Einführung in die Netzplantechnik

Teil 3: Termine berechnen
Welches Projektergebnis möglich ist, hängt entscheidend von der Terminplanung ab. Dies gilt für alle Branchen, egal ob es sich um den Markteintritt eines neuen Automodells pünktlich zur Internationalen Automobilausstellung, um einen Wahlkampf oder um ein Software-Release handelt. Dr. Georg Angermeier erläutert in seinem dritten Beitrag zur Netzplantechnik anhand eines Beispiels die Vorgehensweise bei der Ablauf- und Terminplanung. Er erklärt wichtige Begriffe wie etwa den "Kritischen Weg" und zeigt, wie Vorwärts- und Rückwärtsrechnung funktionieren, Pufferzeiten ermittelt und Steuerungsmaßnahmen eingeleitet werden.

Sobald die Arbeitspakete des Projekts strukturiert, die Vorgänge definiert, ihre Dauern geschätzt und ihre Abhängigkeiten modelliert sind, kann der Projektablauf als Ganzes simuliert werden. Als Berechnungsmethoden dienen die Vorwärts- und die Rückwärtsrechnung innerhalb des Netzplans. Dabei möchte der Planer vor allem das frühest mögliche Projektende herausfinden und die Wege ermitteln, die die Projektdauer bestimmen.

Beispiel für Ablauf- und Terminplanung

Ein Beispiel soll dazu dienen, die Ablauf- und Terminplanung mit Hilfe der Netzplantechnik zu verdeutlichen. Projektstruktur und Zeiten sind in diesem Fall fiktiv und sollen lediglich die grundlegende Vorgehensweise aufzeigen. Der beschriebene Zeitdruck hingegen, der einen wesentlichen Einfluss auf die Terminplanung hat, ist realistisch. Der geplante Markteintrittstermin bestimmt den Projektablauf. Wird er nicht eingehalten, ist der Businessplan Makulatur und das Unternehmen gerät möglicherweise in Existenznöte.

Projekt "Mobiltelefon"

Die HighTech3000 GmbH will mit einer neuen Modellserie in den Mobiltelefonmarkt einsteigen und dazu eine Reihe von Entwicklungsprojekten starten. An der ersten Projektsitzung nehmen der Geschäftsführer, der Leiter Technische Entwicklung, die Leiterin Marketing und Marktforschung sowie der Terminplaner teil.

Der Geschäftsführer setzt den entscheidenden Meilenstein: Der Businessplan "Mobiltelefon" sieht vor, dass das Unternehmen ab Herbst des nächsten Jahres jeden Monat ein neues Modell heraus bringt. Das Startmodell muss bis zum 1. Oktober 2005 auf dem Markt platziert sein, da danach schon die Werbung für das Nachfolgemodell beginnt.

Der Leiter Technik hält dies für unrealistisch. Er sieht den Projektablauf in etwa so: Zunächst muss er Informationen über die Kundenanforderungen bekommen. Dann kann er das neue Modell konzipieren, ein Labormodell für Tests konstruieren, Prototypen bauen und anschließend die Nullserie starten. Erst danach kann das Modell in die Produktion gehen. Die erste Auslieferung ist frühestens 50 Arbeitstage nach Produktionsbeginn möglich. Der Techniker glaubt nicht, dass das Projekt innerhalb eines Jahres abzuschließen ist, und rechnet insgeheim damit, dass sich der Termin für den Projektabschluss um ein halbes Jahr verzögert.

Die Leiterin Marketing und Marktforschung erklärt, dass sie für eine Kundenbefragung und deren Auswertung 50 Arbeitstage benötigt. Vor allem aber muss die Werbekampagne mindestens

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