Die neue DIN 69901: Änderungen, Chancen und Grenzen

Im Herbst 2008 soll die neue Projektmanagement-Norm DIN 69901:2007 veröffentlicht werden. Endlich, wie viele vielleicht sagen werden, denn die alte Norm gilt als überholt. Andreas Heilwagen und Steffi Triest stellen einige Neuerungen vor und zeigen im Vergleich zum PMBOK® Guide des PMI auf, welche Chancen die neue Norm in der Praxis eröffnet und wo sie an Grenzen stößt.

Im Herbst 2008 soll die neue Projektmanagement-Norm DIN 69901:2007 veröffentlicht werden. Endlich, wie viele vielleicht sagen werden, denn die alte Norm gilt als überholt. Im Folgenden stellen wir einige Neuerungen vor und zeigen im Vergleich zum PMBOK® Guide des PMI auf, welche Chancen die neue Norm in der Praxis eröffnet und wo sie an Grenzen stößt.

Frischer Wind für Normen und Standards

Nachdem jahrelang keine neuen Normen im Projektmanagement veröffentlicht wurden (die letzte deutsche PM-Norm DIN 69904 erschien im Jahr 2000) gibt es nun innerhalb kurzer Zeit eine Reihe von Neuerungen:

  • Mitte April beriet der zuständige DIN-Arbeitskreis die Einsprüche zum Entwurf der neuen deutschen Projektmanagement-Norm 69901:2007. Die für den Herbst 2008 geplante Veröffentlichung der endgültigen Norm rückt damit in greifbare Nähe.
  • Im Dezember folgt die vierte Edition des PMBOK - A Guide to the Project Management Body of Knowledge des PMI (PMBOK® Guide, amerikanische Norm für Projektmanagement) gemeinsam mit den PMI-Standards zum Programm- und Portfolio-Management sowie dem organisatorischen Reifegradmodell OPM3.
  • Voraussichtlich 2011 wird die International Standard Organisation (ISO) mit der ISO 21500 eine international gültige Projektmanagement-Norm veröffentlichen, die die Bedeutung nationaler Normen relativieren wird.

Nicht nur die Normen werden runderneuert, auch die international verbreiteten Standards IPMA Competence Baseline (ICB 3.0) und PRINCE2 wurden bzw. werden derzeit überarbeitet. Die 2006 erschienene ICB 3.0 ist ab Januar 2008 Grundlage der Zertifizierungen nach IPMA. Die neue Version des britischen Vorgehensmodells PRINCE2 (Projects in Controlled Environment) wird 2009 erscheinen, es dient ebenfalls als Grundlage eines eigenständigen Zertifzierungssystems.

Einerseits kann man diese intensiven Normungs- und Standardisierungsaktivitäten als Indiz für die erfreuliche Entwicklung werten, dass Projektmanagement sowohl in den Volkswirtschaften als auch in der globalen Ökonomie massiv an Bedeutung gewonnen hat. Andererseits stellt sich die Frage, ob diese Vielfalt nicht zu einem verwirrenden Durcheinander führt, wenn z.B. nach verschiedenen Systemen arbeitende Unternehmen ein gemeinsames Projekt durchführen wollen. Wie wir im Folgenden zeigen, gibt es zwar keine direkten Widersprüche zwischen den Normen, aber auch keine einfachen Synchronisationsmöglichkeiten. Die Abstimmung zwischen den Normen und Richtlinien im Projektmanagement wird deswegen zunehmend wichtiger werden.

Normen sinnvoll einsetzen

Unserer Meinung nach sollten sich alle in Projekten arbeitenden Personen mit den Aussagen der PM-Normen befassen. Schließlich enthalten diese Best Practices, die von Experten aus den Erfahrungen vieler tausend Projektjahre zusammengetragen wurden. Wer nicht das Rad neu erfinden, sondern seine Arbeitskapazität auf die Erstellung des Projektgegenstands konzentrieren will, sollte diese Erfahrungen für sich nutzen.

Als Mitwirkende im derzeit laufenden Einspruchsverfahren der deutschen Norm möchten wir Projektverantwortlichen erste Anregungen für die eigene Auseinandersetzung mit den Normwerken geben. Hierzu greifen wir gezielt drei Aspekte heraus, die unserer Meinung nach die unterschiedlichen Herangehensweisen der beiden Normwerke DIN 69901:2007 und PMBOK Guide des PMI auf verschiedenen Ebenen

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