basiert auf diplomatischen Gesprächstechniken, die das Bureau of Political-Military Affairs des US State Departments in der Ausbildung für in internationalen Botschaften stationierten Offizieren nutzt.

Durchführung: Schritt für Schritt

Oft sind Uneinigkeiten – besonders langjährige und chronische – sehr schwammig, fast wie ein undurchsichtiger Nebel: Alle wissen, dass ein Konflikt zwischen den Parteien herrscht, aber es ist schwer, die beteiligten Emotionen und Persönlichkeiten vom objektiven Inhalt des Konflikts zu trennen. Eine solche Situation kann dazu führen, dass der Konflikt lange Zeit nicht konstruktiv adressiert wird. Stattdessen wird die Gegenpartei so gut wie möglich umgangen und gemieden. Wenn doch Lösungsversuche gemacht werden, führen diese nur zur weiteren Verhärtung der Fronten. 

Beispiel: Konflikt zwischen Sales und Operations

Sie sind Leiter des Projektmanagements eines Unternehmens im Anlagenbau. Eben wurde eine neue Software zur Multiprojektsteuerung eingeführt. Durch die gewonnene Transparenz wird so deutlich wie noch nie offensichtlich, dass die Abteilung Operations nicht in der Lage ist, die von Sales den Kunden versprochenen Termine einzuhalten.  

Plötzlich stehen Sie als neutrale Position zwischen den Fronten von Sales und Operations: Operations drängt Sie, die neu berechneten, realistischen Termine ernst zu nehmen und sofort die Verschiebung des Liefertermins an die Kunden zu kommunizieren. Sales hingegen warnt vor Kundenverlust, wenn eine Verzögerung zu früh bekannt gegeben wird. Operations drängt die Projektmanager, die Entwicklungsprojekte zugunsten der laufenden Kundenprojekte zurückzustellen, Sales drängt auf die Fertigstellung der Entwicklungsprojekte, um die geplanten Präsentationstermine halten zu können.  

Beinahe täglich werden Notfall-Meetings zu neuen und laufenden Projekten einberufen, mit dem Versuch, irgendwo noch Zeit herauszuschlagen. Die Schuldigensuche für die schlechte Liefertreue läuft auf Hochtouren. Operations und Sales schieben sich wechselseitig die Verantwortung für die Verzögerungen zu. 

Sie und Ihr Team wollen ganz einfach die Projekte bestmöglich managen, aber wie das gehen soll, ist plötzlich unklarer als je zuvor. Jedenfalls scheinen sich die Fronten immer weiter zu verhärten, statt dass Einigkeit gefunden wird. Ihre Projektmanager wissen nicht mehr, was sie den Kunden sagen sollen und sind am Verzweifeln.  

Höchste Zeit für eine Krisensitzung. Dazu laden Sie den Sales-Director und seine Gebietsmanager für Sales, und für Operations den Operations-Director und die Abteilungsleiter von Konstruktion, Produktion und Service ein. 

Schritt 1: Stellen Sie die Grundstruktur auf!

Bereiten Sie eine Tabelle mit fünf Spalten und einer Überschriftenzeile (wie in Bild 1 dargestellt) auf einer geeigneten Oberfläche vor (Pinnwand, Wand, Boden, Sandkiste, …). 

Die progressive Konfliktanalyse ist aufgeteilt in zwei gedankliche Hälften: die eine Partei hat den linken, die andere den rechten Teil, beide teilen sich die mittlere Spalte. Die Inhalte der Spalten sind von links nach rechts: 

  1. Alle Elemente, die Partei A will, und denen Partei B zustimmt – also Einigkeit herrscht. 

  2. Alle Elemente, die in den Graubereich zwischen 1. und 3. Spalte fallen.  

  3. Alle Elemente, bei denen völlige Uneinigkeit besteht; also eine Partei will etwas, doch die andere lehnt das kategorisch ab.  

