Praxiswissen Projektmanagement

Bausteine - Instrumente -Checklisten

Informationen zum Buch
Praxiswissen Projektmanagement
Autor: Gassmann, Oliver
ISBN: 3446228098
Verlag: Hanser Verlag
Jahr: 2004
Seitenanzahl: 216 Seiten
Medienart: geb.
Preis: 24,90 €
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Rezension von Dr. Georg Angermeier

Für eilige LeserInnen: Kompakte Darstellung der wesentlichen Inhalte mit guter Schwerpunktsetzung und einzelnen Highlights.

Wie überwindet man die Schwellenangst zum Projektmanagement? Zu Recht moniert Prof. Dr. Oliver Gassmann (Universität St. Gallen) im Abschnitt "Projektmanagement - Quo vadis?" (mein Tipp: lesen Sie dies als erstes, Kap. 1.4, Seite 31), dass "kaum lesbare Projekthandbücher von Großunternehmen" den Eindruck verstärkten, "Projektmanagement sei zu aufwendig und kompliziert und daher für kleinere Vorhaben nicht anwendbar."

Auf der anderen Seite stehen die Herausforderungen der globalen Wirtschaft mit ihren harten Wettbewerbsbedingungen: "der Zeitdruck bei der Durchführung von Aufgaben steigt an und die meisten Aufgaben sind durch wachsende Komplexität und Interdisziplinarität gekennzeichnet. Neue Produkte müsen in immer kürzerer Zeit entwickelt werden".

Die Praxis des Projektmanagements so zu vermitteln, dass ihr Nutzen dem Manager deutlich wird und ihre Methoden für den Projektarbeiter nachvollziehbar sind, ist das anspruchsvolle Ziel dieses Buchs. Diesem kann es mit guten 200 Seiten schon vom Umfang her nicht vollständig gerecht werden, aber es kommt ihm doch sehr nahe.

Auf den ersten dreißig Seiten (ob das Kapitel jetzt "Erfolgsfaktor Projektmanagement" oder "Grundlagen des Projektmanagement" heißen soll, streiten sich Inhaltsverzeichnis und Kapitelüberschrift) gibt Oliver Gassmann eine Art Management Summary über das Wesen des Projektmanagements. Als wesentlich erkannt hat er sieben Bausteine, die sich auch (fast) alle in den Kapitelüberschriften wiederfinden:

  • Ziele: Wohin geht die Reise?
  • Projektorganisation: Wer wird wie involviert?
  • Planung, Steuerung und Kontrolle: Reagieren oder proaktiv steuern?
  • Projektentscheidungen: Fundiert entscheiden - aber wie?
  • Führung des Teams: Führung auch ohne Schwert?
  • Kreativität in Projekten: Ausgetretene Pfade verlassen
  • Selbstmanagement: Den Projektalltag erfolgreich meistern

Dieses erste Kapitel ist für Geschäftsführer, Vorstände, Abteilungsleiter und andere Linienverantwortliche ideal, um schnell den Sinn und Zweck von Projektmanagement zu verstehen. Dem künftigen Projektverantwortlichen gibt es eine erste Orientierung und die Möglichkeit, sich seinen wichtigsten Baustein für den Einstieg zu wählen.

Man braucht das Buch nicht der Reihenfolge nach zu lesen, jedes Kapitel steht für sich. Das sollte keinesfalls dazu verführen, das eine oder andere ganz zu übergehen. Mit der Wahl seiner Bausteine hat der Herausgeber ohnehin eine sehr "schlanke" Collage erstellt. So fehlen z.B. die eng miteinander verknüpften Bereiche Qualitäts-, Konfigurations-, Änderungs- und Informationsmanagement. Aber wenn man die ganze Welt des Projektmanagement zwischen zwei Buchdeckel pressen will, landet man unvermeidlich beim Projektmanagement Fachmann. Oliver Gassmann will aber kurz und bündig sein. Deshalb auch kurz und bündig ein schneller Überlick der einzelnen Kapitel:

Projektorganisation: Dr. Eugen Voit (CTO Leica Geosystems AG) stellt von der traditionellen Stabs-Projektorganisation bis zum unternehmensübergreifenden Projektmanagement die Möglichkeiten der Einbettung des Projekts im Unternehmen vor. Er beschreibt die projektspezifischen Organisationseinheiten Projektleiter, Lenkungsausschuss, Project-Office und Kernteam. Dabei umfasst der Lenkungsausschuss in seiner Darstellung auch die Rollen des Auftraggebers, Sponsors und Änderungsausschusses.

