Praxisbericht:

Ein kühnes Großprojekt - Das "Fränkische Seenland"

Ute Kuhlmann zeigt in ihrem Praxisbericht, wie ein gigantisches Projekt geplant und umgesetzt wurde: 30 Jahre Planung, Neuschaffung einer Behörde, Austausch mit internationalen Spezialisten und ein umfassendes Risikomanagement sind nur einige der Gründe für den erfolgreichen Projektverlauf. Der Bau des "Fränkischen Seenlands" und die Umgestaltung der angeschlossenen Flüsse haben das Landschaftsbild Mittelfrankens komplett verändert.

Riesige Seen, umgeben von üppiger Vegetation, idyllische Erholungsgebiete, ausgedehnte Naturschutz-Zonen - wer die Täler von Altmühl oder Brombach heute bewundert, würde nicht glauben, dass diese Landschaften auf dem Reißbrett entstanden sind. Der Bau des "Fränkischen Seenlands" und die Umgestaltung der angeschlossenen Flüsse haben das Landschaftsbild Mittelfrankens komplett verändert. Die Planung und Umsetzung dieses Großvorhabens waren keine einfache Angelegenheit - hier waren Experten am Werk.

Wasserausgleich als übergreifendes Konzept

Überleitung von Altmühl- und Donauwasser in das Regnitz-Main-Gebiet

Bayern gilt seit jeher als wasserreiches Land. Einzelne Regionen jedoch hatten noch in den 60er Jahren mit starken Schwankungen des Wasserangebots zu kämpfen. Während das Alpen- und Donaugebiet von Natur aus gut versorgt ist, führten in Nordbayern geringe Niederschläge und ungünstige Bodenverhältnisse zu Wassermangel. Durch die hohe Siedlungsdichte ist aber gerade hier der Bedarf besonders hoch. In sommerlichen Trockenperioden drohten die Gewässer zunehmend zu verschmutzen, zeitweise wurde Wasser sogar zur Mangelware. Zur Lösung dieser Probleme sollten 150 Mio. Kubikmeter Wasser pro Jahr in das Regnitz-Main-Gebiet umgeleitet werden, davon 125 Mio. Kubikmeter Donauwasser.

Bild 1: Der Brombachsee

Das Altmühltal hatte gleich zwei Probleme: Neben Wassermangel sorgten sommerliche Hochwasser regelmäßig für Überschwemmungen. Siedlungen, Gewerbegebiete und Talflächen wurden bedroht, Landwirte mussten ihre verfaulten Heuernten auf den Altmühlwiesen verbrennen. Die noch fehlende Überleitungsmenge von 25 Mio. Kubikmeter wollte man daher dem hochwasserbedrohten Altmühltal entnehmen. Dabei musste das Konzept der Überleitung gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen:

  • Die Wasserqualität von Rednitz, Regnitz und Main sollte durch eine erhöhte Wasserführung verbessert werden und eine durch Wassermangel verursachte wirtschaftliche Beeinträchtigung der Region Franken abwenden.
  • Die Vermeidung von Überschwemmungen im Altmühltal sollten die landwirtschaftlichen Erträge erhöhen.
  • Eine vermehrte Nutzung von Oberflächenwasser zur landwirtschaftlichen Bewässerung sollte wichtige Grundwasserressourcen schonen.
  • Die Region des zukünftigen "Fränkischen Seenlands" sollte von umfangreichen Strukturverbesserungen profitieren. Der Ausbau des Fremdenverkehrs versprach einen positiven wirtschaftlichen Wandel.

Unterstützung durch Bevölkerung und Politik

Ein Projekt dieser Größenordnung konnte nur mit Unterstützung aus Bevölkerung und Politik durchgeführt werden. Der endgültige Startschuss fiel am 16. Juli 1970. Der Bayerische Landtag verpflichtete die Bayerische Staatsregierung durch einen Parlamentsbeschluss zur Durchführung des Überleitungsvorhabens. Grundlage dieses Beschlusses bildete eine ausführliche Studie, welche die Oberste Baubehörde vorgelegt hatte. Nun musste der Freistaat alle nötigen finanziellen, organisatorischen und technischen Voraussetzungen schaffen und die entsprechenden Grundstücke erwerben. Die späteren Ufer-Grundstücke der Seen sollten für eine allgemeine Nutzung in öffentlicher Hand verbleiben.

"Dieses Projekt wurde der Staatsregierung vom Landtag vorgegeben - und nicht umgekehrt", betont Hans Trögl, Projektleiter der 'Überleitung Donau-Main'. "Das war einmalig in der Geschichte Bayerns." So musste der Finanzminister nach dem Beschluss zunächst die nötigen Mittel beschaffen. Schließlich war der Haushalt auf die millionenschwere Belastung nicht eingerichtet. "Dass wir mit dem Projekt gleich in die 'Vollen' gehen würden, so wie wir uns das am Anfang vorgestellt hatten, ging also nicht", erinnert sich Trögl.

Hans Trögl, Jahrgang 1938, war nach seinem Studium des Bauingenieurwesens an der Technischen Universität München und der anschließenden Referendarszeit in der bayerischen Staatsbauverwaltung bis 1987 in der Wasserwirtschaftsverwaltung Bayern beim Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weißenburg, Regierung von Mittelfranken, Talsperren-

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