  4. Alle Elemente die in den Graubereich zwischen 3. und 5. Spalte fallen.  

  5. Alle Elemente, die Partei B will, und denen Partei A zustimmt – also ebenfalls Einigkeit herrscht. 

In der progressiven Konfliktklärung ist es oft so, dass die meisten Elemente zunächst in der Mitte platziert werden (weil angenommen wird, dass die Gegenpartei gänzlich uneinsichtig ist).Im weiteren Verlauf wandern sie zumindest etwas nach außen, weil sich herausstellt, dass die Gegenpartei in der Realität einige Dinge nicht so schwarz-weiß sieht wie zunächst angenommen.  

Progressive Resolution - Grundstruktur
Bild 1: Progressive Resolution - Grundstruktur

Beispiel

Sie entscheiden, dass Sales die linke und Operations die rechte Hälfte der Tabelle erhält. Sie schreiben die entsprechenden Überschriften auf Moderationskarten und pinnen diese nebeneinander auf eine große Pinnwand. Die Linien ziehen Sie mit Kreppband. Damit sieht Ihre Tabelle nun so aus wie in Bild 2 dargestellt.

Progressive Resolution – Beispiel Sales v.s. Operations
Bild 2: Progressive Resolution – Beispiel Sales v.s. Operations

Schritt 2: Sammeln Sie, was jede Seite will!

Jetzt geht es an die Arbeit mit dem Team.

Lassen Sie zunächst jede Seite für sich in der Gruppe brainstormen, was sie will (erreichen will, tun will, entscheiden dürfen will, getan haben will,…) und wovon sie vermutet, dass die andere Seite dagegen ist. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schreiben diese Punkte auf Moderationskarten – am besten mit einer eigenen Farbe für jede Gruppe.

Achten Sie bereits während die Gruppen noch arbeiten auf die Inhalte der Karten. Wenn Ihnen persönliche Angriffe und Unterstellungen böser Absichten auffallen, sprechen Sie dies in der Gruppe an und sortieren Sie diese Karten mit Zustimmung der Gruppe aus.

Sammeln Sie dann die Karten außerhalb Ihrer vorbereiteten Tabelle (z.B. auf einer anderen Pinnwand oder auf dem Boden), gruppiert (oder farblich unterscheidbar) nach den beiden Parteien.

Beispiel

Sie lassen die Teilnehmenden zwei Gruppen bilden, eine Sales- und eine Operations-Gruppe. Jeder Gruppe geben Sie Moderationskarten und die Fragestellung: "Was wollen wir, was die andere Gruppe unserer Vermutung nach nicht will?"

Während die Gruppen diskutieren und schreiben, gehen Sie immer wieder zwischen ihnen hin und her und fokussieren sie, wenn nötig, wieder auf die Fragestellung. Erinnern Sie die Teilnehmenden daran, dass es um positive Dinge geht, die sie sich zum Wohl des Unternehmens wünschen. Die Karte "Neuer Sales-Chef" ist hier fehl am Platz. Sie sprechen die Operations-Gruppe darauf an, und sie stimmt zu, dass diese Karte entfernt werden darf. "War nur ein Scherz", sagt die Konstruktionsleiterin. Aber Sie wissen genau, dass die Karte im Plenum kein Lachen, sondern unnötige Streitereien verursacht hätte.

Gesammelte "wir wollen" Karten beider Parteien
Bild 3: Gesammelte "wir wollen" Karten beider Parteien

Praxistipps ...

Varianten ...

Ergänzende Methoden

Konfliktwolke

Lösen Sie einen Konflikt in eine Win-Win-Lösung auf! Finden Sie den genialen Ausweg aus einem Dilemma! Die Wolke ist eine zugleich einfache und mächtige Methode der Theory of Constraints.

Brainstorming

Sammeln Sie schnell eine große Anzahl an Ideen zu einem Thema! Ob im Team oder allein: Die freie Assoziation förder ungewöhnliche und neuartige Ideen zu Tage.

Verantwortlichkeitsmatrix

Definieren Sie eindeutige Verantwortlichkeiten im Projekt einprägsam und klar verständlich! Geben Sie allen Stakeholdern einen schnellen Überblick, wer für was zuständig ist!

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