Planung, Steuerung und Kontrolle von Projekten: Den größten Umfang mit fast fünzig Seiten nimmt Prof. Jochen Platz (Gesellschaft für Forschungs- und Entwicklungsmanagement mbH) in Anspruch, immerhin geht es hier ja um den harten Kern des Projektmanagements. Projektstrukturierung, Aufwandsschätzung, Kalkulation, Terminplanung, Ressourcenmanagement, Aufwandserfassung, Soll-Ist-Vergleich, Trendanalysen, Steuerungsmaßnahmen und manches andere auf fünfzig Seiten? Der Autor schafft das scheinbar Unmögliche mit Bravour - alles ist irgendwie enthalten. Natürlich nicht in der Tiefe. Aber nach der Lektüre dieses Kapitels wissen Sie, was Sie für Ihr Projekt benötigen.

Projektentscheidungen: Mein persönliches Lieblingskapitel hat Christian Wilkens (Jopp & Wilkens Management Consulting GmbH) geschrieben. Nicht deswegen, weil er hier bahnbrechende Innovationen verkünden würde, sondern weil er einen neunstufigen Entscheidungsprozess unmittelbar umsetzbar beschreibt. Zwei Erkenntnisse vermittelt dieses Kapitel eindringlich: 1. Entscheidungen sind Arbeit. 2. Entscheidungen sind möglich.

Führung in Projekten: Ein heißes Eisen packt Matthias Meiffert (Kienbaum Management Consultants GmbH) an. Angehende Projektleiter werden dieses Kapitel sicherlich am intensivsten studieren, schließlich ist es eine erhebliche persönliche Verunsicherung, plötzlich ohne offizielle Disziplinargewalt ein Team (in dem sogar Vorgesetzte sein können) zu führen. Da wirkt die abgeklärte (abgebrühte?) Darstellung des Autors hoffentlich beruhigend. Er behandelt die richtige Zieldefinition, die Delegation von Aufgaben, Entscheidungen, Sitzungen, Mitarbeitergespräche und was sonst so alles zur Führung dazu gehört souverän und auf den Punkt gebracht ab.

Kreativität in Projekten: Eine undankbare Aufgabe hat Prof. Dr. Horst Geschka (Technische Universität Darmstadt) übernommen. Auf nur 26 Seiten muss er den schönsten und spannendsten Aspekt von Projekten beleuchten: Problemlösung und Kreativität. Die Zwickmühle, in der sich der Autor befand, springt dem Leser auf jeder Seite förmlich entgegen: Er will eigentlich die grundlegenden Prinzipien der Problemlösung und Kreativität vermitteln, muss aber gezwungenermaßen auch Kochrezepte für einzelne Methoden liefern, schließlich heißt das Buch "Praxiswissen Projektmanagement." Ich hätte es bevorzugt, wenn Horst Geschka nur über Problemlösungsmodelle, Kategorien der Kreativitätstechniken, Ideenbewertungsverfahren und die Gestaltung von Workshops geschrieben hätte. Die Methodenbeschreibungen sind zu knapp als dass man sie verwenden könnte und die grundlegenden Abschnitte litten unter der Zwangsjacke der Vorgaben.

Selbstmanagement im Projekt: Gemeinsam mit Mathias Kesting (ebenfalls Kienbaum Management Consultants GmbH) widmet sich Dr. Matthias Meiffert dem Überleben im Projektalltag. Dabei gibt es zwei Überraschungen: 1. Die Autoren schaffen es den Inhalt mehrerer Meter Zeit- und Selbstmanagementbücher auf 25 Seiten zu komprimieren. 2. Die aus Berlin stammenden Autoren empfehlen die "ALPEN"-Methode. Die hat übrigens nichts mit der der Universität St. Gallen zu tun, an der Prof. Dr. Gassmann tätig ist. Ein wenig Spannung muss bleiben, Sie müssen das Buch schon selber lesen, um die Lösung dieses Rätsels zu finden.

Was fehlt? Mir zumindest ein eigenständiges Kapitel über Projektziele. Der Herausgeber meint, dass dieser Aspekt in allen anderen enthalten sei. Das stimmt schon, aber wir habe schließlich ein vernetztes System vor uns, bei dem alles mit allem zusammenhängt. Über Projektziele lässt sich trefflich schreiben, vor allem könnte hier der Aspekt des strategischen Projektmanagements mühelos eingeflochten werden. Aber zum Glück gibt es ja das Projekt Magazin und das Buch Strategisches Projektmanagement


Verlagstext

Oliver Gassmann, der Projektmanagement-Profi aus St. Gallen, zeigt zusammen mit ausgewiesenen Experten der MC Projektmanagement Akademie, wie ein Projekt zum Erfolg geführt wird - klar, praxisnah und direkt umsetzbar.

Unterstüzt durch Beispiele und Checklisten vermitteln Ihnen die Autoren

  • warum Projekte erfolgreich sind,
  • was die typischen Fehler sind,
  • wie sie sich vermeiden lassen,
  • welche Bausteine und Instrumente des zielorientierten Projektmanagements existieren und
  • wie sie eingesetzt werden.

Über den Autor

Oliver Gassmann ist Professor und Direktor des Instituts für Technologiemanagement an der Universität St. Gallen. Bis 2002 leitete er die Forschung und Vorentwicklung des Schindler-Konzerns.



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